Über dieser Kreuzung in Braunschweig schwebt derzeit ein roter Ballon

Der rund drei Meter große Ballon schwebt in Höhen zwischen fünf und 150 Metern. Das ist der Grund.

Fesselballon mit Sensoren zur vertikalen Erfassung der Luftqualität.
Fesselballon mit Sensoren zur vertikalen Erfassung der Luftqualität. | Foto: Kristina Rottig / TU Braunschweig

Braunschweig. Am Montag startete die Technische Universität Braunschweig die erste große Messkampagne im Forschungsprojekt KoFeMo am Langen Kamp in Braunschweig. Ungewöhnlich an den Feinstaubmessungen: Ein weithin sichtbarer, rund drei Meter großer Messballon in TU-Farben wird während der Messtage in Höhen zwischen fünf und 150 Metern über dem Gelände nahe der Forschungskreuzung schweben – vorausgesetzt, die Wetterbedingungen lassen es zu. Das berichtet die TU in einer Pressemitteilung.



Ein Fesselballon mit umfangreicher Sensorik misst noch bis 24. April im Rahmen des Projekts KoFeMo atmosphärische Parameter wie Druck, Temperatur, Feuchte sowie Partikelgrößen von 10 Nanometern bis 100 Mikrometern. Durch kontinuierliche Auf- und Abstiege erfasst das Institut für Flugführung vertikale Profile der Messgrößen. Insgesamt sind vier einwöchige Messkampagnen geplant, wobei die erste Woche der Erprobung des Systems in niedrigen Höhen dient. Der innerstädtische Betrieb gilt als besonders sicher, wurde umfassend genehmigt und durch technische Maßnahmen sowie behördliche Auflagen abgesichert.

Luftschadstoffe mit großer Wirkung


Feinstaub und Ultrafeinstaub gelten als Luftschadstoffe mit den größten Auswirkungen auf unsere Gesundheit und zudem auch als klimaschädlich. In dem Forschungsprojekt untersucht die Technische Universität Braunschweig die zeitliche und räumliche Feinstaubbelastung und ihre Dynamik an der Forschungskreuzung am Braunschweiger Innenstadtring (Ecke Hagenring/Rebenring) und dem angrenzenden Stadtquartier. So können Methoden zur verbesserten Beschreibung der Luftqualität in urbanen Regionen entwickelt und Maßnahmen zur Verbesserung über intelligente Verkehrsflusssteuerungen abgeleitet werden.

Zusätzlich zu stationären Messsystemen und Messungen in der Höhe (Ballon) werden mit einem Testfahrzeug der IAV während der Messkampagne zusätzliche, mobile Feinstaub-Daten gesammelt.
Zusätzlich zu stationären Messsystemen und Messungen in der Höhe (Ballon) werden mit einem Testfahrzeug der IAV während der Messkampagne zusätzliche, mobile Feinstaub-Daten gesammelt. Foto: Kristina Rottig / TU Braunschweig


Stationäre und mobile Messdaten


Basierend auf skalierbaren und mobilen Luftqualitätsmesssystemen werden horizontale und vertikale Messungen zur Feinstaubbelastung und beeinflussender Umweltfaktoren durchgeführt. Neben den bereits kontinuierlich messenden Systemen des DEUS-Konsortiums werden etwa 80 Feinstaubsensoren des Instituts für Partikeltechnik (iPAT) der TU Braunschweig die Feinstaubbelastung hochaufgelöst im Kreuzungsbereich erfassen, wobei ein Testfahrzeug der IAV, ebenfalls mit Sensoren ausgerüstet, während der Kampagne zusätzliche, mobile Messdaten liefert.


Mit einem parallel entwickelten Simulationsframework sollen so die Feinstaubdynamik vorhergesagt und zusammen mit der Verkehrsflussmodellierung an der Forschungskreuzung effiziente Maßnahmen zur Verkehrsflusssteuerung abgeleitet werden. Die aufgenommenen und erzeugten Daten werden frei verfügbar auf öffentlich zugänglichen Plattformen, zum Beispiel der Mobilithek, abgelegt.

Stationäre Luftqualitätsmesssysteme des Instituts für Partikeltechnik (TU Braunschweig) erfassen Daten zur Feinstaubbelastung.
Stationäre Luftqualitätsmesssysteme des Instituts für Partikeltechnik (TU Braunschweig) erfassen Daten zur Feinstaubbelastung. Foto: Kristina Rottig / TU Braunschweig


Kraftfahrzeuge sind mit ihren Emissionen durch Abgase, Bremsen und Reifen ein Hauptverursacher für die Feinstaubbelastung, die zudem durch Umweltfaktoren wie Wind, Temperaturschichtung, Niederschlag etc. beeinflusst wird. Es besteht also großer Bedarf, diese Feinstaubbelastung zu erfassen und in Abhängigkeit von Verkehr und Wetter vorhersagen zu können.

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