Braunschweig. Am Donnerstag, 20. August, startet der erste Hexenwalk in Braunschweig. Er wird bis zum 19. November kostenfrei und individuell über einen QR-Code an der Galerie Jaeschke zugänglich sein. Das Format verbindet kritische Geschichtsrecherche mit aktuellen Fragestellungen zu Frauenbildern und sozialem Miteinander und schafft ein niedrigschwelliges Kulturangebot im öffentlichen Raum. Darüber berichtet Veranstalter "kulturwerken" in einer Pressemitteilung.
Im ersten Hexenwalk arbeitet kulturwerken die fast vergessene Geschichte der Hexenverfolgung in Braunschweig auf. Das Schicksal der als Hexe verurteilten Anna Roleffes wird anhand von stereotypen Märchenfiguren und heutigen weiblichen Rollenbildern neu erzählt und eingeordnet.
Schicksal im heutigen Stadtbild verankert
Die Hexenverfolgung begann zwar im Mittelalter, fand aber vor allem in der Frühen Neuzeit statt. Und auch hier bei uns in Braunschweig fielen ihr viele Frauen zum Opfer. Vor nur knapp 360 Jahren, im 17. Jahrhundert, wurde Anna Roleffes als Hexe angeklagt, verurteilt und getötet. Sie lebte in Harxbüttel. Sie war alt. Sie war Witwe. Und sie hatte als Heilerin gearbeitet. Der Audiowalk verankert das Schicksal von Anna in unserem heutigen Stadtbild.
Teilnehmer besuchen verschiedene historisch relevante Orte und lernen Annas Geschichte kennen. Gleichzeitig werden immer wieder Parallelen zu unserer Gesellschaft im Hier und Jetzt gezogen. Welche Frauen wurden damals angeklagt? Welche gesellschaftlichen Vorstellungen waren dafür verantwortlich? Vielstimmig wird erzählt, welche Rollen Frauen auch heute typischerweise ausfüllen und welche Spuren von damaligen Frauenbildern immer noch nachklingen.
Hexe aus verschiedenen Perspektiven
Die Hexenwalks sind eine Reihe von Audiowalks, die die Figur der Hexe aus verschiedenen Perspektiven untersuchen und neu erzählen. Der erste Hexenwalk widmet sich dem Schicksal von Anna Roleffes und untersucht unterschiedliche Frauenbilder der Frühen Neuzeit und Gegenwart. Im Frühjahr ist ein weiterer Audiowalk zu Anna geplant, in dem es vertieft um den Prozess und das Urteil gehen wird.
Der erste Hexenwalk ist vom 20. August bis zum 19. November 2026 verfügbar und startet an der Galerie Jaeschke. Der zwei Kilometer lange Walk dauert knapp eine Stunde und endet im Café Juan & Jane, im Handelsweg. Abgesehen von zeitweiligem Kopfsteinpflaster ist die Strecke barrierefrei. Der Walk richtet sich an die kulturinteressierte Öffentlichkeit und ist nicht für Kinder konzipiert. Teilnehmer benötigen ein Smartphone und Kopfhörer, scannen einen QR-Code und laufen individuell. Eine Anmeldung ist nicht notwendig und das Format ist kostenlos zugänglich.
Lokale Geschichte zugänglich machen
kulturwerken entwickelt künstlerische und partizipative Formate an der Schnittstelle von Kulturvermittlung, Erinnerungskultur und Demokratiebildung. Gründerin Johanna Denecke ist Designerin und Artistic Researcherin. In ihrer Arbeit verbindet sie kritische Recherche mit kreativer Methodik, um lokale Geschichte kontextsensibel zugänglich zu machen und gesellschaftliche Fragen in den öffentlichen Raum zu bringen.
Das Projekt wird durch die Braunschweigische Stiftung gefördert. „Hexen faszinieren mich schon lange — besonders die Vielschichtigkeit der Figur. Ich möchte die Figur der Hexe mit den Hexenwalks neu erzählen. Wenn wir uns sowohl Geschichte, als auch Geschichten angucken, können wir so viel über unsere heutige Vorstellung von Weiblichkeit lernen. Und ich finde es spannend, diesen Prozess direkt im Stadtbild zu verankern und so einen neuen Blick auf unser Umfeld anzuregen“, so Johanna Denecke.

