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Großbrand bei Braunschweig: Einsatz wird noch Stunden dauern

Ein Großaufgebot an Einsatzkräften befindet sich aktuell noch immer im Einsatz. Vermutlich werden die Löschmaßnahmen noch die ganze Nacht dauern.

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Es hat mehrere Explosionen gegeben. Auch die Einsatzkräfte mussten sich in Sicherheit bringen. | Foto: aktuell24/bm / Video: aktuell24/bm

Braunschweig/Wolfenbüttel. Am heutigen Dienstagmittag wurde die Feuerwehr zu einer Großlage bei einer Firma für Aerosole und Sprayprodukte an der Helmstedter Straße gerufen. Hier ist es zu einer Explosion gekommen. Schwarze Rauchschwaden waren kilometerweit sichtbar.


Aktuell (18 Uhr) läuft der Einsatz noch. Kräfte aus der gesamten Region wurden zusammengezogen. Neben den Feuerwehren aus Braunschweig sind auch Kräfte aus Wolfenbüttel und Wolfsburg mit Drehleitern im Einsatz. Auch aus Hannover, Peine und Salzgitter war Verstärkung angerückt.

Für die rund 200 Kräfte vor Ort gestalten sich die Löschmaßnahmen mehr als schwierig. Es besteht weiterhin Lebensgefahr, da durch einen gigantischen Flüssiggastank auf dem Gelände Explosionsgefahr bestehe. Über verschiedene Kanäle wurde die Bevölkerung gewarnt. Zunächst vor Brandgasen. Im weiteren Verlauf verschärfte sich die Lage. Es besteht Explosionsgefahr im Umkreis von einem Kilometer um den Unglücksort. Daher wurde das Gebiet evakuiert. Die Feuerwehr forderte auf, das Gebiet zu verlassen. Eltern wurden von umliegenden Schulen informiert, ihre Kinder abzuholen. Anwohner sollen Fenster und Türen geschlossen halten. Ebenso sollen Klimaanlagen ausgeschaltet werden und der Aufenthalt im Außenbereich gemieden werden. Bereits kurz nach der Alarmierung waren mehrere Explosionen zu hören.


Evakuierung aufgehoben


Gegen 19 Uhr wurde die Evakuierung aufgehoben. Es bestehe keine Explosionsgefahr mehr, wird über die Warn-App NINA mitgeteilt. Durch den Brand im Gewerbegebiet Schöppenstedter Turm kommt es jedoch weiterhin zur Rauchentwicklung, die Löschmaßnahmen dauern an. Das betroffene Gebiet soll weiterhin gemieden und weiträumig umfahren werden. Fenster und Türen sollen weiterhin geschlossen bleiben.

Auch Cell Broadcast hat ausgelöst.
Auch Cell Broadcast hat ausgelöst. Foto: regionalHeute.de


Brandbekämpfung wieder aufgenommen


Der Betreib steht in Vollbrand, die Kräfte müssen gegen eine massive Rauchentwicklung und gewaltige Flammen ankämpfen. Das Feuer und die Rauchsäule waren mehrere Kilometer sichtbar. Zudem sorgt ein riesiger Flüssiggastank mit etwa 29 Tausend Liter auf dem Gelände für eine extreme Gefahr. Aufgrund der Explosionsgefahr wurde ein Großteil der Einsatzkräfte in sicherere Bereiche verlegt, zwischenzeitlich musste der Löschangriff sogar abgebrochen werden. Erst am späten Nachmittag hatte die Brandintensität etwas abgenommen und die Brandbekämpfung wurde wieder aufgenommen. Dazu wurden etwa 50 Kräfte direkt im Brandbereich eingesetzt, um die Lage und Zugangsmöglichkeiten zu erkunden und erste Löschmaßnahmen einzuleiten, berichtet Christian Längle, Sprecher der Feuerwehr Braunschweig im Gespräch mit regionalHeute.de.



Bereich weiträumig gesperrt


Torge Malchau, Leiter der Feuerwehr Braunschweig, berichtet vor Ort über die Lage.
Torge Malchau, Leiter der Feuerwehr Braunschweig, berichtet vor Ort über die Lage. Foto: aktuell24(BM)


Noch immer ist der Bereich abgesperrt. Im direkten Einsatzgebiet halten sich laut Längle nur Einsatzkräfte auf, die mit den unmittelbaren Löschmaßnahmen beauftragt sind. Alle anderen Einsatzkräfte befinden sich jenseits der 500 Meter in Bereitstellung. Insgesamt seien etwa 200 Kräfte im Einsatz. Für die Bevölkerung gelte weiterhin ein Sicherheitsbereich von 1.000 Metern. Fenster und Türen sollen weiterhin geschlossen bleiben, Lüftungs- und Klimaanlagen sollten ausgeschaltet werden. Wie lange die Löscharbeiten noch andauern, ist weiterhin nicht absehbar. "Wir bereiten uns auf einen längeren Einsatz durch die ganze Nacht vor", so Feuerwehr-Chef Torge Malchau.

