Braunschweig. Der Kreisvorsitzende der Freien Wähler, Olaf Funke, fordert in einer Pressemitteilung eine Neubewertung der Fußgängerzone und eine Lockerung des Zentrenkonzepts, um Handelsstandorte flexibler zu gestalten und dem wachsenden Onlinehandel wirksam zu begegnen. In der aktuellen Entwicklung der Braunschweiger Innenstadt würden Leerstände die Lebensqualität und das Einkaufserlebnis mindern – deshalb seien konkrete Öffnungsschritte und eine klare Standortpolitik erforderlich.
Wer durch die Braunschweiger Fußgängerzone geht, sieht eine zunehmende Zahl von Leerständen. Neben den großen Objekten wie Galeria am Bohlweg und Karstadt am Gewandhaus stehen auch zunehmend kleinere Ladeneinheiten leer. Leerstände in Fußgängerzonen führen bei Kunden zu einem stark sinkenden Wohlbefinden, meint Olaf Funke. Sie erzeugten Frust, Langeweile und ein unsicheres Gefühl, wodurch die Verweildauer sinke und der gesamte Einkaufsbummel als unattraktiv wahrgenommen werde.
Leerer Laden wie ein Signal
Dunkle Schaufenster und ungepflegte Ladenflächen zerstörten die lebendige und einladende Atmosphäre einer Einkaufsstraße. Ein leerer Laden wirke wie ein Signal. "Kunden denken sofort, dass es dem Viertel schlecht geht und bald noch mehr Geschäfte schließen", so Funke. Das reale Einkaufserlebnis verliere seinen Reiz, wodurch der Griff zum Smartphone für Online-Bestellungen noch attraktiver werde.
"Hier hilft nur ein teilweiser Rückbau der Fußgängerzone und eine Konzentration der verbliebenen Händler", sind sich die Freien Wähler sicher. "Lieber eine kleine lebendige Fußgängerzone als eine sterbende große." In den zurückgebauten Bereichen könnten kostenlose Kurzzeitparkplätze für den schnellen Einkauf geschaffen werden. Gerade um dem Onlinehandel entgegenzutreten, sei es notwendig, dass man auch die Hose, das Hemd oder ein Paar Schuhe einkaufen kann ohne lange Wegstrecken aus der Tiefgarage und hohe Parkgebühren.
Steinweg als Positivbeispiel
Der Steinweg sei nach Ansicht der Freien Wähler das Positivbeispiel für eine belebte Einkaufsstraße mit Autoverkehr und Parkplätzen. Es gebe fast nur inhabergeführte Geschäfte mit einem breiten Sortiment und keine Leerstände.
Freie Standortwahl statt Zentrenkonzept
Auch das Zentrenkonzept Einzelhandel der Stadt Braunschweig ist den Freien Wählern ein Dorn im Auge. Laut diesem dürften sogenannte zentrenrelevante Sortimente grundsätzlich nur innerhalb der Innenstadt verkauft werden. Das Zentrenkonzept zwinge damit Händler mit hohem Flächenbedarf in teure Ladenlokale in der Innenstadt. Betroffen seien zum Beispiel Campingartikel, Fahrräder, Musikinstrumente, Elektrogroßgeräte und andere.
Das Verbot soll die Attraktivität und Wirtschaftskraft der Braunschweiger Innenstadt schützen. Aber die Konkurrenz finde nicht mehr innerhalb der Stadt statt, sondern online. "Darum fordern wir eine freie Standortwahl für den Handel. Jeder Händler muss die Freiheit haben selbst zu entscheiden, ob sich ein Standort mit höherer Miete für ihn rechnet oder ob ein Ladengeschäft in den Außenbereichen profitabler ist", betont Olaf Funke.
Die Mischung macht’s.
Eine freie Standortwahl ermögliche es Händlern, dort zu arbeiten, wo Miete, Erreichbarkeit und Kundennähe am besten zusammentreffen. Die Zukunft des städtischen Handels hänge weniger von zentraler Lage ab als von einer intelligenten Mischung aus Innen- und Außenbereichen, Parkmöglichkeiten und digitalem Angebot, so die Freien Wähler abschließend.

