Region. Der Marburger Bund hat auf seiner 147. Hauptversammlung in Hannover weitreichende Verschärfungen der Alkoholpolitik in Deutschland gefordert. Zum einen soll hochprozentiger Alkohol nur noch in sogenannten "Alkoholshops" verkauft und zum anderen soll das "begleitete Trinken“ für Jugendliche ab 14 Jahren abgeschafft werden. regionalheute.de hat den Braunschweiger Bundestagsabgeordneten und gesundheitspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, sowie den Braunschweiger CDU-Bundestagsabgeordneten und Mitglied im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz, Carsten Müller, um ein Statement zu der Forderung gebeten.
Hochprozentige alkoholische Getränke sollen laut Marburger Bund künftig nicht mehr in Supermärkten, Tankstellen oder Kiosken erhältlich sein. Stattdessen soll der Verkauf ausschließlich in spezialisierten, lizenzierten Fachgeschäften erfolgen. Zudem unterstützt der Ärzteverband die Pläne des Bundesfamilienministeriums, das sogenannte „begleitete Trinken“ abzuschaffen. Damit fiele eine Ausnahmeregelung weg, die 14- und 15-Jährigen den Konsum von Bier, Wein und Sekt im Beisein ihrer Eltern erlaubt. Ergänzt werden die Forderungen durch den Ruf nach einer bundesweiten Präventionsstrategie mit mehr Aufklärung an Schulen und zusätzlicher Forschung.
Jugendliche besser schützen
Ziel des Vorstoßes ist es, insbesondere Jugendliche besser vor den Risiken des Alkoholkonsums zu bewahren. Der Verband betont, dass Alkohol zu den größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken zählt. Früh etablierte Konsummuster erhöhten nachweislich das Risiko für spätere Abhängigkeiten sowie gesundheitliche und soziale Folgeschäden.
Pantazis: „Wichtiger Weckruf“
Zustimmung kommt vom SPD-Abgeordneten Christos Pantazis. Er bezeichnete die Vorschläge als „medizinisch fundierten Weckruf“. „Dass wir beim Jugendschutz und der Prävention von Abhängigkeitserkrankungen in Deutschland mutiger werden müssen, steht außer Frage. Die Idee, den Verkauf hochprozentiger Getränke auf lizenzierte Fachgeschäfte zu beschränken, ist ein sehr weitreichender Vorstoß. Dass eine solche strukturelle Umgestaltung derzeit eine politische Mehrheit findet, ist zwar fraglich, aber die Debatte darüber ist absolut notwendig. Wir müssen uns ehrlich fragen, ob die ständige Verfügbarkeit von hartem Alkohol an jeder Tankstelle noch zeitgemäß ist“, so Pantazis.
Unabhängig davon müsse man die Punkte angehen, die jetzt machbar seien: „Das betrifft vor allem die Abschaffung des 'begleiteten Trinkens' ab 14 Jahren. Hier darf es keine Ausreden mehr geben. Mein Ziel bleibt eine nationale Präventionsstrategie, die den Schutz der Gesundheit über rein wirtschaftliche Interessen stellt.“
Müller stellt Wirksamkeit der Vorschläge infrage
Kritischer äußert sich Carsten Müller (CDU). Er warnt vor einer Ausweitung von Verboten und bezweifelt, dass spezialisierte Verkaufsstellen den Missbrauch tatsächlich reduzieren. „Die Erfahrungen in anderen Ländern belegen nicht, dass eine Schaffung von spezialisierten Geschäften automatisch den Konsum reduziert. Tatsache ist: Der Anteil Jugendlicher, die wöchentlich Alkohol konsumieren, ist seit Jahren stark rückläufig. Dazu haben Maßnahmen wie Warnhinweise, Alterskontrollen und der Ausbau von Präventionsangeboten beigetragen. Eine reine Verbotspolitik schafft kein Verantwortungsbewusstsein“, gibt Müller zu bedenken.
Zudem sieht er die Verantwortung primär bei den Eltern: „Dem Staat obliegt es nicht, pauschal in den besonderen Schutzbereich der Familien hinein zu kontrollieren. Für Eltern gibt es besondere Beratungs- und Hilfsangebote – diese gilt es zu sichern und bei Bedarf zu stärken.“



