Verheerende Vegetationsbrände: Feuerwehr Goslar probte den Ernstfall

Im Zentrum der Ausbildung stand das kontrollierte Abbrennen von stehenden Ernteresten unterschiedlicher Länge auf dem Feld.

Der Acker wurde kontrolliert angezündet.
Der Acker wurde kontrolliert angezündet. | Foto: Feuerwehr Goslar

Mehr regionalHeute.de bei Google sehen?

Jetzt als bevorzugte Quelle festlegen

Goslar. Die Bilder aus Arcachon und der Umgebung von Bordeaux gingen in diesem Sommer durch die Nachrichten: verheerende Vegetationsbrände, die weite Landstriche der französischen Partnerregion Goslars in Atem hielten. Auch die eigene Erinnerung ist noch frisch – im vergangenen Jahr kämpfte die Feuerwehr Goslar mehrere Tage lang gegen einen Großbrand am Verlorenen Berg, bei dem ebenfalls die Spezialkräfte zur Vegetationsbrandbekämpfung im Einsatz waren.



Dass solche Lagen keine Ausnahme mehr sind, sondern zunehmend Teil der Einsatzrealität werden, treibt die Ausbildung in diesem Bereich mit Nachdruck voran. Am Samstag, 8. August, nutzten rund 50 Einsatzkräfte des Fachzuges Waldbrand der Stadtfeuerwehr Goslar – mit Kameradinnen und Kameraden aus Hahndorf, Jerstedt, Wiedelah, Oker, Hahnenklee-Bockswiese, Immenrode und Goslar –, der Ortsfeuerwehr Jerstedt sowie der GFFFV-Einheit die Gelegenheit zu einer intensiven Vegetationsbrandausbildung unter möglichst realistischen Bedingungen. Start und Ziel des Tages war das Feuerwehrhaus Jerstedt, zwischen 9 und 15 Uhr wurde geübt, beobachtet und ausgewertet.

Von der Theorie auf den Acker


Der Tag begann mit einer Auffrischung der Fachbegriffe und ausführlichen Sicherheitshinweisen, bevor es auf eine abgeerntete Ackerfläche zwischen Jerstedt und Bredelem ging. Landwirt Christian Rehse hatte die Fläche wie schon in der Vergangenheit zur Verfügung gestellt und für die Übung vorbereitet – ein Dank, der bei den Einsatzkräften ausdrücklich hervorgehoben wurde.

Übung auf dem Acker.
Übung auf dem Acker. Foto: Feuerwehr Goslar


Vor Beginn der eigentlichen Brandübungen legten die Teilnehmer zunächst einen Sicherheitsstreifen an, um eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern. Es folgten Gewöhnungsübungen an die Wärmeintensität eines offenen Feuers sowie der Umgang mit unterschiedlichem Handwerkzeug und Löschrucksäcken.

Das Feuer live beobachten


Im Zentrum der Ausbildung stand das kontrollierte Abbrennen von stehenden Ernteresten unterschiedlicher Länge auf dem Feld. Die Einsatzkräfte beobachteten dabei genau, wie sich Brandintensität und Ausbreitungsgeschwindigkeit je nach Bestand veränderten – und lernten, Wirbelwinde sowie mögliche Ausbreitung durch Spotfeuer frühzeitig zu erkennen. Gerade der rasche und teils drehende Wechsel der Windrichtung erwies sich als eine der zentralen Erkenntnisse des Tages: Vegetationsbrände verhalten sich dynamisch und verlangen von den Einsatzkräften ständige Lagebeobachtung.

Mehrere Wehren waren an der Übung beteiligt.
Mehrere Wehren waren an der Übung beteiligt. Foto: Feuerwehr Goslar


Genau hier kam auch das international anerkannte LACES-Prinzip zur Anwendung – kurz für Lookouts, Awareness, Communications, Escape Routes und Safety Zones. Ein erfahrener Feuerwehrmann übernahm die Funktion des Lookouts und behielt die Lage kontinuierlich im Blick, was sich als sehr erfolgreich erwies.

Technik im Einsatz


Neben der Beobachtung und dem Umgang mit Handwerkzeug stand auch der Fahrzeugeinsatz auf dem Programm: Die Löschung erfolgte unter anderem in Raupentechnik sowie über den Frontmonitor des neuen TLF 3000 aus Wiedelah. Ergänzt wurde dies durch Übungen in der Schlauchverlegetechnik und der Arbeit mit dem Strahlrohr. Für viele der Teilnehmenden war es die erste intensive Gelegenheit, praktische Erfahrung mit dem Fronteinsatz dieser Fahrzeugtechnik zu sammeln.

Am Ende waren alle zufrieden.
Am Ende waren alle zufrieden. Foto: Feuerwehr Goslar


Die körperliche Anstrengung kam dabei nicht zu kurz: Die Arbeit mit Handwerkzeugen, Löschrucksäcken und der Fahrzeugtechnik auf freiem Feld und sommerlichen Temperaturen forderte den Einsatzkräften einiges ab.

Positives Fazit der Übung


Zum Abschluss des Tages sorgte die Ortsfeuerwehr Jerstedt für die Verpflegung – inklusive eines Eises als süßem Ausklang. Im gemeinsamen Rückblick zogen Zugführer Volker Junge, sein Vertreter Lars-Helge Brennecke und Jerstedts Ortsbrandmeister Stefan Schütze gemeinsam mit den beiden Ausbildern des Waldbrandteam e. V., Flavio Portwich und Florian Schlüter, ein durchweg positives Fazit. Einig war man sich, dass die schnell wechselnden Windverhältnisse und die generell mobile Lage von Vegetationsbränden hohe Anforderungen an die Einsatzkräfte stellen – ein kühler Kopf und größtmögliche Sicherheit für alle Beteiligten seien dabei oberstes Gebot. Die Ausbildung in diesem Bereich soll daher konsequent weiter vorangetrieben werden.

Stadtbrandmeister Christian Hellmeier teilt diese Einschätzung und unterstützt den Ausbau der Ausbildung in diesem Bereich ausdrücklich. Die Ereignisse der vergangenen Monate hätten deutlich vor Augen geführt, wie wichtig eine intensive Vorbereitung auf Vegetationsbrände sei: Die verheerenden Waldbrände in diesem Sommer rund um die Partnerstadt Arcachon ebenso wie der mehrtägige Großbrand am Verlorenen Berg im vergangenen Jahr zeigten, dass solche Lagen längst keine Ausnahme mehr seien. Der Eigenschutz der eingesetzten Kräfte habe dabei stets oberste Priorität – genau deshalb werde die Feuerwehr Goslar die Ausbildung in diesem Bereich auch künftig konsequent vorantreiben und vertiefen.