Stellenabbau bei VW-Tochter als Erfolg? IG Metall kritisiert Bürgermeister

Die Umbaumaßnahmen eines Entwicklungsdienstleisters betreffen Gifhorn auf besondere Art und Weise.

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Symbolfoto. | Foto: Anke Donner

Gifhorn. Die IAV GmbH will bis zu 1400 Stellen streichen. Das betrifft vor allem den Hauptstandort in Berlin, den die VW-Tochter komplett schließen will. Das wurde, wie regionalHeute.de berichtete, diese Woche bekannt. Dazu gehörte auch die Meldung, dass der Entwicklungsdienstleister seinen Mitarbeitern in der Bundeshauptstadt anbietet, nach Gifhorn zu wechseln. Eine Erfolgsmeldung also für die Mühlenstadt an der Aller? Dem widerspricht die IG Metall mit harscher Kritik.



"Top Nachrichten für Gifhorn" – titelt die Stadtverwaltung auf ihren Kanälen in den sozialen Medien. Dort wird auch Bürgermeister Matthias Nerlich zitiert, der es hervorhebt, dass IAV "den Standort Gifhorn als ein wichtiges Wertschöpfungszentrum definiert." Das sei eine "gute Entwicklungsperspektive.".

IG Metall: Das ist keine Jubelmeldung für Gifhorn


Bei der IG Metall kommen diese Statements derweil gar nicht gut an. "Wer die Pläne der Geschäftsführung als gute Nachricht verkauft, stellt sich nicht an die Seite der Beschäftigten, sondern an die Seite des Managements. IAV-Jubelmeldungen helfen nur der Geschäftsführung“, kritisiert Thilo Reusch, Verhandlungsführer auf Seiten der IG Metall Niedersachsen. „Das Gifhorner Rathaus täte gut daran, sich solidarisch mit der Belegschaft zu zeigen, statt Beifall für ein Kahlschlagprogramm zu liefern.“

Der angekündigte Stellenabbau bedrohe alle Standorte, so Reusch. „Es ist gefährlich kurzsichtig, daraus eine Erfolgsmeldung für Gifhorn zu machen.“ Die Gespräche zwischen IG Metall, Betriebsrat und IAV-Vorstand liefen demnach weiterhin. Es sei also noch nichts beschlossen. Zudem müssten auch die Beschäftigten in Gifhorn mit massiven Einschnitten rechnen. "Im Raum stehen längere Arbeitszeiten, tarifliche Verschlechterungen, ausbleibende Tariferhöhungen, Kürzungen und Personalabbau durch Nichtnachbesetzung", heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft.

Von einem klaren Gewinn für Gifhorn könne deshalb keine Rede sein. Jeder alters- und veränderungsbedingte Abgang in Gifhorn führt unweigerlich auch hier zu Personalverlusten. „Gifhorn wird nicht stärker, wenn Berlin geschlossen und Tarifstandards geschleift werden“, erklärt der Metaller. „Wir laden Herrn Nerlich gerne zu einer Kundgebung ein. Dann zeigen wir ihm, was Metallerinnen und Metaller unter Solidarität verstehen. Wenn es nach dem IAV-Vorstand geht, sollen alle Beschäftigten die Zeche zahlen – mit schlechteren Bedingungen, mehr Druck und weniger Sicherheit.“

Besonders problematisch sei, dass die Stadt öffentlich die Nähe zur Unternehmensführung betone, während die Belegschaft um Arbeitsplätze, Einkommen und Zukunftsperspektiven kämpfe. „In einer solchen Lage braucht es politische Verantwortung“, sagt Reusch. „Ein Rathaus sollte nicht die Kommunikation des CEOs verstärken, sondern deutlich machen: Beschäftigte und Standorte dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“

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