Alltagshelden: Wie sich Tierschützer für verlassene Vierbeiner einsetzen

Sie arbeiten abseits des Rampenlichts – die vielen Menschen, die sich in der Region für Tiere in Not einsetzen. Ihr Lohn ist der Dank der Tiere. regionalHeute.de wirft einen Blick hinter die Kulissen.

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Im Tierheim Braunschweig warten zahlreiche Tiere auf ein liebevolles Zuhause.
Im Tierheim Braunschweig warten zahlreiche Tiere auf ein liebevolles Zuhause. | Foto: Sabine Pölzl

Braunschweig. Zahlreiche Haustiere begleiten die Menschen in der Region durch Dick und Dünn. Für viele ist der eigene Hund ein Freund auf vier Pfoten und der Stubentiger weit mehr als nur jemand, der um 5 Uhr früh lautstark den Wecker gibt, weil der allmorgendliche "Hungertod" pünktlich bevorsteht. Doch etliche Vierbeiner haben aus den verschiedensten Gründen nicht das Glück, bis ans Lebensende bei ihrer Familie bleiben zu können – für manche beginnt sogar der Start ins Leben schon holprig. Aber was bedeutet das konkret für die Tiere und die Menschen, die sich dann um sie kümmern? regionalHeute.de hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen.



Es ist eine Aufgabe, für die es vor allem eines braucht: Herzblut. Etliche Menschen in der Region sorgen dafür, dass Tiere, die kein eigenes Zuhause haben, gut versorgt sind. Stellvertretend für all diese Engagierten haben wir das Tierheim in Braunschweig besucht. 19 Hunde, 14 Katzen und 10 Kleintiere leben dort momentan. Zwanzig hauptamtliche Mitarbeiter und viele Ehrenamtliche geben Tag für Tag alles dafür, dass es ihnen trotz der Umstände so gut wie möglich geht. Die Anzahl der Tiere mag angesichts der Größe Braunschweigs gering klingen, doch zurzeit ist es im Tierheim relativ ruhig – das liegt zum einen an Umbaumaßnahmen und einer damit verbundenen verringerten Kapazität, zum anderen stehen die alljährliche Kitten- sowie Urlaubszeit erst bevor.

Jedes Schicksal ist anders


Die Gründe, warum Haustiere im Tierheim landen, sind dabei ganz unterschiedlich. Vor allem Überforderung bei den Haltern spielt eine Rolle, etwa, wenn sich diese vor der Anschaffung nicht ausreichend über Rassemerkmale informiert haben. Besonders zur Ferienzeit werden Tiere auch einfach ausgesetzt. Oftmals steckt hinter der Abgabe aber auch ein tragisches menschliches Schicksal wie eine plötzliche schwere Erkrankung. Der oftmals tränenreiche Abschied geht dann auch den Tierheimmitarbeitern sehr nahe, wie sie im Gespräch berichten.

Vierzehn Katzen leben momentan im Tierheim Braunschweig.
Vierzehn Katzen leben momentan im Tierheim Braunschweig. Foto: Sabine Pölzl



Holpriger Start ins Leben


Manch ein Vierbeiner kommt auch aufgrund einer Beschlagnahmung durch das Veterinäramt in die Obhut der Tierschützer – beispielsweise, wenn Auflagen nicht erfüllt wurden. Immer wieder machen in der Region auch illegale Welpentransporte Schlagzeilen. Meist ist es nur dem Zufall zu verdanken, dass diese aufgedeckt werden, denn auch die Schlepper werden immer raffinierter bei ihrem schmutzigen Geschäft. Die Welpen, die durch halb Europa gekarrt werden, wurden unter widrigsten Umständen geboren, ihre Muttertiere sind für die Kriminellen nichts weiter als Gebärmaschinen und fristen ihr Dasein in schmutzigen Verschlägen. regionalHeute.de berichtete.

Auch der hübsche Balou wurde aufgrund einer schlechten Haltung durch das Veterinäramt sichergestellt. Er wünscht sich sportliche Menschen mit Hundeerfahrung.
Auch der hübsche Balou wurde aufgrund einer schlechten Haltung durch das Veterinäramt sichergestellt. Er wünscht sich sportliche Menschen mit Hundeerfahrung. Foto: Sabine Pölzl



Stress für die Tiere


Doch egal, auf welchem Weg ein Vierbeiner ins Tierheim kommt – es bedeutet für ihn zunächst einmal Stress. Wie ein Tier mit der ungewohnten Situation umgeht, ist von Fall zu Fall unterschiedlich – jüngere Hunde beispielsweise haben es oft einfacher, wie es seitens der Tierschützer heißt. Besonders für ältere Tiere kann es schwieriger sein, auch bei der erhofften Vermittlung in ein neues Zuhause. Sie werden oftmals von Interessenten übersehen. Bei manchen kommt zum Alter dann auch noch eine Erkrankung hinzu, die eine Vermittlung zusätzlich erschwert.

