So ist der Landkreis auf Wald- und Vegetationsbrände vorbereitet

Landrat Philipp Raulfs machte sich gemeinsam mit Kreisbrandmeister Jens Dieckmann und Kreiswaldbrandbeauftragter Ingo Delion selbst ein Bild vor Ort.

Start im Schlosshof: Knut Sierk, Florian Roffka, Roland Vasel, Jens Dieckmann, Philipp Raulfs, Ingo Delion, Tobias Nadjib (v. li.).
Start im Schlosshof: Knut Sierk, Florian Roffka, Roland Vasel, Jens Dieckmann, Philipp Raulfs, Ingo Delion, Tobias Nadjib (v. li.). | Foto: Kreisfeuerwehr Gifhorn

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Landkreis Gifhorn. Rund 70 Alarmierungen zu Wald- und Vegetationsbränden im Jahr 2025, 47 weitere bereits bis Anfang August 2026: Zu kaum einer anderen saisonalen Lage rücken die Feuerwehren im Landkreis Gifhorn so häufig aus. Am Freitag, 7. August, verschafften sich Landrat Philipp Raulfs, Kreisbrandmeister Jens Dieckmann und Kreiswaldbrandbeauftragter Ingo Delion bei einer ganztägigen Bereisung ein Bild vom Stand der Vorsorge und der Einsatzbereitschaft im Kreisgebiet. Zum Abschluss stellten sie ihre Erkenntnisse an der ICE-Strecke Hannover-Wolfsburg bei Leiferde der Presse vor.



Die Tour führte zu verschiedenen Stationen im Kreisgebiet. Auf dem Programm standen ein Kamerastandort des Automatisierten Waldbrand-Früherkennungssystems, Löschwasserzisternen und Waldbrandriegel im Bereich der Revierförsterei Malloh, die Brandschutzkonzepte für den ehemaligen Truppenübungsplatz Ehra-Lessien, die Waldbrandausstattung der Kreisfeuerwehr am Standort der Freiwilligen Feuerwehr Knesebeck sowie eine Bohrstelle der Vermilion Energy Germany GmbH & Co. KG, berichtet die Kreisfeuerwehr Gifhorn in einer Pressemitteilung..

Analysen aus erster Hand


"Ich freue mich sehr, dass ich heute Einblicke und Analysen aus erster Hand von unserem Kreisbrandmeister und unserem Kreiswaldbrandbeauftragten bekommen habe. Man sieht die Zusammenhänge besonders klar, wenn man vor Ort ist", lobte Landrat Philipp Raulfs die Vorbereitung und Durchführung der Bereisung.

Station auf dem ehemaligen Truppenübungsgelände Ehra-Lessien.
Station auf dem ehemaligen Truppenübungsgelände Ehra-Lessien. Foto: Kreisfeuerwehr Gifhorn


Wald- und Vegetationsbrände gehören im Landkreis Gifhorn zum jährlichen Einsatzgeschehen. Große Nadelwaldflächen und trockene Sandböden sorgen seit Jahrzehnten für eine erhöhte Gefährdung. Wie klein eine Einsatzstelle am Ende bleibt, entscheidet sich meist in den ersten Minuten. Genau hier setzt die Früherkennung an: Die optischen Sensoren des Automatisierten Waldbrand-Früherkennungssystems (AWFS), das die Niedersächsischen Landesforsten über mehrere Kamerastandorte wie bei Triangel in der Sassenburg betreiben, erkennen Rauchentwicklungen von Entstehungsbränden aus bis zu 20 Kilometern Entfernung.

In der Entstehungsphase bekämpfen


Über Kreuzpeilung lässt sich der Brandort präzise eingrenzen, sodass die Feuerwehr nicht lange suchen muss und ein Feuer noch in der Entstehungsphase bekämpft werden kann. Insgesamt gibt es 18 Standorte mit 22 Kameras, die eine Fläche von 440.000 Hektar überwachen. Der Bedarf für weitere Standorte wird regelmäßig überprüft. Abhängig von vorherrschenden Risikofaktoren können weitere Kamerastandorte ausgebaut werden.

Der Löschwasserbrunnen im Forstrevier Malloh.
Der Löschwasserbrunnen im Forstrevier Malloh. Foto: Kreisfeuerwehr Gifhorn


Was auf Früherkennung folgt, ist Logistik. Hydranten liegen in Waldgebieten meist weit entfernt. Deshalb stützen sich die Feuerwehren auf ein Netz aus Tiefbrunnen, Löschwasserteichen und unterirdischen Zisternen. Bei Großschadenslagen können zum Teil zusätzlich die Kanäle auf dem Kreisgebiet für die Wasserversorgung genutzt werden. Ebenso wichtig sind befahrbare Waldwege und gepflegte Wundstreifen, an denen sich ein Feuer totlaufen soll.

Gezielt Technik beschafft


Die Kreisfeuerwehr hat in den vergangenen Jahren zudem gezielt Technik beschafft und wurde dabei auch mit Geräten des Landes Niedersachsen ausgestattet: darunter ein Hochleistungsförderstreckensystem (HFS), ein Abrollbehälter Vegetationsbrandbekämpfung sowie sogenannte Kreisregner, wie sie derzeit bei Waldbränden in anderen Bundesländern und in Europa eingesetzt werden.

Gerätschaften zur Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden.
Gerätschaften zur Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden. Foto: Kreisfeuerwehr Gifhorn


"Wir sind mit den in den vergangenen Jahren beschafften Geräten für die Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden bedarfsgerecht und zeitgemäß ausgestattet. Entscheidend ist zudem der Austausch mit der Forst. Fachwissen und Hintergrundinformationen sind für die Einsatzleitung Gold wert", sagte Kreisbrandmeister Jens Dieckmann.

