Region. Die Mitarbeiter des Nationalparks Harz freuen sich über Nachwuchs: Zucht-Luchsin „Rikki“, die seit vergangenem Jahr zusammen mit dem Kuder „Reto“ in einem großen Freigehege des Nationalparks Harz lebt, hat drei Kätzchen zur Welt gebracht. Während der vergangenen Paarungszeit interessierten sich die beiden zwar sehr füreinander, trotz intensiver Betreuung durch Tierpfleger Paul Bridge und diverser Kameras im Luchsgehege konnte jedoch keine Paarung der Luchse beobachtet werden. Wie der Nationalpark in einer Pressemitteilung jetzt erklärt, sei es bis zuletzt also unklar gewesen, ob mit Nachwuchs gerechnet werden konnte. Seit Ende April berichtete Paul Bridge von dem zunehmenden Körperumfang der Luchsin, die außerdem immer heimlicher und vorsichtiger wurde.
Zwei eigens von der Nationalpark-Werkstatt konstruierte Wurfboxen waren im Gehege aufgestellt worden. Rikki inspizierte diese zwar genau, trug sogar Futter hinein, ließ die Holzkonstruktionen letztlich aber links liegen. Mitte Mai hörte Bridge vielmehr die Laute eines Luchswelpen aus der dichten und unzugänglichen Vegetation hinter einer der Kisten und konnte wenige Tage später erstmals ein Jungtier beobachten.
Jungtiere sollen später ausgewildert werden
Der Nationalpark Harz beteiligt sich am Luchs-Erhaltungszuchtprogramm (EEP) des Europäischen Verbandes für Zoos und Aquarien (EAZA). Dabei werden Luchse unter Bedingungen gezüchtet und aufgezogen, die deren spätere Verwendung in Auswilderungsprojekten ermöglichen. Rikkis und Retos Nachwuchs wird somit in einem Gehege aufwachsen, das für die Öffentlichkeit nicht erreichbar und nicht einsehbar ist.
Menschliche Kontakte werden auf ein Minimum reduziert. Selbst die Fütterung mit Wildfleisch wird so erfolgen, dass der Luchsnachwuchs keinen direkten Zusammenhang zwischen der Nahrungsgabe und den Tierpflegern herstellen kann. Anfang 2027 ist dann die Abgabe an eines der derzeit laufenden Wiederansiedlungsprojekte beispielsweise im Thüringer Wald im Erzgebirge oder im Schwarzwald vorgesehen. „Damit leistet der Nationalpark Harz erneut einen wichtigen Beitrag zur Wiederansiedlung und zur dringend erforderlichen genetischen Stabilisierung des Luchs-Bestandes in Deutschland und darüber hinaus. Denn die ist Voraussetzung für das dauerhafte Überleben dieser außerhalb des Harzes immer noch sehr seltenen, ehemals ausgerotteten heimischen Tierart“, so Nationalpark-Leiter Dr. Roland Pietsch. Über den Zielort entscheiden werde eine „Verteilerplattform“ mit Beteiligung der EAZA und internationaler Luchsexperten.
Im vergangenen September hatte der lange geplante und dennoch schwierige Transport der von Rikki aus dem Zoo der Ukrainischen Hauptstadt Kyiv in den Nationalpark Harz einen glücklichen Abschluss gefunden. Die Luchsin traf im Gehege des Nationalparks auf ihren Partner Reto, der zur Komplettierung eines Zuchtpaares aus dem Schweizer Tierpark La Garenne geholt worden war.