Die dunkle Rauchsäule steigt weit in den Himmel auf.
Die dunkle Rauchsäule steigt weit in den Himmel auf. Foto: aktuell24(BM)


Große Feuerbälle entstanden


Wie Malchau weiter berichtet, habe es zunächst in einer Produktionsstraße des Unternehmens eine Verpuffung gegeben. Daraufhin sei die Feuerwehr alarmiert worden. Alle Mitarbeiter hätten das Gelände rechtzeitig verlassen können, sie wurden durch die Notfallseelsorge betreut, die ebenfalls vor Ort ist. Das Feuer war laut Malchau zunächst nur in einem Gebäude ausgebrochen. Da das Unternehmen allerdings mit einer erheblichen Menge brennbarer Flüssigkeiten arbeitet, kam es im weiteren Verlauf zu weiteren teils sehr großen Detonationen. Dabei seien Feuerbälle mit einem Durchmesser von 30 oder sogar 40 Metern entstanden, die dann auch auf nebenstehende Gebäude übergegriffen hätten. So habe sich der Brand entsprechend ausgeweitet. Bei dem Einsatz wurden bisher zwei Feuerwehrleute und ein Polizist verletzt.

Auch aus der Innenstadt von Braunschweig ist der Rauch zu sehen.
Auch aus der Innenstadt von Braunschweig ist der Rauch zu sehen. Foto: privat


Verkehrs-Chaos ausgebrochen


Der Großbrand wirkt sich auch auf den Verkehr aus. Stellenweise geht gar nichts mehr. Der Bereich sollte großräumig umfahren werden. Betroffen sind die A39 zwischen Rautheim und Cremlingen, die B1 zwischen Schöppenstedt und Erzberg, A39 beide Kreisel an der AS Sickte und die Ebertallee. Wie lange die Sperrungen noch andauern, lasse sich aktuell nicht vorhersagen, so Polizeisprecher Sascha Repp. Es müsse aber noch mehrere Stunden mit massiven Behinderungen gerechnet werden. Die BSVG informiert, dass die Buslinien 411 und 431 im betroffenen Bereich umgeleitet werden, die Linie 430 entfällt. Es seien Verspätungen im gesamten Netz möglich, heißt es.

Löschwasser und Brandrückstände in Flüssen


Aufgrund des Brandes am Schöppenstedter Turm gelangt Löschwasser mit Brandrückständen in Wabe und Mittelriede. Die Stadt Braunschweig warnt deshalb davor, diese Flüsse zu betreten, das Wasser zum Bewässern zu nutzen oder gar zu trinken. Auch Tiere wie etwa Hunde sollten von den Gewässern ferngehalten werden.

Ein einziges Trümmerfeld


Am späten Dienstagabend scheint die Feuerwehr zum Brandort vorgedrungen zu sein. Die Bilder, die die Feuerwehr Braunschweig via Instagram teilt, zeigen das ganze zerstörerische Ausmaß des Feuers. Das gesamte Gelände gleicht einem Trümmerfeld. Überall hat das Feuer eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Die Gebäude sind bis auf die Grundmauern niedergebrannt und völlig zerstört, zahlreiche Autos sind Opfer der Flammen geworden. Laut Feuerwehr seien die Löscharbeiten in vollem Gange. Am Abend liefen Nachlöscharbeiten an mehreren Brandherden. Ein Gebäude brenne noch. Am Hauptgebäude werde mit einer Drehleiter versucht, von außen zu löschen. Die Gebäude, beziehungsweise das, was davon übrig geblieben ist, werden von den Einsatzkräften nicht betreten. Die Gefahr eines Einsturzes ist zu groß, sagt Feuerwehrsprecher Christian Längle am späten Dienstagabend. Das THW Braunschweig unterstützt die Löscharbeiten mit Baggern und Radladern.

Immer wieder müssen Einsatzkräfte ausgetauscht werden. Aktuell würden sich laut Längle aber noch immer zwischen 150 und 200 Kräfte im Einsatz finden. Die Löscharbeiten seien für die Feuerwehr sehr kräftezehrend und nur unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen zu bewältigen. Der Schutz der Kräfte stehe über allem. Vor allem, so Längle, da man nicht genau sagen könne, welche Gefahren und Gefahrenstoffe noch in den abgebrannten Gebäuden lauern. "Wir gehen zwar davon aus, dass ein Großteil tatsächlich verbrannt ist, aber es kann gut sein, dass hier und da noch in einzelnen Gebäudeteilen, Laboren oder Schränken brennbare Stoffe gelagert werden. Wir kämpfen uns sozusagen Schritt für Schritt vor. Unter großem Eigenschutz, weil die Gebäudeteile stark beschädigt sind und teilweises auch kurz vor dem Einsturz sind."

Der Flüssiggastank, von dem zu Beginn des Einsatzes eine hohe Explosionsgefahr ausging, stelle keine unmittelbare Gefahr mehr dar, da sich dieser unterirdisch befinde und dadurch relativ gut geschützt sei. Das hätten auch Experten bestätigt. Dennoch sei noch immer oberste Vorsicht geboten. Vor allem müsse man genau beobachten, ob die Dichtigkeit über einen längeren Zeitraum noch vorhanden ist.

Die Löscharbeiten würden laut Feuerwehr noch die ganze Nacht andauern. Durch die Kräfte wurden an 17 Messstellen Proben genommen, um die Gefährdung abschätzen zu können. Es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung.

In einer Instagram-Story zeigt die Feuerwehr Braunschweig erste Bilder vom Unglücksort.
In einer Instagram-Story zeigt die Feuerwehr Braunschweig erste Bilder vom Unglücksort. Foto: Feuerwehr Braunschweig; regionalHeute.de


Die dunkle Rauchsäule steigt weit in den Himmel auf.
Die dunkle Rauchsäule steigt weit in den Himmel auf. Foto: aktuell24(BM)


Blick über die Stadt Wolfenbüttel in Richtung Braunschweig.
Blick über die Stadt Wolfenbüttel in Richtung Braunschweig. Foto: Matthias Kettling


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