Vorsorge beginnt lange vor dem Einsatz


Die wirksamste Vorsorge beginnt allerdings schon lange vor dem Einsatz, nämlich im Bestand selbst. "Eine intakte Kraut-, Strauchzone zwischen Gleisbett und Baumbestand sind zum Beispiel besser geeignet als Gras, weil Gras ein höheres Brandrisiko mit sich bringt. Der Graslandfeuerindex des Deutschen Wetterdienstes erreicht regelmäßig höhere Stufen als der Waldbrandgefahrenindex", ordnete Kreiswaldbrandbeauftragter Ingo Delion ein. Der Umbau von Nadelholz zu artenreichen Mischwäldern senkt die Gefährdung langfristig und ist im Landkreis seit Jahren im Gange.

ICE-Strecke in der Samtgemeinde Meinersen mit alten Brandstellen. Im Hintergrund ist die Naturverjüngung mit dem neuen Bewuchs zu erkennen.
ICE-Strecke in der Samtgemeinde Meinersen mit alten Brandstellen. Im Hintergrund ist die Naturverjüngung mit dem neuen Bewuchs zu erkennen. Foto: Kreisfeuerwehr Gifhorn


Wie das in der Praxis aussieht, zeigte der letzte Halt der Tour. An der Hochgeschwindigkeitsstrecke bei Leiferde kam es in den vergangenen Jahren mehrfach zu Böschungs- und Flächenbränden, unter anderem im Mai 2020 und im Mai 2025. Die Brandflächen sind noch deutlich zu erkennen. Dort wächst über Naturverjüngung bereits wieder Wald auf, mit Robinie, Eiche und Birke.

"Ein Jahr ohne Wald- oder Vegetationsbrand gibt es bei uns nicht. Alte Brandflächen finden Sie entlang von Straßen, an Radwegen und in der Feldmark, dazu kommen regelmäßig Stoppelfeldbrände", berichtete Samtgemeindebrandmeister Sven J. Mayer aus der Samtgemeinde Meinersen.

Bahnstrecke als besondere Aufgabe


Die Bahnstrecke stellt die Einsatzkräfte dabei vor eine besondere Aufgabe. "Wir haben es hier mit sogenannten Spotfeuern zu tun, die sich über mehrere Kilometer entlang der Bahnlinie verteilen", erläuterte André Eckstein, stellvertretender Samtgemeindebrandmeister der Samtgemeinde Meinersen, die taktische Besonderheit.

Die Bahnstrecke wirft immer wieder Probleme auf.
Die Bahnstrecke wirft immer wieder Probleme auf. Foto: Kreisfeuerwehr Gifhorn


Als Ursachen kommen die zweimal jährlich verkehrenden Schienenschleifzüge mit dem dabei entstehenden Funkenflug ebenso in Betracht wie festsitzende Bremsen. Der Triebfahrzeugführer bemerkt davon nichts, während hinter dem Zug im Abstand von mehreren hundert Metern immer neue Feuer entstehen. Ein Hinweis auf diese Ursache ergibt sich für die Einsatzkräfte häufig erst im Abgleich mit Nachbarbereichen, wenn zeitgleich auch bei Wolfsburg oder Lehrte Brandstellen gemeldet werden.

Getragen wird all das vom Ehrenamt. Die Feuerwehren im Landkreis Gifhorn arbeiten ausschließlich ehrenamtlich, eine Berufsfeuerwehr gibt es nicht. "Auch Großschadenslagen mit mehreren hundert gleichzeitig eingesetzten Kräften werden so von uns bewältigt. Daher ist es wichtig, unseren Einsatzkräften moderne Technik und die richtige Ausbildung an die Hand zu geben", erläuterte Tobias Nadjib, Leiter der Kreisfeuerwehr-Pressestelle. Die Erfahrung der Waldbrandkatastrophe von 1975 wirkt bis heute nach: In ihrer Folge wurden Fahrzeuge beschafft und die Wasserentnahmestellen im Wald angelegt, auf die sich die Feuerwehren noch immer stützen.

Drei Erkenntnisse des Tages


Landrat Philipp Raulfs fasste am Ende drei Erkenntnisse des Tages zusammen: "Erstens sind wir gut aufgestellt. Zweitens dürfen wir nicht nachlassen, gerade bei den Löschwasserbrunnen. Und drittens, das ist mir heute noch einmal sehr deutlich geworden: Prävention ist am allerwichtigsten, damit unsere gute Technik gar nicht erst zum Einsatz kommen muss."

Den größten Hebel dafür haben die Menschen selbst in der Hand. Rund 95 Prozent aller Vegetationsbrände entstehen durch menschliches Handeln, meist aus Leichtsinn oder Unwissen. Der Landkreis Gifhorn und die Kreisfeuerwehr Gifhorn bitten deshalb, vor jedem Waldbesuch die aktuelle Waldbrandgefahrenstufe des Deutschen Wetterdienstes zu prüfen, das vom 1. März bis 31. Oktober geltende Rauch- und Feuerverbot in Wald, Moor und Heide zu beachten, Fahrzeuge nicht auf trockenem Gras abzustellen, Glas oder Glasscherben mitzunehmen und Waldwege sowie Schranken als Rettungswege freizuhalten. Bei Sichtung von Rauch oder Feuer gilt: sofort den Notruf 112 wählen und den Brand nicht eigenständig bekämpfen.