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Gabriel wird nicht SPD-Kanzlerkandidat: Stimmen aus der Region

von Antonia Henker


Sigmar Gabriel zieht sich von Kanzlerkandidatur der SPD zurück: Das sagt die Region dazu. Fotomontage: André Ehlers
Sigmar Gabriel zieht sich von Kanzlerkandidatur der SPD zurück: Das sagt die Region dazu. Fotomontage: André Ehlers

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25.01.2017

Region. Nach der Bekanntgabe gestern, dass Sigmar Gabriel seine Kanzlerkandidatur zugunsten von Martin Schulz nun zurückzieht, äußern sich auf regionalHeute.de Politiker aus der Region zu seiner Entscheidung.



Dr. Christos Pantazis, Vorsitzender der SPD-Braunschweig, kommentiert diese Entscheidung so: „Sigmar Gabriel ist ein Mensch, der nie seine Wurzeln in unserer Region vergessen hat. Als langjähriger Vorsitzender des SPD-Bezirk Braunschweig kannte er die Sorgen und Interessen der hier lebenden Bürgerinnen und Bürger und hat sich sowohl als Landespolitiker, als


Christos Pantazis. Foto: C. Balder



auch in der Bundespolitik immer für die Interessen der hiesigen Menschen stark gemacht. Dafür gilt ihm unser tiefster Dank! Sigmar hat das Herz am rechten Fleck, wie unlängst bei seinem starken und sympathischen Auftritt bei unserem SPD-Neujahrsempfang deutlich wurde. Er hat nie die Bindung verloren, wohnt bis heute in seiner Heimatstadt Goslar und ist auch durch diese Authentizität zu einem exzellenten Politiker geworden: Die Nominierung von Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsident oder die Mitgliedervoten in zentralen SPD-Entscheidungen sind nur einige seiner größten Verdienste für die Sozialdemokratie, deren Führung er in einer keinesfalls einfachen Zeit übernommen hat. Seine jetzige Entscheidung verdient große Anerkennung, aber natürlich wird die Braunschweiger SPD Martin Schulz, so er die Kandidatur übernimmt, im Wahlkampf mit dem gleichen Enthusiasmus unterstützen, wie Sigmar Gabriel. Es wird ein hochspannender Wahlkampf, in den wir voller Selbstvertrauen gehen werden.“

Martin Mahnkopf (SPD),Bürgermeister der Stadt Goslar, Ortsvorsteher von Vienenburg und Vorsitzender der Vienenburger Bürgergemeinschaft, drückt regionalHeute.de gegenüber sein Bedauern und seine Überraschung über die Entscheidung Gabriels aus:




Jan Schwarz,SPD-Parteivorsitzender aus Gifhorn, sagt: "Ich glaube, dass Sigmar Gabriel seit seiner Wahl zum Parteivorsitzenden gute Arbeit geleistet hat. Er hätte die Partei auch gut im Wahlkampf geleitet, aber mit Martin Schulz haben wir einen ebenso profilierten Politiker für diese Aufgabe."


Oberbürgermeister Frank Klingebiel. Foto Stadt Salzgitter Foto: Stadt Salzgitter



Frank Klingebiel, Oberbürgermeister der Stadt Salzgitter und CDU-Politiker, äußerte sich wie folgt:
"Dies ist eine zutiefst persönliche Entscheidung, die sich Sigmar Gabriel als langjähriges politisches Schwergewicht sicher nicht leicht gemacht hat. Mit Blick auf die nimmer endenden Diskussionen in der SPD über seine Kanzlerkandidatur kann ich seine Entscheidung menschlich nachvollziehen. Sie hat mich dennoch überrascht."

Stefanie Weigand, die Bundestagskandidatin der Peiner Grünen meint: „Die Art und Weise, wie die Kandidatenfindung abgelaufen ist, finde ich schon sehr befremdlich. Die Entscheidung von Herrn Gabriel ist aber zu akzeptieren. Das ist eine sehr persönliche Entscheidung. Martin Schulz ist eine gute Wahl, er wird hoffentlich Einfluss auf die Austeritätspolitik von Herrn Schäuble nehmen. Sein sozialpolitisches Profil ist scharf - wie seine innenpolitische Ausrichtung ist, bleibt abzuwarten. Bei der EU hat er einen guten Job gemacht, das kann uns auch nur gut tun, denn Deutschland braucht Europa. Aber eines ist klar: Auch unter Martin Schulz wird die Bundesregierung nicht auf die Grünen verzichten können".


