Verblüffend echt - Diese Puppe soll Frühchen-Eltern die Angst nehmen

Neonatologie des Städtischen Klinikums Braunschweig freut sich über "Lewis"

Der Bundesverband Frühgeborene e. V. hat der Neonatologie des Städtischen Klinikums Braunschweig die Frühgeborenenpuppe „Lewis“ übergeben.
Der Bundesverband Frühgeborene e. V. hat der Neonatologie des Städtischen Klinikums Braunschweig die Frühgeborenenpuppe „Lewis“ übergeben. | Foto: Björn Petersen

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Braunschweig. Mehr Sicherheit, weniger Angst für Eltern: Der Bundesverband Frühgeborene e. V. hat der Neonatologie des Städtischen Klinikums Braunschweig (skbs) die Frühgeborenenpuppe „Lewis“ übergeben. Ermöglicht wurde dies durch eine Spende des Kooperationspartners dm, wie das Städtische Klinikum Braunschweig in einer Pressemitteilung bekannt gibt.




Verblüffend echt



Mit gerade einmal 720 Gramm Gewicht und dem Entwicklungsstand der 28. Schwangerschaftswoche wirkt „Lewis“ verblüffend echt – so echt, dass er leicht mit einem echten Frühchen verwechselt werden kann. Genau dieser Realismus ist entscheidend: Er schafft Verständnis, baut Unsicherheiten ab und hilft Eltern, sich auf eine Situation vorzubereiten, die sie sich oft ganz anders vorgestellt haben.

Vorbereitung für werdende Eltern



Die handgefertigte Puppe spielt dabei eine zentrale Rolle in der Elternberatung und -aufklärung, gerade vor der Geburt. „Wir wollen die Eltern auf das, was kommt, die Frühgeburt, gerne vorbereiten, und dazu ist diese Puppe extrem hilfreich“, erklärt Dr. Jost Wigand Richter, Chefarzt der Neonatologie. „Sie vermittelt einen Eindruck, wie so ein Kind letztlich aussehen kann mit 28 Wochen, mit 700 Gramm: dass die Haut durchscheinend ist, dass es zerbrechlich ist, aber alles vorhanden ist und nimmt ein bisschen die Angst vor dem, was vielleicht kommt.“


„Da Lewis sehr lebensecht aussieht, kann man den Eltern schon einmal Ängste nehmen, bevor ihr Kind geboren wird“, sagt Lydia Schneider, Stationsleiterin der Neonatologie im skbs. „Lewis hilft dabei, wenn man den Eltern zeigt: so sieht ein Frühchen aus. Dann können sie ihr Kind auch als ihr Kind sehen und wissen, was sie erwartet.“

„Wir freuen uns total, dass wir diese Puppe haben, weil sie auf lebensechte Art und Weise zeigt, wie klein ein Baby in dieser Schwangerschaftsperiode oder Woche ist“, pflichtet ihr Simone Kirsch bei, psychologische Elternberaterin auf der Station. „Wir zeigen den Eltern in Vorgesprächen, wenn sie eine drohende Frühgeburt haben, was sie bei uns erwartet. Dazu gehört eben auch die Vermittlung der Realität, wie ihr Kind in Wirklichkeit aussehen wird, aber durchaus auch die Hoffnung: zeigen, was das Kind schaffen kann, wie viel es schon auf die Waage bringt und dass man es eben auch berühren und anfassen kann.“

Diese Hoffnung und die Willkommensbotschaft stehen auch für Jan-Olaf Klok, Geschäftsführer des skbs, im Vordergrund: „Für mich bedeutet die Übergabe von Lewis, dass wir Eltern gerade in kritischen Situationen gut vorbereiten, dass wir ihnen helfen, die Situation zu verstehen und zu veranschaulichen. Und gleichzeitig können wir ihnen auch vermitteln: ihr könnt euch auf euer Kind freuen!“

120 Stunden Handarbeit



Der Bundesverband Frühgeborene e. V. überreicht „Lewis“ an das skbs. Dr. med. Maria Hitzschke ist Vorsitzende des Verbandes und überbringt die Frühchenpuppe persönlich: „Der Bundesverband Frühgeborene e. V. engagiert sich bundesweit auf verschiedenen Ebenen. Die Arbeit mit den Familien ist das Herzstück unserer Arbeit, und ‚Lewis‘ trägt dazu bei, dass Familien in dieser besonderen Zeit unterstützt und vorbereitet werden“, erklärt sie. „Wir wollen damit einfach ein Stück weit die Unsicherheit nehmen und die Eltern stärken.“

Jede „Lewis“-Puppe ist ein Unikat: Rund 120 Stunden Handarbeit investiert die Künstlerin Ursula Konhäuser in die Herstellung. Der hohe Detailgrad macht die besondere Qualität aus: zur Aufklärung, zur Schulung von Pflegekräften und zur Veranschaulichung medizinischer Zusammenhänge. Bundesweit wurden bereits mehr als 70 dieser Puppen an Kliniken und Pflegeschulen übergeben.

Starke Partnerschaft



Möglich wurde die Anschaffung von Lewis durch eine regionale Kooperation: Die Drogeriekette dm ist langjähriger Unterstützer des Bundesverbandes, regionale Märkte unterstützen die Neonatologie des Klinikums seit letztem Sommer immer wieder mit verschiedenen Spenden für werdende Eltern und das Team.

„Es ist uns ein echtes Herzensanliegen, Eltern und werdende Eltern zu unterstützen, gerade auch Familien mit Frühgeborenen. Denn Frühchen brauchen einfach noch mehr Aufmerksamkeit und Liebe. Und wenn das Leben plötzlich anders kommt als geplant, braucht es ganz besondere Unterstützung genau in diesen Momenten“, erklärt Katharina Treder, Regionalmanagerin von dm und „Patentante“ von Lewis. „Deswegen freuen wir uns besonders über diese großartige Kooperation. Die Liebe zur Arbeit auf dieser Station ist deutlich spürbar und besonders. Seit einem Jahr erlebe ich hier unfassbar engagierte Menschen, die jeden Tag so viel Gutes für diese Kleinsten und ihre Familien tun. Das begeistert mich wirklich.“

Als dann die Anfrage aus dem Klinikum für eine Kooperation zur Anschaffung von „Lewis“ kam, habe sie sofort zugesagt: „Für uns war klar: Das machen wir. Der Marktplatz Braunschweig unterstützt hier gern. Denn das Thema Neugeborene und Frühgeborene ist einfach viel zu wichtig, um es im Verborgenen zu lassen“, sagt sie.

Dr. Richter ist begeistert über dieses Engagement. „Diese Unterstützung regional zu erhalten, das ist einfach großartig. Braunschweig für Braunschweig – ich sage hier herzlichen Dank!“