Grabungen bringen Erkenntnisse zu mittelalterlichen Vorgängerbauten

Die Hagenmarkt-Baustelle im Herzen der Stadt dient auch als archäologisches Fenster in die Vergangenheit.

Hagenmarkt - Heinrich und Oper.
Hagenmarkt - Heinrich und Oper. | Foto: Stadt Braunschweig

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Braunschweig. Am Hagenmarkt wurden im Vorfeld der eigentlichen Bauarbeiten zur Neugestaltung des Platzes umfangreiche archäologische Untersuchungen vorgenommen. Laut Pressemitteilung der Stadt mit interessanten Ergebnissen: So könne unter anderem die genaue Lage und damit auch die Baugeschichte des einstigen Opernhauses nun viel präziser bestimmt werden.



Zudem hätten die Grabungen erste Erkenntnisse zu mittelalterlichen Vorgängerbauten zutage gebracht. Aber auch während der laufenden Bauarbeiten würden immer wieder Entdeckungen gemacht, die bemerkenswerte Aufschlüsse bieten und Fenster in die Vergangenheit Braunschweigs öffnen.

Das Fragment eines gotischen Fensterzugs wurde freigelegt.
Das Fragment eines gotischen Fensterzugs wurde freigelegt. Foto: Stadt Braunschweig



Recycling im barocken Fundament


Von besonderer Bedeutung bei den bisherigen Befunden seien eine Reihe farblich behandelter Steinsegmente – nach Ansicht der Fachleute gotisch ausgeformte Fensterzüge, die einen ersten Eindruck vom Aussehen des mittelalterlichen Hagenrathauses geben. Sie waren aller Voraussicht nach als hochwertiges Baumaterial in den abgebrochenen barocken Fundamenten des Opernhauses recycelt worden. An den Fundamentkonstruktionen seien mittels Dendrochronologie-Untersuchungen an den Holzbefunden (Baumringdatierung) mindestens zwei mittelalterliche Bauphasen nach 1359/60 und um 1400 erstmals nachgewiesen worden.

Wasserlauf entdeckt


Die Grabungsfirma hätte zudem einen noch im Mittelalter im westlichen Teil des Hagenmarkts vorhandenen Wasserlauf, möglicherweise einen Okerarm, entdeckt. Nach den eingebrachten Abfällen muss er bis ins Spätmittelalter offen gestanden haben. Der Hagenmarkt sah also damals ganz anders aus und wurde anders genutzt als bisher angenommen.

Der Baufortschritt förderte weitere archäologische Befunde zutage. Nicht unerwartet, wie die Stadt mitteilt, denn innerhalb der Okerumflut seien gut 1000 Jahre Siedlungsentwicklung Schicht um Schicht überliefert. Bei Ausschachtungen von Leitungsgräben wurden demnach mehrfach archäologisch relevante Befunde und auch Gegenstände entdeckt und gemäß dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz und den Richtlinien des Landesamtes für Denkmalschutz mit Hochdruck dokumentiert, um Bauverzögerungen möglichst gering zu halten.

Knochen, Keramik und Bronzenägel


Darunter seien neun horizontale Holzbohlen und drei senkrechte Pfosten im Bereich der Hagenbrücke. Sie bildeten eine Art Rahmen oder Rost, vergleichbar einem Fachwerk, und hätten sich im feuchten Boden der Okerniederung unter Sauerstoffabschluss gut erhalten. Zusätzliches Fundmaterial hätte weitere Hinweise gegeben: Knochen, Keramik, eine Handspindel, Bronzenägel und eine Form aus Holz.

Abfälle eines Schusters


Die Keramik weist nach erster Sichtung in die Zeit um 1250 bis 1300. Zudem sei in der Verfüllung eine horizontale Lederschicht dokumentiert worden: wohl Abfälle eines Schusters im 13. Jahrhundert. Sie dienten offenbar zugleich dazu, die Feuchtigkeit des morastigen Untergrunds aufzunehmen. Der Befundkomplex sei daher nach aktuellem Kenntnisstand Teil eines Rostfundaments, das im Mittelalter häufig bei feuchtem Baugrund gewählt worden sei. Die Holzproben werden, um sie zeitlich genauer einordnen zu können, noch dendrochronologisch untersucht.

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