Ausschuss empfiehlt Leitstellenkooperation mit Braunschweig

Die Leitstelle des Landkreises Gifhorn könnte künftig in Braunschweig angesiedelt werden. Der zuständige Ausschuss hat sich für eine Kooperation ausgesprochen. Doch es gibt auch Kritik an dem Vorhaben.

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Symbolfoto | Foto: Robert Braumann

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Gifhorn. Der Ausschuss für Feuerschutz und Rettungswesen des Landkreises Gifhorn hat in seiner Sitzung am gestrigen Dienstag zwei wichtige Projekte für die Sicherheit der Bevölkerung und den Katastrophenschutz auf den Weg gebracht. Eines ist die Leitstellenkooperation mit Braunschweig, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises am heutigen Mittwoch.



So haben sich die Ausschussmitglieder mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Kooperation der Integrierten Leitstelle des Landkreises Gifhorn mit der Integrierten Regionalleitstelle Braunschweig/Wolfenbüttel/Peine weiterzuverfolgen. Grundlage der Empfehlung ist eine umfassende Organisationsuntersuchung, in der verschiedene Zukunftsmodelle für die Leitstelle bewertet wurden.

Beratung über Bevölkerungsschutzzentrum


Ebenfalls haben die Ausschussmitglieder die Ergebnisse einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung für den Neubau eines Bevölkerungsschutzzentrums am Standort Im Heidland beraten. Es handelte sich um eine von vier Varianten, die in einer Machbarkeitsstudie zuvor untersucht worden waren. Mit dem Neubau soll eine zukunftsfähige Infrastruktur für den Brand-, Katastrophen- und Zivilschutz im Landkreis Gifhorn gesichert werden. Als Ergebnis der Beratung wurde die Verwaltung beauftragt, bis zur bevorstehenden Sitzung des Kreistages noch weitergehende Informationen zu den finanziellen und haushaltsrelevanten Auswirkungen für die Entscheidung über das zu wählende Beschaffungsmodell gegenüberzustellen. Dabei geht es um eine Umsetzung des Projektes in Eigenrealisierung durch die Verwaltung oder über eine Beteiligungsgesellschaft im Wege eines Mietmodells. Insbesondere soll dabei auch die mögliche Förderung des Bundes aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität berücksichtigt werden.

Neuer Weg: Leitstellenkooperation mit Braunschweig


Der Landkreis Gifhorn gehört seit dem Jahr 2020 gemeinsam mit den Landkreisen Celle, Lüchow-Dannenberg und Uelzen dem virtuellen Leitstellenverbund „Heideverbund“ an. In diesem Modell arbeiten die Leitstellen technisch zusammen, bleiben jedoch jeweils eigenständige Standorte.

Nachdem sowohl die Stadt Braunschweig als auch die Stadt Wolfsburg ihr Interesse an einer engeren Zusammenarbeit bekundet hatten, hat die Kreisverwaltung die unterschiedlichen Organisationsformen ergebnisoffen untersuchen lassen. Ziel war es, die Leitstellenstruktur so weiterzuentwickeln, dass sie auch künftig eine sichere und leistungsfähige Bearbeitung von Notrufen gewährleisten kann.
Sicherheit und Qualität stehen im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Frage, welche Organisationsform den Bürgerinnen und Bürgern langfristig den höchsten Grad an Betriebssicherheit und die beste Qualität bei der Annahme und Bearbeitung von Notrufen bietet. Bewertet wurden insbesondere die technische und organisatorische Ausfallsicherheit, ausreichende personelle Ressourcen, die Qualität der Einsatzdisposition, ein leistungsfähiges Qualitätsmanagement und die Fähigkeit, auch außergewöhnliche Einsatzlagen zuverlässig zu bewältigen. Wirtschaftliche
Aspekte wurden ebenfalls betrachtet, hatten gegenüber den Anforderungen an Sicherheit und Qualität jedoch eine nachrangige Bedeutung.

Kooperation mit Braunschweig bietet größte Vorteile


Verglichen wurden die Fortentwicklung des bisherigen Heideverbunds, eine Kooperation mit der Regionalleitstelle Wolfsburg-Helmstedt und eine Zusammenarbeit mit der Regionalleitstelle Braunschweig/Wolfenbüttel/Peine. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Kooperation mit der Regionalleitstelle Braunschweig/Wolfenbüttel/Peine den größtmöglichen Schutz für die Bevölkerung des Landkreises Gifhorn bietet. Insbesondere beim Personalausfallkonzept, bei der Aus- und Fortbildung sowie beim Qualitätsmanagement weist diese Variante deutliche Vorteile gegenüber den übrigen untersuchten Organisationsformen auf. Die Weiterentwicklung des bisherigen Heideverbunds wurde ebenfalls geprüft. Nach den Ergebnissen der Untersuchung erreicht diese Variante jedoch auf absehbare Zeit nicht das Sicherheits- und Qualitätsniveau einer etablierten Regionalleitstelle.

Landrat begrüßt Empfehlung des Ausschusses


Landrat Philipp Raulfs begrüßt die Empfehlung des Ausschusses: „Wer die 112 wählt, muss sich darauf verlassen können, dass schnell und professionell geholfen wird – und zwar an jedem Tag und zu jeder Uhrzeit. Deshalb ist es unsere Verantwortung, die Leitstellenstruktur so aufzustellen, dass sie auch den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist. Ich freue mich, dass der Ausschuss diesen Weg mehrheitlich unterstützt hat.“

Der Landrat unterstreicht, dass bei der Entscheidung allein die Sicherheit der Bevölkerung im Mittelpunkt stehe: „Diese Empfehlung ist keine Sparentscheidung. Es geht darum, die Leistungsfähigkeit unserer Leitstelle dauerhaft zu stärken und die Menschen im Landkreis Gifhorn bestmöglich zu schützen. Die Untersuchung zeigt klar, dass eine Kooperation mit der Regionalleitstelle Braunschweig hierfür die besten Voraussetzungen bietet.“

Raulfs betont zugleich die Bedeutung des bisherigen Leitstellenverbunds: „Der Heideverbund hat in den vergangenen Jahren zuverlässig gearbeitet und die Zusammenarbeit der beteiligten Landkreise gestärkt. Gleichzeitig haben wir die Pflicht, bestehende Strukturen regelmäßig zu überprüfen. Wenn eine andere Organisationsform nachweislich mehr Betriebssicherheit und eine höhere Qualität des Notrufs bietet, dann sollten wir diesen Weg im Interesse der Bürgerinnen und Bürger gehen.“

Endgültige Entscheidung trifft der Kreistag


Mit der Empfehlung des Ausschusses ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Nach der Beratung im Kreisausschuss wird der Kreistag des Landkreises Gifhorn am 26. August die endgültige Entscheidung treffen. Sollte der Kreistag dem Beschlussvorschlag folgen, wird die Kreisverwaltung die notwendigen organisatorischen und vertraglichen Schritte vorbereiten, um die Zusammenarbeit mit der Regionalleitstelle Braunschweig/Wolfenbüttel/Peine umzusetzen. Die regionalen Besonderheiten des Landkreises Gifhorn sowie die Belange der Freiwilligen Feuerwehren sollen dabei auch künftig berücksichtigt werden.