Braunschweig. Beleidigungen, Bedrohungen und körperliche Übergriffe gehören für viele Beschäftigte im Gesundheitswesen und bei Einsatzkräften häufig zum Arbeitsalltag. Genau darum ging es bei der Veranstaltung „Keine Gewalt gegen Helfer“ der Ärztekammer Niedersachsen am 30. September in Braunschweig. Auch das Städtische Klinikum Braunschweig (skbs) war beteiligt, wie es in einer Pressemitteilung berichtet.
Wie alltäglich das Thema im Krankenhaus ist, berichtete Dr./UMF Bukarest Ulrike Cretan, kommissarische Leiterin der Notfallmedizin und leitende Oberärztin des Interdisziplinären Notfallzentrums am skbs. In ihrem Vortrag „Tatort Notaufnahme? Gewalt und Aggression im klinischen Alltag“ ging sie auf unterschiedliche Formen von Gewalt und Aggressionen ein. Lange Wartezeiten in der Notaufnahme, Alkohol- und Drogenkonsum oder auch Angst könnten Situationen verschlimmern. Dr. Ulrike Cretan stellte außerdem verschiedene Möglichkeiten vor, mit denen Mitarbeiter geschützt werden können: Alarmierungssysteme, klare Abläufe, die Dokumentation von Vorfällen und regelmäßige Schulungen. Dabei sagt sie deutlich: „Gewalt ist kein natürlicher Bestandteil des Berufes.“
Übergriffe auf Rettungsdienst nehmen zu
Dass nicht nur Menschen im Krankenhaus betroffen sind, zeigte Dipl.-Ing. Torge Malchau, Fachbereichsleiter Feuerwehr der Stadt Braunschweig. In seinem Vortrag „Gewalt gegen Einsatzkräfte – Erfahrungen in Braunschweig und Möglichkeiten der Prävention“ berichtete er über die Situation von Einsatzkräften. „Durch die Verrohung der Gesellschaft nimmt die Anzahl der Übergriffe auf Rettungsdienstpersonal deutlich zu“, so Malchau.
Regelmäßige Trainings wichtig
Maik Pritschke aus dem Deeskalationsmanagement des skbs zeigte, welche Rolle Kommunikation, das frühzeitige Erkennen von Konflikten und regelmäßige Trainings spielen. Ebenso wichtig sei die Dokumentation von Vorfällen der betroffenen Mitarbeiter. „Das Ziel der Deeskalation ist grundsätzlich, in einer Handlungsfähigkeit zu bleiben und die Kontrolle in einer Situation zu haben.“ „Übergriffe sollen dabei nicht als etwas „Normales“ hingenommen werden.“
Die Veranstaltung schloss an die niedersachsenweite Kampagne „Wer hilft, verdient Respekt“ an, die das Niedersächsische Gesundheitsministerium gemeinsam mit der Ärztekammer Niedersachsen, dem Marburger Bund Niedersachen, der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen ins Leben gerufen hat. Sie macht auf Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber Menschen im Gesundheitswesen aufmerksam.
Strukturelles Problem auch in der Region
Priv.-Doz. Dr. Alina Dahmen erklärt die Situation für das skbs: „Wer hilft, verdient Respekt – das gilt auch für uns am skbs. Die Vielzahl an Berichten über solche Vorfälle an unserem, aber auch an vielen anderen Kliniken zeigt, dass es sich mittlerweile um ein strukturelles und gesamtgesellschaftliches Problem handelt: Laut der letzten Studie des Deutschen Krankenhausinstituts Ende 2025 haben 66 Prozent der befragten Häuser angegeben, dass die Zahl der Übergriffe auf ihr Personal gestiegen ist. 95 Prozent berichten von Angriffen in den Notaufnahmen. Es muss klar sein: Null Toleranz für solche Übergriffe. Unsere Patientinnen und Patienten, aber auch ihre Angehörigen befinden sich häufig in einer Ausnahmesituation. Sie haben vielleicht Angst, leiden an Schmerzen, sind aufgewühlt. Deshalb sind sie bei uns, und wir helfen ihnen, so gut wir es als regionaler Maximalversorger nur können. Aber wir werden es nicht dulden, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angegriffen werden. Die Veranstaltung hier in Braunschweig zu diesem Thema hat gezeigt, dass wir auch in unserer Region deutlich mit diesem Problem zu kämpfen haben.“
Die Veranstaltung habe unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht, so das skbs. Gleichzeitig habe die Zusammenarbeit des skbs und der Ärztekammer Niedersachsen gezeigt, wie wichtig der gemeinsame Austausch zu diesem Thema sei. Ein sicherer Arbeitsalltag funktioniere am besten, wenn Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsam Lösungen entwickelt werden.

