Region. Auf dem Rücksitz eines in der Sonne geparkten Autos, mittags auf dem aufgeheizten Gehweg, im schattenlosen Kaninchenstall im Garten: An all diesen Stellen kann es für Tiere schnell brenzlig werden. Hunde und Katzen tun sich mit der eigenen Kühlung schwer – wie groß ist das Risiko also wirklich?
Eine zentrale Statistik darüber, wie viele Notfälle durch hohe Temperaturen Tierarztpraxen hierzulande während einer Hitzewelle behandeln, gibt es nicht. Fachleute betonen aber, dass mit steigenden Temperaturen auch die Gefahr für Überhitzung und Hitzschlag wächst.
Warum Tiere der Hitze kaum entkommen können
„Weder Hunde noch Katzen können sich durch Schwitzen über die Haut abkühlen. Die Thermoregulationsmechanismen des Körpers sind mit den Extremtemperaturen überfordert“, erklärt Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Niedersachsen, gegenüber regionalheute.de. Bleibt den Tieren keine Möglichkeit, sich der Hitze zu entziehen, drohen ihnen langanhaltende Leiden – für ältere Tiere kann das im schlimmsten Fall tödlich enden. Hunde regulieren ihre Körpertemperatur hauptsächlich durchs Hecheln. Nach Angaben der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover ist diese Form der Abkühlung bereits ab Umgebungstemperaturen von mehr als 28 Grad beeinträchtigt. Besonders gefährdet sind kurznasige Rassen wie Möpse und Bulldoggen, Hunde in fortgeschrittenem Alter sowie Tiere mit dichtem Fell, Übergewicht oder Vorerkrankungen.
So wird die Hitze im Alltag zur Falle
Die größte Gefahr sieht Ruhnke im Zurücklassen von Tieren in geparkten Autos: Dort kann die Temperatur innerhalb kurzer Zeit auf mehr als 70 Grad steigen, ein gekipptes Fenster oder ein Platz im Schatten schützen davor nicht zuverlässig. Wie schnell sich ein Fahrzeug aufheizt, zeigen Zahlen der Hochschule: Schon bei 20 Grad Außentemperatur kann der Innenraum eines nicht klimatisierten Autos nach einer Stunde 46 Grad erreichen, bei 30 Grad wird dieser Wert bereits nach einer halben Stunde überschritten. Tiere sollten deshalb grundsätzlich nicht allein im Fahrzeug bleiben, auch nicht für einen kurzen Einkauf.
Auch beim Gassigehen sollten Halter umdenken. Der Tierschutzverband rät von Spaziergängen während der Mittagshitze ab, besonders auf befestigten Wegen, die sich stark aufheizen und Verbrennungen an den Pfoten verursachen können. Besser eignen sich die frühen Morgen- oder späten Abendstunden, mit frischem Trinkwasser für unterwegs. Ein einfacher Handrückentest hilft bei der Einschätzung: Ist der Asphalt schon nach wenigen Sekunden für die eigene Hand unangenehm heiß, sollte auch der Hund nicht darüberlaufen. Katzen passen ihr Verhalten oft von selbst an: Freigänger verlegen ihre Streifzüge in die kühleren Abend- und Nachtstunden und suchen sich schattige Plätze.
Trotzdem spricht sich Ruhnke dafür aus, sie weiterhin zu den gewohnten Zeiten hinauszulassen – vorausgesetzt, es gibt jederzeit Zugang zu frischem Wasser und geschützten Rückzugsorten.
Noch empfindlicher reagieren Kaninchen und Meerschweinchen, die weder schwitzen noch richtig hecheln können. Ihre Gehege dürfen deshalb zu keiner Tageszeit vollständig in der Sonne liegen. „Für Kühle können vorgekühlte Steinplatten, Kühlmatten oder aufgehängte feuchte Tücher sorgen“, empfiehlt der Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Niedersachsen. Kühlakkus oder gefrorene Wasserflaschen dagegen dürfen nicht direkt mit den Tieren in Berührung kommen.
Wo es kritisch wird
Starkes oder stoßartiges Hecheln, ungewöhnlich viel Speichel und große Unruhe können erste Anzeichen einer Überhitzung sein. Weitere Warnsignale sind Teilnahmslosigkeit, Taumeln, ein glasiger Blick, gerötete Schleimhäute sowie Erbrechen oder Durchfall, bei Katzen zusätzlich eine erhöhte Herzfrequenz und fehlende Ansprechbarkeit. In schweren Fällen drohen Krämpfe, Bewusstlosigkeit oder ein Kreislaufkollaps. Die Hochschule spricht bei einer Körperkerntemperatur von mehr als 41 Grad von einem voll ausgeprägten Hitzschlag; steigt sie auf mehr als 43 Grad, endet das meist tödlich. Selbst mit intensivmedizinischer Versorgung liegt die Sterblichkeit betroffener Hunde ihren Zahlen zufolge bei 50 bis 60 Prozent.
Der Landestierschutzverband geht davon aus, dass längere Hitzeperioden künftig weitere Anpassungen erforderlich machen – nicht nur bei Haustieren, sondern auch in der Landwirtschaft. Bei Rindern, Pferden und Schafen auf Weiden müssten Halter für ausreichend große Schattenplätze sorgen, wo Bäume fehlten, seien überdachte Unterstände nötig. Kritisch sieht Ruhnke zudem die Lüftungsanlagen in der industriellen Tierhaltung, die häufig nicht auf lange Hitzewellen ausgelegt seien – insbesondere in Geflügelställen drohten dann steigende Sterberaten. Das niedersächsische Verbot langer Tiertransporte bei mehr als 30 Grad bewertet er deshalb positiv, denn auch Nutztiere
litten unter Hitzestress und könnten den Temperaturen während eines Transports nicht ausweichen.
Was Halter im Ernstfall tun sollten
Ein überhitztes Tier muss sofort aus der Sonne und an einen kühlen, schattigen Ort gebracht werden. Anschließend hilft es, es mit kühlem oder kaltem Wasser zu befeuchten und für Luftzirkulation zu sorgen – trinken darf das Tier, so viel es will, eingeflößt werden darf ihm das Wasser aber nicht. Parallel dazu sollten Halter sofort eine Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst kontaktieren, auf dem Weg dorthin kann die Autoklimaanlage das Tier zusätzlich kühlen. Auch wenn sich der Zustand scheinbar bessert, bleibt eine tierärztliche Untersuchung notwendig, denn Schäden an Nieren, Muskulatur oder Nervensystem können nach einem Hitzschlag noch verzögert auftreten.
Auch wildlebende Tiere brauchen in dieser Zeit Unterstützung: Wenn Bäche und Pfützen austrocknen, finden Igel, Eichhörnchen und Vögel kaum noch Wasser. Flache, regelmäßig gereinigte Wasserschalen im Garten oder auf dem Balkon helfen ihnen ebenso wie Bienen und Schmetterlingen, für die zusätzlich platte Steine oder Holzstücke als sichere Landeplätze dienen.

