Zweites Leben: Borkenkäfer-Fichten schützen nachwachsende Bäume


In den Werkstätten der Lebenshilfe Gifhorn entstehen aus Borkenkäfer-Fichten Holzzäune gegen Wildverbiss, damit an den nun kahlen Stellen neue Bäume ungestört wachsen können. Foto: Nds. Landesforsten
In den Werkstätten der Lebenshilfe Gifhorn entstehen aus Borkenkäfer-Fichten Holzzäune gegen Wildverbiss, damit an den nun kahlen Stellen neue Bäume ungestört wachsen können. Foto: Nds. Landesforsten

Clausthal-Zellerfeld. Berge von Holz türmen sich derzeit in den Harzer Wäldern. Doch wohin mit den vielen abgestorbenen Fichtenbäumen, die die Massenvermehrung der Borkenkäfer zurückgelassen haben? Förster der Niedersächsischen Landesforsten haben für einen kleine Teil des Holzes eine besonders praktische Verwendung gefunden. Sie dienen künftig als Holzzäune gegen Wildverbiss. Die Niedersächsischen Landesforsten berichten in einer Pressemitteilung.


Einige hundert Borkenkäferfichten verkauft das Forstamt Clausthal an seinen langjährigen Kunden, das Sägewerk Heuer in Gifhorn. Das Sägewerk zersägt die Stämme zu Dachlatten in immer gleicher Stärke und Länge. Vom Sägewerk gehen die Latten in die Werkstätten der Lebenshilfe Gifhorn gemeinnützige GmbH. Dort verantwortet Ingo Braukmann die Abteilungsleitung Holzbereich. Aus den Fichten-Dachlatten bauen die Beschäftigten der Lebenshilfe so genannte Hordengatter. Ingo Braukmann fertigt mit seinem Team im ersten Auftrag insgesamt 250 solcher Holzzäune. Er sagt: „Wir haben extra Vorrichtungen für die gleichbleibende Produktion angefertigt. Außerdem mussten wir die Arbeitsplätze noch dafür vorbereiten und mit zusätzlichem Werkzeug und einer neuen Druckluftleitung versehen“.

Borkenkäferholz sichert für die Zukunft


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Die fertig montierten Hordengatter lädt das Sägewerk Heuer an den Pflanzflächen ab. Foto:



Holzkäufer Heuer liefert die fertigen Holzzäune mit dem LKW zurück in den Harz und lädt die Gatter an den großen Kahlflächen im Forstamt Clausthal ab. Dort werden sie gebraucht als Schutzzäune, um die jungen Laubpflanzen vor Wildverbiss zu schützen. Eine der großen Kahlflächen liegt nahe der Eckertalsperre. Dort haben Borkenkäfer im Spätsommer 2019 keinen lebenden Baum zurückgelassen. Hier im Revier Radauberg soll künftig ein Mischwald entstehen. Die alten Fichten stammten noch aus der Nachkriegsaufforstung, die nach den sogenannten Engländerhieben angepflanzt wurden.

Ein neuer Wald entsteht


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Mitarbeiter des Forstunternehmen Vukadin und Forstwirtschaftsmeister Alexander Frese stellen die Wildschutzzäune im Eckertal auf. Foto:



Im Wald angekommen und auf die Pflanzflächen verteilt, werden die Hordengatter Stück für Stück aufgebaut. Dabei braucht es zwei bis drei Arbeiter, um die zwei Meter hohen Holzzäune aufzustellen und fest abzustützen. Die Landesforsten haben das Forstunternehmen Vukadin aus Braunlage hiermit beauftragt. Die Hordengatter müssen stabil stehen, um nicht bei Sturm oder hohem Schnee umgedrückt zu werden. Die Höhe von zwei Meter garantiert, dass kein Hirsch den Holzzaun überwinden kann. Sind alle Horden aufgestellt, wird der neue Wald gepflanzt. „Heute stehen uns mehr Baumarten zur Verfügung als 1949. Nach den Reparationshieben konnten die Kahlflächen im Harz nur mit Fichten bepflanzt werden. Wir setzen seit 30 Jahren auf Mischwälder, in denen Bergahorn, Rotbuche, Roterle, Eberesche, Weiden, Birken, Fichten Douglasien oder Lärchen wachsen“, erläutert Ralf Krüger den Umbau der Wälder. Der Forstamtsleiter aus Clausthal freut sich über die sinnvolle Verwendung der Borkenkäfer-Fichten aus seinen Revieren. „So tragen die Holzgatter gleich zweifach zum Klimaschutz bei: Ihr Holz speichert CO2 und ersetzt Drahtzäune und sie schützen den nachwachsenden Klimaschutz-Wald vor Reh und Hirsch“.


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