GDL ruft zum Großstreik auf: Angebot der DB sei eine Mogelpackung

Es soll erneut eine Arbeitsniederlegung geben - das gleich für mehrere Tage.

Streik der GDL (Archiv)
Streik der GDL (Archiv) | Foto: Über dts Nachrichtenagentur

Region. Die GDL-Mitglieder bei der Deutschen Bahn AG, Transdev und City Bahn Chemnitz werden aufgerufen, vom 10. Januar um 2 Uhr, bis zum 12. Januar um 18 Uhr ihre Arbeit niederzulegen. Die Arbeitsniederlegung bei DB Cargo beginnt bereits am 9. Januar um 18 Uhr. Dies teilte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit.



Die Verhandlungen mit der DB AG seien am 24. November 2023 wegen der Verweigerungshaltung des Staatskonzerns gescheitert, Gespräche über legitime Kernforderungen mit der GDL zu führen. So die Gewerkschaft.

Der DB-Konzern habe den Weihnachtsfrieden nicht genutzt, um mit einem verhandlungsfähigen Angebot Arbeitskampfmaßnahmen entgegenzuwirken. Überdies werfe die DB mit der gegen die GDL eingereichten Feststellungsklage vor den Landgericht Hessen eine weitere Nebelkerze. Die fälschliche Unterstellung, wonach die GDL bei der Fair Train e.G. Arbeitgeber und Gewerkschaft gleichermaßen sei, zeige erneut die "Verzweiflung eines sozialfremden Arbeitgebers", der kein noch so abwegiges Mittel scheue, um die starke GDL zu eliminieren.

Irreführung durch den DB-Konzern?


Konsequent habe der DB-Konzern am 5. Januar zunächst über die Medien und offensichtlich bewusst irreführend verkündet: „DB macht der GDL ein neues Angebot“. Dieses "substanzlose und vergiftete 'Angebot'“ täusche bewusst Medien und Öffentlichkeit und ignoriere die zuletzt erfolgreich geführten Tarifverhandlungen mit dem NETINERA-Konzern und der Go-Ahead-Gruppe, so wirft die GDL dem Konzern vor. NETINERA und Go-Ahead, die zusammen acht Unternehmen vertreten, hätten erkannt, welchen Belastungen ihre Beschäftigten ausgesetzt sind und dass seitens der Arbeitgeber dringend Anreize geschaffen werden müssen, um die jahrelang vernachlässigten Berufe wieder attraktiv und zukunftsfähig zu machen.

Abschlüsse mit Netinera und Go-Ahead als Marktreferenz


"Mit einer schrittweisen Arbeitszeitabsenkung auf die 35-Stunden-Woche ohne Lohnkürzung für Schichtarbeiter ab 1. Januar 2025, einer Erhöhung der Tabellenentgelte um 420 Euro in zwei Schritten und einer deutlichen Zulagenerhöhung sowie einer Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 Euro, haben die an diesen Abschlüssen beteiligten Arbeitgeber gezeigt, dass Mitarbeitermotivation nicht nur eine hohle Phrasen ist und damit Arbeitskämpfe überflüssig gemacht! Diese erfolgreichen Abschlüsse dienen der GDL als Marktreferenz und werden von der DB AG
offensichtlich bewusst ignoriert", kritisiert die GDL.

Missachtung der eigenen Mitarbeiter


Weiter: "Mit unerträglicher Arroganz werden damit seitens der DB AG, City-Bahn Chemnitz und der Transdev die eigenen Mitarbeiter ignoriert, die sich bei der Urabstimmung am 19. Dezember 2023 mit einer überwältigenden Zustimmung von 97 Prozent für eine Ausweitung der Arbeitskämpfe ausgesprochen und damit ihren Unmut über die gegenwärtigen Arbeitsbedingungen unmissverständlich zu Ausdruck gebracht haben." Für die GDL sei es unerträglich, wie weit sich die durch Steuergelder finanzierten Manager der DB AG von den Lebens- und Arbeitsbedingungen ihrer eigenen Mitarbeiter entfernt hätten und jetzt bewusst irreführend vorgeben würden, mit einem „neuen Angebot“ generös auf die GDL zuzugehen.

Unseriöses „Angebot“ der DB


"Die DB verzichtet jedoch darauf, Ihr 'großzügiges' Angebot auch mit konkreten Zahlen zu untermauern", erklärt die GDL. Mit den Wettbewerbskonzernen NETINERA und Go-Ahead sei für die Beschäftigten eine Sockelbeitragserhöhung von 420 Euro vereinbart worden. Das "Angebot" der DB beinhalte keine konkrete Summe und bliebe nebulös.

Weiterhin böte die DB eine nachhaltige Entgelterhöhung nur für die bisher von der GDL tarifierten Arbeitnehmer an. Eine Erhöhung die angeblich die Inflationssituation anerkennt und eine ausreichende Wertschätzung vermitteln soll. Auch hier werde aber keine konkrete Summe genannt.

Weniger Arbeitszeit, weniger Lohn


Zum Thema Arbeitszeit würde die DB nur für die bisher von der GDL tarifierten Arbeitnehmer anbieten, individuell gewünschte Arbeitszeitverringerung mit entsprechendem Lohnverzicht – kurzum selbstfinanzierte Teilzeit – umsetzen zu können. Generös will die DB schließlich nach fast drei Jahren Inflation, nur für die bisher von der GDL tarifierten Arbeitnehmer über eine Inflationsausgleichsprämie verhandeln - so die GDL.

Insbesondere das von Bahn-Personalvorstand Seiler am 5. Januar 2024 in der Süddeutsche Zeitung vorgeschlagene zusätzliche Wahlmodell „Die können dann statt 38 nur noch 35 Stunden arbeiten – oder auch 40 Stunden arbeiten. Jeder wählt aus, wie in einer Cafeteria“ werde von den betroffenen Mitarbeitern als Schlag ins Gesicht verstanden und sei genau das Gegenteil von dem, was seitens der GDL gefordert wird. "Wie weltfremd und entfernt vom Arbeitgeber muss der Personalvorstand sein, ein Teilzeitmodell anzubieten, das vom Arbeitnehmer selbst finanziert wird?", so Claus Weselsky, Vorsitzender der GDL.

GDL spricht von Mogelpackung


Kurzum: Herr Seiler habe den ihm eingeräumten Weihnachtsfrieden leider nicht dazu genutzt, seine Verweigerungshaltung gegenüber den Kernforderungen der GDL zu beenden. "Die Mogelpackung – die Nutzung heute schon bestehender gesetzlicher Regelungen als neuartige Verbesserung eines tarifvertraglichen Angebots zu verpacken – erkennen die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner sofort", so Weselsky. Stattdessen verfolge der Vorstand der DB auch in dieser Tarifrunde wie bereits in den vergangenen Jahren die Taktik: „Tarnen, Tricksen, Taschen füllen“.

Weselsky: „Dass Herr Seiler damit noch jedes Mal kläglich gescheitert ist, und es dennoch erneut probiert, zeigt auch an dieser Stelle, dass die Lernkurve beim DB-Vorstand nur äußert gering ausgeprägt beziehungsweise gar nicht vorhanden ist – zum Nachteil des Systems Eisenbahn, der Mitarbeiter und der Reisenden und Kunden im Güterverkehr.“


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