Goslar. Rund 100 Fachleute und Interessierte kamen am heutigen Mittwoch zur bereits 10. Gesundheitskonferenz des Landkreises Goslar im Kreishaus zusammen. Unter dem Titel „Hitzeschutz für alle“ diskutierten sie wirksame Strategien zur Anpassung an sommerliche Extremtemperaturen. Als renommierter Impulsgeber stand mit Professor Dr. Mojib Latif einer der bekanntesten deutschen Klimaexperten hinter dem Rednerpult.
Eröffnet wurde die Konferenz von Landrat Dr. Alexander Saipa, der betonte, dass der ländliche Raum von den klimatischen Veränderungen keineswegs verschont bleibe. „Hitzeschutz ist keine reine Komfortfrage mehr, sondern ein zentraler Bestandteil der kommunalen Gesundheitsvorsorge und der Anpassung an den Klimawandel“, stellte Saipa klar. Es gelte, vorausschauend zu handeln und insbesondere vulnerable Gruppen in den Blick zu nehmen.
Mojib Latif: „Mit der Physik kann man nicht verhandeln“

Landrat Dr. Alexander Saipa eröffnete die 10. Auflage der Gesundheitskonferenz im Kreishaus. Foto: Landkreis Goslar
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der rund 45-minütige Vortrag von Professor Dr. Mojib Latif. Der renommierte Wissenschaftler stellte unmissverständlich klar, dass die Erderwärmung eine physikalische Realität sei: „Mit der Physik kann man nicht verhandeln und keine Kompromisse schließen – Physik ist unbestechlich.“ Deutschland und Europa seien von den steigenden Temperaturen überdurchschnittlich stark betroffen.
Die Faktenlage rund um den Klimawandel fasste Latif in seinem Vortrag mit fünf prägnanten Kernsätzen zusammen: „Er ist real. Wir sind die Ursache. Er ist gefährlich. Die Fachleute sind sich einig. Wir können etwas tun.“ Dass Hitze eine reale Gefahr für die Gesundheit darstelle, hätten die vergangenen Sommer mit Tausenden Hitzetoten drastisch vor Augen geführt. Hinzu kämen verheerende Waldbrände, deren Ausmaß viele bislang nur aus dem Fernsehen kannten.

Der Klimaexperte Professor Dr. Mojib Latif hielt den Impulsvortrag zum Thema Hitzeschutz. Dabei beleuchtete er die Auswirkungen der Erderwärmung. Foto: Landkreis Goslar
Da sich Treibhausgase binnen weniger Wochen über den gesamten Globus verteilen, müsse der Klimaschutz zwar international gelöst werden – doch die Vorbereitung auf die unvermeidbaren Folgen müsse unmittelbar vor Ort geschehen.
Entschlossen handeln und besonders gefährdete Menschen schützen
Statt in Resignation zu verharren, plädierte Latif für entschlossenes Handeln: „Das alles ist kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Wir müssen die Dinge anpacken, die wir hier vor Ort beeinflussen können – ganz nach dem vom ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama geprägten Motto: ‚Yes we can‘.“
Ein zentraler Appell Latifs galt den besonders gefährdeten Menschen: „Wir müssen Krankenhäuser, Seniorenheime, Schulen und Kindertagesstätten zügig und konsequent für extreme Hitze rüsten. Geld darf dabei keine Rolle spielen – es ist kein knappes Gut, es ist in großer Menge vorhanden, oft nur falsch verteilt.“
Zudem zeigte Latif konkrete Wege für hitzeresiliente Städte auf. Dabei spiele unter anderem die gezielte Entsiegelung und Begrünung von Flächen eine entscheidende Rolle für Abkühlung und Lebensqualität.
Telemedizin und technischer Hitzeschutz als wichtige Bausteine

Gabriela Schacht, Leiterin des Fachbereichs für Gesundheit, Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit, moderierte die Konferenz. Foto: Landkreis Goslar
Dr. Tobias Steffen, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes beim Landkreis Goslar, zeigte im weiteren Verlauf der Konferenz auf, welche Rolle die Tele- und Telenotfallmedizin spielen kann, um bei hitzebedingten Notlagen schnelle und zielgerichtete medizinische Hilfe zu gewährleisten.
Sebastian Dohm, Referent am Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA, Sachgebiet Innenraumklima), sprang kurzfristig digital zugeschaltet als Referent ein und erläuterte Maßnahmen für den technischen Hitzeschutz in Betrieben.
Er hob hervor, dass baulich-technische Lösungen wie Beschattung, Entsiegelung, Fassadenbegrünung und zeitgemäße Dämmung stets Vorrang vor rein organisatorischen und personellen Maßnahmen haben sollten. „Dämmung und Materialauswahl“, so Dohm, „müssen dabei heute neu gedacht werden: nicht mehr allein als Kälteschutz im Winter, sondern vor allem als Schutzschild gegen das Eindringen von Sommerhitze.“
Durch das Programm führte Moderatorin Gabriela Schacht, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit, Veterinärwesen und Verbraucherschutz beim Landkreis Goslar. Sie und ihr Team zeichneten auch für die Organisation der Konferenz verantwortlich.