Ingrid Pahlmann. Foto: CDU



Ingrid Pahlmann, Bundestagsabgeordnete der Peiner CDU: „Das ist eine Parteientscheidung der SPD. Unabhängig davon, wer sich bei den Sozialdemokraten als Spitzenkandidat zur Verfügung stellt, erwarte ich von unserem Koalitionspartner bis zur Bundestagswahl eine konstruktive Zusammenarbeit in der Regierung. Wir von der Union wollen als stärkste Kraft hervorgehen. Dafür werden wir mit unseren Inhalten überzeugen, um Deutschland auch zukünftig verlässlich zu regieren.“

Holger Flöge, Bundestagkandidat der Peiner FDP: „Die SPD scheint ein Talent für ungeplante Aktionen zu entwickeln. Martin Schulz ist wohl eher in der Lage, ein gutes Wahlergebnis zu holen als Sigmar Gabriel. Er muss sich aber in den Monaten bis zur Wahl auch in der deutschen Tagespolitik beweisen. Ich hoffe bis dahin ist der Lack ab."


Hubertus Heil. Foto:



Hubertus Heil, SPD-Bundestagsabgeordneter ebenfalls für den Wahlkreis Gifhorn-Peine und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, lobt das Verantwortungsgefühl von Gabriel und begrüßt Schulz als Kanzlerkandidaten:
"Mit Martin Schulz hat die SPD einen hervorragenden Kanzlerkandidaten! Er bringt Leidenschaft und viel Erfahrung von der Kommunal- bis zur Europapolitik mit und versteht es, Menschen zu überzeugen. Er wird dafür kämpfen, den Zusammenhalt in unserem Land zu stärken und glaubwürdig vermitteln, dass die SPD für soziale Gerechtigkeit steht. Und angesichts von Abschottungstendenzen und Rechtspopulisten ist sein klares Bekenntnis für ein starkes Europa genau das richtige Signal.Sigmar Gabriel hat nach reiflicher Überlegung einen klaren Schnitt gemacht und großes Verantwortungsgefühl gegenüber der SPD bewiesen, wofür ich ihm danke. Ich meine, diese Klarheit stärkt die SPD und dass es die richtige Entscheidung ist, dass Martin Schulz auch den Parteivorsitz übernimmt. Sigmar Gabriel hat in der Regierung am meisten internationale Erfahrung, insofern ist es sinnvoll, dass er Frank-Walter Steinmeier im Amt des Außenministers nachfolgt."

Stefan Wirtz, Pressesprecher der AfD Braunschweig, findet weder für Gabriel noch für Schulz schöne Worte. Hier eine gekürzte Fassung der Pressemitteilung:
"Der Mann, der noch vor zwölf Tagen „die Welt immer verrückter“ fand und die Demokratie in der Defensive sah, wirft nun hin: Sigmar Gabriel, dem gerade eben zum Neujahrsempfang der Braunschweiger SPD die „85 Prozent arbeitenden, engagierten Menschen, die sich reinhängen“ besonders am Herzen lagen, zieht sich ins Privatleben zurück, um unter anderem mehr Zeit für die Familie zu haben. Eine Erwartung, die er in seinem zukünftigen Traumjob als Außenminister kaum aufrechterhalten könnte, falls er wenigstens dieser Tätigkeit ernsthaft nachgehen will. Sein inzwischen recht demokratiefrei bestimmter Nachfolger, Martin Schulz, ist als ausgeschiedener EU-Funktionär jedenfalls schon lange nicht mehr durch übertriebene Bürgernähe aufgefallen. Waren bisher ausgebrannte Politiker gnädig in die zahlreichen Gremien der EU entsorgt worden, scheint sich bei Schulz dieses Verfahren sogar umzukehren; ein Recycling, an dem allenfalls Altgrüne ihre helle Freude haben dürften."


Juliane Krause Foto: A. Ehlers



Juliane Krause, Bundestagskandidatin, Bündnis 90/Die Grünen in Braunschweig, meint:
"Für den Bundestagswahlkampf der SPD ist es aus meiner Sicht die richtige Entscheidung. Auch wenn der Rücktritt Sigmar Gabriels für mich überraschend kam, nötigt mir die Entscheidung, von der Macht zu lassen und auf eine Kandidatur zu verzichten, Respekt ab. Das basisdemokratische Verfahren, den Spitzenkandidaten per Urwahl zu benennen, wie Bündnis 90/ Die Grünen, ist mir jedoch lieber als individuelle Entscheidungen Einzelner. Wofür Martin Schulz steht muss sich noch zeigen. Seine grundsätzliche Pro-Europäischen Einstellung teile ich. Wofür er innenpolitisch steht, muss sich noch zeigen. Im Gegensatz zu Gabriel kann Martin Schulz auf jeden Fall freier agieren, da er nicht die Altlasten der GroKo verantworten muss."


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