Braunschweig. Die Leitungen der Braunschweiger Partnerschulen, Projektpartner, Wegbegleiter und Unterstützer warnen vor einer spürbaren Lücke in der schulischen Präventionsarbeit, wenn das JMD-Bundesprogramm Respekt Coaches zum Jahresende ausläuft. In einem neuen Video des Caritasverbandes Braunschweig schildern sie, welche Bedeutung das Programm für Jugendliche und den Schulalltag hat – und warum Angebote zur Demokratieförderung, Medienkompetenz und Extremismusprävention auch künftig verlässlich an Schulen verankert bleiben müssen. Das berichtet die Caritas in einer Pressemitteilung.
Das JMD-Bundesprogramm Respekt Coaches wird durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Beim Caritasverband Braunschweig arbeiten die Respekt Coaches mit der GHS Rüningen, der Hauptschule Sophienstraße, der Realschule Sidonienstraße und der GHS Pestalozzistraße zusammen. Dort organisieren sie Workshops und langfristige Angebote zu Demokratieförderung, Rassismus, Diskriminierung, Medienkompetenz, Konfliktfähigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe.
Arbeit nicht zu ersetzen
Die Rückmeldungen aus den Schulen sind deutlich: Das Programm bringt Fachwissen, externe Perspektiven und verlässliche Netzwerke in den Schulalltag. Mehrere Schulleitungen betonen im Video, dass Schulen diese Arbeit weder personell noch finanziell allein auffangen könnten. Zwar sei demokratische Bildung fest im Bildungsauftrag verankert, für intensive Präventionsarbeit und die Zusammenarbeit mit spezialisierten externen Partnern fehlten jedoch häufig Zeit und Budgets.
Das Video „Respekt Coaches vor dem Aus – Was das für unsere Gesellschaft bedeutet“ ist auf dem YouTube-Kanal des Caritasverbandes Braunschweig zu sehen.
"Eine verlässliche Präventionsarbeit"
„Die große Unterstützung durch die Schulleitungen, Projektpartner und Wegbegleiter zeigt, wie tief die Respekt Coaches inzwischen im Schulalltag verankert sind“, erklärt Caritasvorstand Dr. Marcus Kröckel. „Hier geht es nicht um ein beliebiges Zusatzangebot. Es geht um eine verlässliche Präventionsarbeit, die Jugendliche erreicht und Schulen bei einer Aufgabe unterstützt, die angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen immer wichtiger wird.“
Eine besondere Bedeutung hat dabei die Medienkompetenz. Jugendliche verbringen einen erheblichen Teil ihres Alltags in sozialen Netzwerken und Gaming-Communitys. Dort begegnen ihnen Hass, Hetze, Desinformation und Inhalte, deren Absichten und Wirkungen nicht immer leicht zu erkennen sind. „Demokratieförderung findet heute auch auf dem Smartphone statt“, betont Kröckel. „Jugendliche müssen verstehen können, wie Algorithmen, Kommentare und digitale Bestätigungssysteme ihre Wahrnehmung beeinflussen. Die Respekt Coaches schaffen Räume, in denen sie diese Mechanismen kritisch hinterfragen und zugleich die positiven Möglichkeiten sozialer Medien kennenlernen können.“
Gewachsene Strukturen vor dem Aus
Die Respekt Coaches kennen die Bedarfe der Schulen und vermitteln geeignete Fachstellen sowie Projektpartner. Durch die kontinuierliche Präsenz ist über Jahre ein Netzwerk entstanden, das kurzfristig auf Konflikte und aktuelle Entwicklungen reagieren kann. Lehrkräfte wenden sich inzwischen direkt mit konkreten Bedarfen aus ihren Klassen an die Fachkräfte.
Auch Wegbegleiter und externe Projektpartner heben im Video hervor, dass die Respekt Coaches den Zugang zu Schulen und Jugendlichen überhaupt erst ermöglichen. Externe Referentinnen und Referenten würden von jungen Menschen anders wahrgenommen als klassische Lehrkräfte und könnten dadurch neue Gespräche und Perspektivwechsel anstoßen. Die Beteiligten warnen deshalb nicht nur vor dem Verlust einzelner Workshops. Mit dem Ende des Programms drohen gewachsene Beziehungen, fachliche Netzwerke und verlässliche Strukturen wegzubrechen. Bis mögliche neue Angebote aufgebaut, Personal geschult und Vertrauen an den Schulen hergestellt wäre, könnte wertvolle Zeit vergehen.
"Wegfall kostet mehr als Prävention"
„Prävention kostet Geld. Ihr Wegfall kostet die Gesellschaft am Ende jedoch sehr viel mehr“, so Kröckel. „Wer erst handelt, wenn Konflikte eskalieren, junge Menschen sich radikalisieren oder demokratische Werte verloren gehen, handelt zu spät. Deshalb brauchen Schulen auch nach dem Aus des Bundesprogramms eine verlässliche Perspektive für diese Form der Präventionsarbeit.“
Nach dem Aus des Bundesprogramms brauche es nun eine politische Antwort. Der Caritasverband Braunschweig appelliert an Bund, Land und Stadt, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und tragfähige Lösungen für schulische Präventionsarbeit vor Ort zu entwickeln.

