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Die Warntag-Misere: Still ruht das Alarmierungssystem

Am Warntag hätten nicht nur die Sirenen heulen können. Es kam zu einem Systemausfall beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe...

von Anke Donner


Am bundesweiten Warntag kam es zu bundesweiten Ausfällen der Warn-Apps. Die Warn-App NINA sendet gar nicht oder viel zu spät.
Am bundesweiten Warntag kam es zu bundesweiten Ausfällen der Warn-Apps. Die Warn-App NINA sendet gar nicht oder viel zu spät. Foto: Anke Donner

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10.09.2020

Region. Am heutigen bundesweiten Warntag sollte die Bevölkerung eigentlich über verschiedene Kanäle probeweise gewarnt werden, um so auf einen eventuell eintretenden Katastrophenfall aufmerksam zu machen. Naja, das war dann ja nix. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe meldete am Nachmittag, dass es technische Probleme gegeben hätte.


Dass in den Landkreisen Wolfenbüttel und Peine sowie in der Stadt Braunschweig keine Alarmierung über Sirenen erfolgt, war uns ja nun bereits im Vorfeld klar (regionalHeute.de berichtete). Leider aber blieben auch andere Kanäle, wie die Warn-App NINA, stumm. Erst lange nach der Übung vermeldete NINA - vereinzelt auch via Push-Nachricht -, dass es sich um einen Probealarm handelt. Und auch zu Beginn der Übung, um 11 Uhr, schauten wohl viele in der Erwartung, eine Meldung zu erhalten, auf ihr Handydisplay und mussten feststellen, dass NINA nichts zu vermelden hatte. Lediglich um 11.32 Uhr, als die Übung bereits 12 Minuten beendet war, meldete sich auch endlich NINA. Und auch andere Katastrophen-Apps liefen eher mäßig.

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Bürger verwirrt und verunsichert


Warnungen über Rundfunk und Fernsehen waren auch eher dürftig. Bis auf kleine Ticker, die im unteren Bildrand durchliefen, war da auch nicht viel los. Keine "Programmunterbrechung" oder Hinweise auf eine Übung für den Katastrophenfall. In den sozialen Netzwerken wurden den gesamten Vormittag über Stimmen laut, dass man vielerorts von einem Warntag nichts gehört hat. Weder über Warn-Apps, noch über Rundfunk und Fernsehen. Wir haben unsere Leser gebeten, zu berichten, wie sie den bundesweiten Warntag wahrgenommen haben. Das Echo aus der Region war größtenteils einhellig: Nichts. Nada. Niente!

"Habe davon absolut nichts mitbekommen, das sollte nicht passieren, es sollte überlegt werden wieder Sirenen einzuführen, weil die wirklich jeden warnen und nicht nur Leute mit Smartphone und der Warn-App",

- Eine regionalHeute.de-Leserin



Und ein weiterer Leser aus Wolfenbüttel merkte an: "Die Nina-App hat nicht ausgelöst und das mit der Entwarnung hat auch nicht so funktioniert. Und die Sirenen, die funktionsfähig sind, nutzt man ja nicht. Ich hoffe, dieser totale Reinfall wird das ändern. Sirenen als Hauptmittel und die App als Zusatz. Dafür wurden die Sirenen ja auch gebaut, um genau das zu können. Auf NDR1 habe ich auch nichts mitbekommen." Eine Leserin aus Schöppenstedt meldet: "In Schöppenstedt nichts...traurig wenn man bedenkt was wäre, wenn der Ernstfall eintreten würde."

Und auch aus Braunschweig kommen kritische Stimmen wie: "Nichts. Weder über NINA oder sonst was. Wäre wirklich etwas, würde das hier niemand mitbekommen der kein Handy hat." oder "Ein Witz! Nichts und niemand hat etwas mitbekommen, NINA hat überhaupt nichts gesagt. Es steht jetzt gerade mal eine Entwarnung drin, aber alles geräuschlos. Allein nur auf eine App zu setzen in Braunschweig (man bedenke, wie viele alte Menschen es hier gibt und auch sehr viele, die diese App nicht mal kennen) ist ein Armutszeugnis. Dann lasst es einfach ganz sein. #ganzschwach."

