Chefarzt des Klinikums als TV-Experte: Hier liefert er weitere Antworten

Der Braunschweiger Augenarzt klärt auf zum Thema Abzocke bei Operationen des Grauen Stars.

Dr. Erik Chankiewitz ist Experte beim thema Grauer Star.
Dr. Erik Chankiewitz ist Experte beim thema Grauer Star. | Foto: skbs

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Braunschweig. Ein Experte des Städtischen Klinikums Braunschweig klärte über unseriöse Abrechnungspraktiken bei Oerationen des Grauen Stars auf. Jetzt stehe sein Telefon nicht mehr still, erklärt das Klinikum in einer Pressemitteilung, mit der es einige der wichtigsten Fragen beantworten möchte.



„Seit der Ausstrahlung in Funk und Fernsehen steht unser Telefon nicht mehr still und unser Emailfach kocht über“, sagt Dr. Erik Chankiewitz, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am skbs. Der Grund: Seit Anfang Mai wurde im öffentlich-rechtlichen Fernsehen deutschlandweit über „massenhafte Abzocke bei Grauer-Star-Operationen“ berichtet.

Klinikums-Arzt fordert Transparenz


Die Medienberichte legen nahe, dass in manchen Fällen bestimmte eingesetzte Linsen als privat zu bezahlende „Premium-Linsen“ verkauft würden, die eigentlich über die Krankenkassen abgerechnet werden könnten. Dr. Chankiewitz trat dort als Experte für mehr Transparenz und eine faire Abrechnungspraxis auf. In der Pressemitteilung liefert der Chefarzt Antworten auf diese Fragen:

Was ist Grauer Star, und wie wird er behandelt?


Die graue Star-OP, auch Katarakt-OP, ist weltweit die am häufigsten durchgeführte Operation, denn jeder Mensch erleidet im Alter diese Form der Linsentrübung an beiden Augen. „Ab dem 60. Lebensjahr ist so die Sehfähigkeit zunehmend eingeschränkt. Dies betrifft sowohl Sehschärfe als auch das Kontrastempfinden, die Blendwirkung und das Farbensehen“, erklärt Dr. Chankiewitz. Ein chirurgischer Eingriff an beiden Augen vermag oft Abhilfe zu schaffen: Dabei werden die getrübten Linsen durch einen Schnitt entfernt und künstliche Linsen eingesetzt. „Durch ständige Innovation haben sich diese Operationen in den letzten Jahren komplikationsarmer, sicherer und optisch nahezu perfekt weiterentwickelt“, sagt Dr. Chankiewitz.

Warum wurde in den Medien von „Abzocke“ gesprochen?


Entscheidend ist, welche Art von künstlicher Linse bei der Operation eingesetzt wird. Ältere, sphärische Linsen weisen eine gleichmäßig gekrümmte Oberfläche auf, die zu leichten Verzerrungen des Sehens führen kann. Asphärische Linsen sind speziell geformt und besser an die natürliche Optik des Auges angepasst, sodass solche Effekte verhindert werden.

Formal werden sphärische Linsen von den Kassen übernommen, asphärische Linsen eigentlich noch nicht. Daher, so die Medienberichte, würden Letztere anscheinend Patientinnen und Patienten zum Teil als „Premium-Linse“ gegen hohe private Zuzahlungen angeboten.

Das Problem: Da mittlerweile die asphärischen Linsen preislich zum Teil unterhalb der sphärischen Linsen liegen, werden diese trotzdem anstandslos von den Krankenkassen nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot übernommen. Diese Abrechnungspraxis ist bereits so lange verbreitet, dass asphärische Linsen am skbs und andernorts als Standardlinse genutzt werden. „Immerhin gibt es diese Lösung schon derart lange, dass ich noch nie in meinen Berufsleben eine sphärische Linse eingesetzt habe“, gibt Dr. Chankiewitz zu bedenken.

Sind also alle Grauer-Star-OPs für Patienten kostenfrei?


In manchen Fällen müssen Patientinnen und Patienten trotzdem einen eigenen Beitrag bezahlen. So zum Beispiel bei einer Berechnung der Linse „mittels optischem Verfahren“. „Hier zeigt sich die Trägheit des Kassen-Systems, da dieses Verfahren heute schneller und präziser funktioniert als das ältere Ultraschallverfahren, welches die Kassen vollständig bezahlen“, erklärt Dr. Chankiewitz. Da die optische Vermessung nur mithilfe eines teuren Gerätes funktioniert, fallen einmalig für beide Augen Kosten zwischen 45 und 75 Euro an.

Zudem gibt es unterschiedliche Linsentypen. Die standardmäßig genutzten Linsen sind monofokal, sie ermöglichen also scharfes Sehen auf eine bestimmte Entfernung. Für andere Entfernungen sind Patientinnen und Patienten einfach auf eine Brille angewiesen.

„Falls Patientinnen und Patienten Interesse an einer Brillenlosigkeit zeigen, sind Zusatzuntersuchungen, Gespräche, Berechnungen und Linsen notwendig, welche nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Patientinnen und Patienten erhalten einen Kostenvoranschlag und müssen somit selbstständig für die Kosten aufkommen“, erklärt Dr. Chankiewitz. Dies gilt auch für spezielle Linsen, die eine Nah- und Fernwirkung haben (sogenannte multifokale Linsen) oder mit denen eine komplikationsarme Sicht in der Ferne und mittlere Nähe erzielt wird (sogenannte EDOF-Linsen).

Warum setzt das skbs den Femtosekundenlaser nicht ein?

Zudem beschreibt Chankiewitz, dass ähnliche Abrechnungsverfahren bei dem Einsatz des Femtosekundenlasers für die Kataraktoperation genutzt werden. Auch die Ausführung der Operation mithilfe eines Lasers wird Patientinnen und Patienten häufig als Zusatzleistung ans Herz gelegt. Das skbs setzt diesen Laser jedoch nicht ein: „Wir als das Zentrum der Region für Hornhaut- und Glaukomerkrankungen können keine Vorteile des Lasers in Zusammenhang mit der Kataraktoperation erkennen und haben uns ganz bewusst gegen die Anschaffung entschieden, obwohl wir hauptsächlich Patienten dieser Krankheitsbilder bei uns versorgen“, sagt Dr. Erik Chankiewitz.

Dennoch betont Dr. Chankiewitz, dass es wichtig ist, nicht gleich das Vertrauen in alle Augenärzte zu verlieren. „Es kommt auf gute Patientenaufklärung an“, sagt er. „Fragen Sie bei angebotenen Zusatzleistungen gezielt nach: Brauche ich das wirklich? Geht es gar nicht anders? Was erwarte ich von der Operation? Benötige ich danach noch eine Brille? Damit können auch Unklarheiten im Vorfeld ausgeräumt werden.“