Braunschweig. Seit Juni letzten Jahres gibt es nach einem Unfall Einschränkungen an den drei Bahnübergängen im Braunschweiger Ortsteil Bienrode. Insbesondere die dauerhafte Schließung des Übergangs Auf dem Anger sorgt für Unmut. Für die Sitzung am Mittwoch hatte daher der zuständige Stadtbezirksrat Wabe-Schunter-Beberbach Vertreter der Bahn eingeladen, um über die Situation Auskunft zu geben. Doch offenbar ist niemand gekommen.
Beantragt, Vertreter der Bahn einzuladen, hatte die Gruppe CDU-BIBS-FDP. Der Stadtbezirksrat hatte dem einstimmig zugestimmt. Nun äußert die Gruppe harsche Kritik an der Bahn - und auch an der Stadtverwaltung.
Kein akuter Klärungsbedarf?
Ziel der Einladung hatte sein sollen, als gewählte Vertreter den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber auskunftsfähig zu sein und Antworten zu Fragen der Bevölkerung zu bekommen. Aber es sei keiner zur Bezirksratssitzung gekommen, weder Vertreter der Bahn noch der Verwaltung der Stadt, um offene Fragen bezüglich der Bahnübergänge zu beantworten, kritisiert die Gruppe. Angeblich habe die Bahn der Stadt in einem Schreiben mitgeteilt, dass die Teilnahme an der Sitzung des Bezirksrats als nicht zielführend angesehen werde, weil kein akuter Klärungsbedarf bestünde. Außerdem habe die DB aktuell keine Kapazitäten, um dem Antrag des Bezirksrats nachzukommen.
"Diese Absage ist nicht nur eine Missachtung der politisch gewählten Vertreter und der Bürgerinnen und Bürgern im größten Bezirk der Stadt, sondern es darf auch unterstellt werden, dass es gar keinen belastbaren Sanierungsfahrplan gibt. Zumindest keinen, der kommunizierbar wäre", kritisieren die genannten Fraktionen.
"Transparenz schafft Vertrauen, vielleicht hilft sogar das Eingeständnis von Fehlern. Intransparenz schürt Misstrauen und stärkt Vorurteile. Im Kleinen - Besuch unserer Bezirksratssitzung und Auskunft zur Sanierung - hätte gelingen können, was im Großen - marodes Schienennetz, geringe Pünktlichkeit, hohe Kosten - tagtäglich grandios scheitert. Meine Damen und Herren der Deutschen Bahn und der Verwaltung der Stadt Braunschweig warum also diese Vorgehensweise?", heißt es in der Pressemitteilung weiter.
Das sagt die Bahn
regionalHeute.de bat die Bahn und die Stadtverwaltung um Stellungnahmen zu der Kritik. "Die Vorwürfe können wir nicht nachvollziehen. Eine Teilnahme konnte aus Termingründen nicht zugesagt werden. Selbstverständlich liegt es auch im Interesse der DB, zu informieren. So sind wir im ständigen Austausch mit der Stadt Braunschweig und waren auch im Juli 2025 persönlich vor Ort", teilt eine Bahnsprecherin mit.
Man habe die Verkehrssituation in Braunschweig weiter im Blick. Daher werde zur Entlastung des Straßenverkehrs der Bahnübergang „Auf dem Anger“ vorübergehend vom 26. Januar bis 6. Februar für alle Verkehrsteilnehmer unter Sicherung mit einer mobilen Sicherungsanlage geöffnet (regionalHeute.de berichtete).
"Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die durch die Sperrung entstehen. Bahnübergänge berühren Schiene und Straße gleichermaßen, sie sind daher eine Gemeinschaftsaufgabe von DB, Bund und Straßenbaulastträger. Die DB InfraGO hat für die Erneuerung des Bahnübergangs ein Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahn Bundesamt angestoßen; der Terminplan hängt vom Planfeststellungsbeschluss ab", so die Bahnsprecherin abschließend.
Das sagt die Stadt
Bei der Stadt zeigt man sich verwundert über die Kritik. "Der Vorwurf an die Stadtverwaltung ist unzutreffend", betont Pressesprecher Rainer Keunecke. Richtig sei: Der Tagesordnungspunkt der Stadtbezirksratssitzung am 21. Januar 2026 habe sich auf einen in der Sitzung am 25. November beschlossenen Antrag mit folgendem Beschlusstext bezogen: "Der Bezirksrat beantragt, dass zur nächsten Stadtbezirksratssitzung Vertreter der Bahn - die über den Zeitplan der derzeitigen Baumaßnahmen an den Bahnübergängen in unserem Stadtbezirk Auskunft geben können - eingeladen werden."
Es sei also explizit ein Vertreter der Deutschen Bahn angefragt, der über die Pläne des Unternehmens Auskunft geben sollte und auch durch die Verwaltung eingeladen wurde. "Ein Vertreter der Fachverwaltung, hier Tiefbau und Verkehr, wurde nicht hinzugebeten. Dies war auch nicht erforderlich, denn die Pläne der Bahn kann nur diese selbst erläutern. Dass überhaupt kein Vertreter der Stadtverwaltung anwesend gewesen sei, trifft allerdings auch nicht zu. Die Verwaltung wurde, wie üblich, durch den Leiter der Bezirksgeschäftsstelle repräsentiert, der das Gremium von der Absage der Bahn in Kenntnis setzte", stellt Keunecke klar.