Stadt Braunschweig bedauert den nicht reibungslosen Ablauf


Die Beispiele sind endlos. Aber woran hat es gelegen, dass vielerorts so wenig Menschen den Warntag mitbekommen haben? Die Stadt Braunschweig schreibt, dass der Grund für die Verzögerung bei der Auslösung über die Warn-App NINA auf eine Serverüberlastung beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zurückzuführen sei. Bundesweit habe es diese Verzögerungen gegeben. "Beim deutschlandweit erstmalig stattfindenden Warntag kam es zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen bei der symbolischen Alarmierung der Bevölkerung. Es war geplant, um 11 Uhr zeitgleich in allen deutschen Kommunen die vorhandenen Warnsysteme symbolisch zu aktivieren; in Braunschweig sollte die Warn-App NINA eine Meldung senden. Dies ist nur mit zeitlicher Verzögerung, beziehungsweise gar nicht passiert. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat sich als Betreiber des Modularen Warnsystems (MoWaS), über welches die App NINA angesteuert wird, bereits zu dem technischen Problem geäußert. Die Feuerwehr Braunschweig bedauere, dass die gut vorbereitete Braunschweiger Alarmierung in der angekündigten Form wegen der technischen Probleme bei der vom Bund verantworteten App nicht ausgelöst werden konnte. Die Feuerwehr hatte zuvor alle Vorkehrungen getroffen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Gemeinsam mit der Feuerwehr hatten sich die Hilfsorganisationen mit je einem Fahrzeug eigens auf dem Burgplatz versammelt, um auf die Wichtigkeit der Aktion aufmerksam zu machen. Die Feuerwehr hoffe, dass das BKK den Ablauf dieses Warntags zum Anlass nimmt, die technischen Voraussetzungen für reibungsfreie Einsätze zu gewährleisten. Die Stadt Braunschweig hatte bisher ausschließlich gute Erfahrungen mit der Warn-App NINA gemacht, beispielsweise beim Hochwasser 2017 und diversen Blindgängerentschärfungen", berichtet die Stadt in ihrem Fazit zum Warntag.

Auswertung soll Abläufe optimieren


Und auch die Stadt Salzgitter zog ein erstes Resümee und berichtet: "Es liegen zum derzeitigen Zeitpunkt keine Meldungen vor, dass die im Stadtgebiet vorhanden Sirenen nicht bestimmungsgemäß ausgelöst haben. Eine genaue Auswertung über den Verbreitungsgrad der Sirenenalarme erfolgt in Kürze. Parallel wurden auch alle Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr sowie der Hilfsorganisationen DLRG, DRK, JUH und des Ortsverbandes THW in Salzgitter über die vorhandenen digitalen Meldeempfänger erfolgreich informiert. Über diesen Weg wurden auch die Leitstellen der Werkfeuerwehren der Salzgitter AG und des VW Werkes Beddingen um 11 Uhr benachrichtigt. Die Alarmierungsabläufe wurden von dem zuständigen Fachgebiet der Berufsfeuerwehr sehr genau betrachtet. Die Erkenntnisse werden durch die Fachleute der Feuerwehr ausgewertet und dienen der Verbesserung der Abläufe.

Viele Anrufe über das Bürgertelefon


Die vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) über das Modulare Warnsystem (MoWas) versendeten Probewarnungen und Informationen konnten auf den bekannten Warnapps (Nina, KatWarn, BiWapp) nur teilweise oder verspätet empfangen werden. Grund hierfür war nach Auskunft des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe eine Überlastung des Systems. Auch sendeten Radio- und Fernsehsender pünktlich die Probewarnung und Entwarnung. Durch den „Nationalen Warntag“ sei die Bedeutung von Sirenen zur Bevölkerungswarnung deutlich geworden. Derzeit könne kein anderes Medium den notwendigen Weckeffekt gewährleisten.

"Die Stadt Salzgitter ist im Augenblick in der Lage, außer in den Stadtteilen Lebenstedt, Bad und Lesse die Bürgerinnen und Bürger jederzeit über Sirenensignale zu warnen", heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Festzustellen sei auch, dass das Interesse der Bevölkerung am Warntag hoch war. Beim Bürgertelefon gingen zwischen 10 und 12 Uhr eine Vielzahl von Anrufen ein. Die Fragen zum Warntag wurden durch Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr und der Verwaltung beantwortet. Auch die über 21.000 Aufrufe des Informationsfilms zum Warntag auf YouTube zeigen das Informationsinteresse seitens der Bürgerinnen und Bürger.


Meldungen über das Modularen Warnsystem (MoWaS) konnten nur verspätet zugestellt werden


Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe erklärte sich am Donnerstag ebenfalls zu den Ausfällen und schrieb: "Die bundesweite MoWaS-Meldung konnte nur verspätet zugestellt werden. Grund dafür ist eine nicht vorgesehene zeitgleiche Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen über MoWaS gewesen. Das im Vorfeld mit den beteiligten Partnern besprochene Auslösekonzept sah eine reine Auslösung durch den Bund mit MoWaS vor. Mit dem Warntag soll das Thema Bevölkerungswarnung den Menschen näher gebracht werden, um sie darüber zu informieren, wo und wie sie im Gefahrenfall autorisierte und zutreffende Warnungen und Verhaltensempfehlungen beziehen können. Ferner diente der Warntag der Erprobung der technischen Warnsysteme und der vorhandenen Schnittstellen. Das gesehene technische Phänomen liefert wichtige Erkenntnisse für den Ausbau von MoWaS und die notwendige weitere Abstimmung zwischen den beteiligten Stellen in Bund und Ländern und wird in der weiteren Entwicklung von MoWaS berücksichtigt. Die Ergebnisse des Warntags werden jetzt aus den Kommunen und Ländern zusammengetragen. Sobald wir mehr Informationen zu den Ergebnissen des Warntags haben, werden wir auf unseren Kanälen darüber informieren."


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