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A2 mindestens bis Donnerstag gesperrt - Feuerwehr: "Die Gafferei wird immer schlimmer"

Der Sachschaden durch den Unfall dreier Sattelzüge belaufe sich nach Polizeiangaben auf etwa eine Million Euro.

von Marvin König


Der Gefahrgutunfall auf der A2 hat weitreichende Folgen für den Individualverkehr. Foto: aktuell24/BM

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23.06.2020

Lehre. Ein folgenreicher Unfall ereignete sich am Dienstagmorgen gegen 10:56 Uhr auf der Autobahn 2 in Fahrtrichtung Hannover. 23 Tonnen Carbongranulat ergossen sich auf die Fahrbahn - ein krebserregender und explosionsgefährlicher Gefahrenstoff. Über die Warnapp "Nina" wurde um 12:37 Uhr eine Warnung vor der Staubwolke auf der höchsten Warnstufe herausgegeben. Feuerwehr und Polizei zeigten sich genervt - Denn der ohnehin schon schwierige Einsatz wurde durch Gaffer und das Fehlen einer Rettungsgasse noch komplizierter.


Anwohner und vorbeifahrende Autofahrer seien aufgrund der Gefahr durch die Staubwolke dringend angehalten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Zudem sollte die Lüftung im Fahrzeug auf "Umluft" umgeschaltet werden. Denn auch wenn der Unfall bereits vorüber ist, kann der tiefschwarze und hochgiftige Staub aufgrund der trockenen Witterung immer wieder aufgewirbelt werden.

Ursächlich für das massive Chaos mit weitreichenden Folgen für den Verkehr auf der Autobahn war ein Unfall zwischen ganzen drei LKW. Der erste habe zunächst wegen Staubildung auf der rechten Fahrspur gehalten. Ein hinter ihm fahrender 38-jähriger Fahrer habe dies gerade noch rechtzeitig bemerkt und lenkte sein Fahrzeug auf den Seitenstreifen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Ein dritter Sattelzug bemerkte das Stauende jedoch zu spät. Der 42-jährige Fahrer versuchte noch nach links auszuweichen, riss sich jedoch seinen Auflieger auf und verlor mehrere Tonnen des gesundheitsschädlichen Carbongranulates, welches sich über die Fahrbahn ergoss. Die bereits stehenden LKW wurden durch den Zusammenstoß ebenfalls beschädigt. Alle Fahrer blieben hierbei unverletzt.

"Das ist mit Feuerwehrmitteln nicht zu schaffen"


Die Gefahrgutzüge mehrerer Feuerwehren befinden sich im Einsatz. Allerdings wird für die Entsorgung der immerhin 23 Tonnen des toxischen Materials eine Spezialfirma anrücken müssen. "Das ist mit Feuerwehrmitteln so nicht zu schaffen", wie Rainer Madsack, Sprecher der Gemeindefeuerwehr Lehre erläutert. Die Polizei geht von einem Sachschaden von einer Million Euro aus. Denn nicht nur gestaltet sich die Bergung und Entsorgung unter den bestehenden Gegebenheiten schwierig, auch die Fahrbahn muss erneuert werden. Das Granulat lasse sich aus dem offenporigen Asphalt nicht einfach absaugen, weshalb die betroffene Fahrbahn auf etwa 500 Quadratmetern abgefräst und der betroffene Asphalt als Gefahrenstoff entsorgt werden muss.

Gaffer erschwerten den Einsatz


Die Feuerwehr hatte aufgrund einer teilweise mangelhaft gebildeten Rettungsgasse schon große Probleme bei der Anfahrt. Vor Ort rissen die Probleme nicht ab. Der Verkehr wurde zunächst über den Parkplatz des naheliegenden Rastplatzes Essehof abgeleitet. Dies nahmen laut Madsack wohl einige zum Anlass, aus ihren Fahrzeugen auszusteigen und die Unfallstelle zu Fuß zu besichtigen: "Das hat Kräfte der Feuerwehr gebunden, um sicherzustellen, dass niemand, der mit dem Auto da lang fahren sollte, da zu Fuß lang geht", ärgert sich der Feuerwehrsprecher: "Die Gafferei wird immer schlimmer, die Leute sind sensationsgeil. Die Bevölkerung tut uns einen Gefallen, wenn sie von den Einsatzstellen fernbleibt."

Ortskundige sollten den betroffenen Bereich der A2 in Fahrtrichtung Hannover weiträumig umfahren. Ob die Freigabe der Fahrbahn bereits am Donnerstag wieder erfolgen kann, ist ungewiss. Mit Behinderungen im Umfeld müsse gerechnet werden.


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