Landesweit einzigartige Aufgabe


Der Alltag der Tierschützer folgt einer festen Routine, doch kein Tag ist wie der andere. Am Morgen erfolgt zunächst einmal ein Kontrollrundgang, um den Gesundheitszustand der Tiere zu überprüfen. Nach der Fütterung geht es ans Saubermachen der Gehege, was naturgemäß einen großen Aufwand bedeutet. Daneben wollen die Vierbeiner auch beschäftigt werden, beispielsweise mit einem Training für die Hunde, und auch potenziellen Interessenten das gewünschte Tier vorzustellen gehört dazu. Neben zahlreichen anderen Tätigkeiten erfüllt das Tierheim im Auftrag der Stadt Braunschweig aber noch eine ganz besondere Aufgabe: den mobilen Tierrettungsdienst, der so in Niedersachsen einzigartig ist. Mit zwei speziell ausgestatteten Rettungsfahrzeugen wird verletzten und in Not geratenen Tieren rund um die Uhr schnelle, fachkundige Hilfe geleistet, indem sie geborgen und, falls nötig, schnellstmöglich zum Tierarzt gebracht werden. Auch Fundtiere werden damit abgeholt.

Der mobile Tierrettungsdienst leistet in Not geratenen Tieren schnelle und fachkundige Hilfe.
Der mobile Tierrettungsdienst leistet in Not geratenen Tieren schnelle und fachkundige Hilfe. Foto: Sabine Pölzl



Zahlreiche Herausforderungen


Für die Mitarbeiter ist ihre Arbeit eine tägliche Gratwanderung zwischen Professionalität und Anteilnahme am Schicksal der Tiere. Man brauche ein dickes Fell, wie uns im Gespräch berichtet wird. Mittlerweile würden die Schützlinge eine immer längere Zeit im Heim verbringen. Auch Qualzuchten und der illegale Welpenhandel würden die Mitarbeiter vor immer größere Herausforderungen stellen. Es gebe aber auch die schönen Momente, wie etwa bei einem Kater im Seniorenalter, der schon lange im Tierheim Braunschweig lebte und aufgrund einer schweren Erkrankung kaum noch Aussicht auf ein neues Zuhause hatte. Obwohl dem Interessenten von Anfang an klar war, dass der Kater vermutlich bald sterben würde, nahm er das Tier bei sich auf. Das seien die Momente, in denen ihnen wieder bewusst werde, warum sie diese emotionale Arbeit auf sich nehmen, so die Tierschützer.

Halter sind für Tiere ihre ganze Welt


Auch wenn die Gründe für eine Abgabe eines Tieres unterschiedlich sind, so wünschen sich die Tierschützer vor allem eines von der Gesellschaft: Vor der Anschaffung darüber nachzudenken, ob man dem Vierbeiner auf Dauer finanziell und zeitlich gerecht werden kann. Passt die Tierart zu den eigenen Lebensumständen? Kann man der gewünschten Rasse wirklich das Umfeld bieten, das sie braucht? Für die Halter ist der Vierbeiner aufgrund seiner begrenzten Lebensdauer ein Begleiter auf Zeit – für das Tier jedoch bedeutet sein Halter im besten Fall sein ganzes Leben.

Im Katzenhaus gibt es für die Tiere allerlei Klettermöglichkeiten.
Im Katzenhaus gibt es für die Tiere allerlei Klettermöglichkeiten. Foto: Sabine Pölzl


Tierschutz braucht Engagement


Wer die Tierschützer bei ihrer Mission unterstützen möchte, kann das auf verschiedenste Weise tun. Nicht nur das Tierheim Braunschweig, auch die anderen Tierschutzvereine in der Region freuen sich über Hilfe – sei es finanziell oder, indem man den Schützlingen etwas von der eigenen Zeit schenkt. Neben dem Gefühl, etwas Gutes zu tun, bekommt man dafür vor allem eines: die Dankbarkeit der Vierbeiner.

#TDL - Dieser Artikel wurde von unserer Redakteurin Sabine Pölzl zum Tag des Lokaljournalismus am 5. Mai 2026 geschrieben und hervorgehoben. Durch die Algorithmen der Plattformen und die Folgen von KI steht Lokaljournalismus besonders für nachwachsende Generationen vor großen Veränderungen. Darauf reagieren wir und wollen an diesem Tag gemeinsam mit einer Vielzahl weiterer Medienhäuser deutschlandweit darauf aufmerksam machen, dass Lokaljournalismus informiert, einordnet und sichtbar macht, was die Menschen in der Region bewegt. Lokaljournalismus ist demokratische Grundversorgung im Alltag. Ein eigener Tag setzt ein Zeichen für Wertschätzung, Qualität und Zukunft.

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