Diese Leitstelle soll umziehen – Doch es gibt Kritik an den Plänen

Die Kreisverwaltung hat drei verschiedene Optionen geprüft, wo und wie künftig Notrufe entgegengenommen und verarbeitet werden.

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Die moderne Leitstelle erinnert fast an das Cockpit eines Raumschiffes. Hier werden die Notrufe angenommen und koordiniert.
Die moderne Leitstelle erinnert fast an das Cockpit eines Raumschiffes. Hier werden die Notrufe angenommen und koordiniert. | Foto: Alexander Panknin

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Gifhorn. Wer den Notruf 112 anruft, wird mit der Leitstelle verbunden. Diese entscheidet darüber, ob sich zum Beispiel ein Rettungswagen auf den Weg begeben soll. Im Landkreis Gifhorn wird diese Feuerwehr- und Rettungsleitstelle seit 2020 in Kooperation mit den Landkreisen Celle, Lüchow-Dannenberg und Uelzen in einem virtuellen Leitstellenverbund, dem sogenannten Heideverbund, betrieben. Das soll sich aber schon bald ändern.



Denn wie die Landkreis-Verwaltung in einer Beschlussvorlage erklärt, seien die Stadt Braunschweig und die Stadt Wolfsburg "unabhängig voneinander auf den Landkreis Gifhorn zugegangen, um die Bereitschaft zu einer möglichen mandatierend/physischen Leitstellenkooperation auszuloten." Darüber hatte auch regionalHeute.de bereits berichtet.

Gifhorner Leitstelle würde nach Braunschweig oder Wolfsburg umziehen


Anders als die bisherige virtuelle Kooperation im Heideverbund bedeutet diese physische, dass Notrufe aus Gifhorn zum Beispiel zentral in Braunschweig entgegengenommen werden. Im Heideverbund betreiben die einzelnen Landkreise dagegen weiter jeweils einzelne Leitstellen, die dezentral kooperieren. In Braunschweig hat man bereits entsprechende Erfahrung, denn dort befindet sich die Regionalleitstelle für Braunschweig, Wolfenbüttel und Peine. Eigene Posten in den beiden letztgenannten Kreisen gibt es nicht mehr. Ähnlich gelagert ist der Fall auch in der Regionalleitstelle Wolfsburg/Helmstedt. So würde eine Kooperation auch für Gifhorn bedeuten: Die Leitstelle würde nach Braunschweig oder Wolfsburg umziehen, in Gifhorn gäbe es dann kein Personal mehr dafür.

Die Kooperationsanfragen aus Braunschweig und Wolfsburg habe die Gifhorner Kreisverwaltung jedenfalls zunächst zum Anlass genommen, die bisherige Organisation und die neuen Optionen zu prüfen. Dafür habe sie eine Nutzwertanalyse durchgeführt. Dabei spielten die Punkte Betriebssicherheit, Qualität des Leitstellenbetriebes und Höhe der Investitions- und Betriebskosten jeweils eine gewichtete Rolle, teilt die Verwaltung mit.

Nun legt die Verwaltung das Ergebnis dieser Prüfung vor und lässt letztlich den Kreistag darüber entscheiden. Kurzum: In der Vorlage heißt es: "Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass eine Kooperation der Leitstelle Gifhorn mit der Integrierten Regionalleitstelle Braunschweig/Wolfenbüttel/Peine die Anforderungen insgesamt am besten erfüllt." Insbesondere im Hinblick auf die maßgeblichen Kriterien der Betriebssicherheit und der Qualität des Leitstellenbetriebes weise diese Kooperation eindeutige Vorteile im Personalausfallkonzept, in der Aus- und Fortbildung sowie im Qualitätsmanagement gegenüber den übrigen untersuchten Varianten auf.

Die Kosten würden allerdings steigen. Wie die Bürger-Interessengemeinschaft Sassenburg in einer Pressemitteilung zu der Vorlage darlegt, würden "die laufenden Betriebskosten für den Landkreis Gifhorn von derzeit rund 790.000 Euro im Heideverbund auf etwa 860.000 Euro pro Jahr steigen." Hinzu kämen einmalige Übernahmekosten von voraussichtlich 375.000 Euro für technische Anpassungen, Datenmigration, Schulungen und Projektmanagement.

Andere Varianten schneiden schlechter ab


Die Strukturen der Regionalleitstelle Wolfsburg-Helmstedt seien ebenfalls für eine Kooperation grundsätzlich geeignet, stünden jedoch hinter der Option Braunschweig zurück, teilt die Kreisverwaltung derweil mit. Auch die Variante, den bestehenden Heideverbund weiterzuentwickeln, habe die Kreisverwaltung geprüft. Dieser ließe sich zum Heideverbund 2.0 als eine Anstalt öffentlichen Rechts weiterentwickeln. Diese Variante falle im Vergleich deutlich ab, erklärt der Landkreis Gifhorn, "da die Rahmenbedingungen zum jetzigen Zeitpunkt und auch auf Jahre hinaus, mindestens bis zum Bau und der Betriebsaufnahme einer gemeinsamen Regionalleitstelle, hinter der festgestellten Betriebssicherheit und Qualität einer Regionalleitstelle zurückstehen."

Die Verwaltung empfiehlt daher, die Kooperation mit Braunschweig weiterzuverfolgen und die hierfür erforderlichen vertraglichen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen. Diese Empfehlung diskutiert zunächst der Ausschuss für Feuerschutz und Rettungswesen des Landkreises am kommenden Dienstag. Eine Entscheidung könnte der Kreistag am 26. August fällen.

Gegen die Umzugspläne für die Leitstelle gibt es aber auch Widerstand. Kritiker melden sich zu Wort. So erklärt unter anderem die BIG Sassenburg um ihren Kreistagsabgeordneten Andreas Kautzsch: "Aus unserer Sicht darf eine Entscheidung jedoch nicht allein anhand einer Punktetabelle getroffen werden. Gerade in Notfällen, bei Unwettern, Waldbränden oder größeren Krisenlagen sind Kenntnisse über örtliche Straßen, schwer auffindbare Gebäude, abgelegene Siedlungen, Zufahrtswege und besondere Gefahrenstellen von entscheidender Bedeutung. Eine größere Leitstelle ist nicht automatisch näher an den Menschen und den örtlichen Einsatzkräften."

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