Wildunfälle im Herbst: Wo Autofahrer in der Region besonders aufpassen müssen

Mehr als 4.500 Wildunfälle registrierte die Polizei im vergangenen Jahr in der Region. Welche Straßen auffallen, warum die Schäden teurer werden und wie Autofahrer richtig reagieren, liest man hier.

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Symbolbild | Foto: Alexander Panknin

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Region. Morgens auf dem Weg zur Arbeit, abends auf der Rückfahrt: Gerade dann sind auch viele Wildtiere aktiv. Ende Oktober verschärft die Umstellung auf die Winterzeit die Lage zusätzlich, erklärt Sabrina Schmidt von der Jägerschaft Wolfenbüttel e. V.. Der Wildwechsel fällt dann wieder stärker in den Berufsverkehr.



Im vergangenen Jahr registrierte die Polizeidirektion Braunschweig 4.506 Wildunfälle. Das waren rund acht Prozent mehr als 2021. Innerhalb dieser fünf Jahre kamen zwei Menschen bei solchen Unfällen ums Leben, mehr als 200 wurden verletzt. Welche Tierarten beteiligt waren, erfasst die Polizei nicht. Nach den Erfahrungen der Jägerschaft trifft es besonders häufig Rehwild. Dazu kommen unter anderem Wildschweine, Dam- und Rotwild, Füchse, Dachse, Feldhasen und Waschbären.

Meistens abends und im Dunkeln


„Der überwiegende Teil der Wildunfälle ereignete sich bei Dunkelheit“, teilt Polizeisprecherin Aleksandra Rudnik auf Anfrage von regionalHeute.de mit. Rund sieben von zehn Fällen zwischen 2021 und 2025 geschahen im Dunkeln. Die meisten Unfälle ereigneten sich zwischen 18 Uhr und Mitternacht. Über das Jahr verteilen sich die Fälle vergleichsweise gleichmäßig. Die höchsten Anteile entfielen auf Oktober und November. Auch im Mai registrierte die Polizei vergleichsweise viele Zusammenstöße.

Wo sich Wildtiere aufhalten, hängt Schmidt zufolge davon ab, wo sie Nahrung, Deckung und Ruhe finden. Witterung sowie Tages- und Nachtlänge beeinflussen, wann und wie intensiv sie sich bewegen. Während der Brunft legen vor allem Reh- und Rotwild teilweise größere Strecken zurück.

„Insbesondere Erntetätigkeiten können den Wildwechsel kurzfristig deutlich verstärken“, sagt Schmidt. Verschwinden Nahrung und Deckung auf größeren Flächen, weichen die Tiere in andere Gebiete aus. Dabei überqueren sie häufiger Straßen oder flüchten direkt aus den Ernteflächen über die Fahrbahn.

Diese Straßen fallen in der Region auf


Im Bereich Salzgitter häufen sich Wildunfälle unter anderem auf einigen Kreis- und Landesstraßen sowie auf der B6 und der B248. Für den Bereich Peine nennt die Polizei die B214 und die L412.


In Wolfsburg fallen vor allem die Strecken zwischen Wolfsburg und Brackstedt sowie zwischen Brackstedt und Velstove auf. Hinzu kommt die B188 bei Warmenau. Im Bereich Wolfenbüttel betrifft es die L615 zwischen Heiningen und Schladen, die B82 zwischen Schöppenstedt und dem Abzweig Eitzum sowie die L631 zwischen Sickte und Cremlingen.

Wie viele Unfälle auf den einzelnen Strecken registriert wurden, teilte die Polizeidirektion nicht mit. Im Braunschweiger Stadtgebiet gibt es derzeit keine Wildunfallhäufungsstellen nach den geltenden Kriterien. Auch im Landkreis Gifhorn und im Harz sticht kein einzelner Schwerpunkt heraus. Dort verteilen sich die Fälle über größere Gebiete. „Wildunfallhäufungen können sich im Laufe der Zeit verlagern“, erklärt Rudnik. Neben der Jahreszeit und der Witterung können Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft die Wege der Tiere beeinflussen.

Wildunfälle werden immer teurer


Ein Wildunfallschaden kostete die Öffentliche Versicherung Braunschweig 2021 durchschnittlich rund 2.850 Euro. Vier Jahre später waren es bereits etwa 3.700 Euro. Der Gesamtaufwand für solche Schäden lag 2025 bei rund 5,3 Millionen Euro.

Pressesprecher Sebastian Heise nennt als Gründe höhere Preise für Ersatzteile und Elektronik, die Inflation und gestiegene Energiekosten. Hinzu kommen Radar- und Abstandswarner, LED-Scheinwerfer, Sensoren und Lichtanlagen. Nach einem Aufprall müssen sie teilweise aufwendig ersetzt werden.

Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Kunden der Öffentlichen und sind daher nicht direkt mit der Polizeistatistik vergleichbar. Eine Aufschlüsselung nach Städten oder Landkreisen ist nicht möglich. Zudem können Versicherte außerhalb des Geschäftsgebiets verunglückt sein.

Zäune und Reflektoren sollen Wildunfälle verhindern


Welche Maßnahmen sich an einer Wildunfallhäufungsstelle eignen, wird für jeden Bereich einzeln geprüft. Polizei, Jägerschaften, Straßenbaulastträger und Verkehrsbehörden stimmen sich dazu ab. Zum Einsatz kommen unter anderem Wildschutzzäune, Warnschilder, Tempolimits, Wildwarnreflektoren und der Rückschnitt von Straßenbegleitgrün.

An der Kreisstraße 21 in Salzgitter wurden gemeinsam mit der örtlichen Jägerschaft auffällige Holzkreuze beziehungsweise Warnzeichen aufgestellt. An Abschnitten der B4 im Landkreis Gifhorn hat die Polizeidirektion gute Erfahrungen mit Wildschutzzäunen gemacht.

Auch im Raum Wolfenbüttel gibt es an besonders gefährdeten Landstraßen blaue Wildwarnreflektoren. Nach Angaben der Jägerschaft ging die Zahl der Unfälle dort zurück. Konkrete Zahlen liegen dazu nicht vor. Größere Untersuchungen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und der Unfallforschung der Versicherer konnten dagegen keine belastbare Wirkung solcher Reflektoren nachweisen.

So reagieren Autofahrer richtig


„Das wirksamste Mittel, um einen Wildunfall zu vermeiden, ist und bleibt die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer“, sagt Schmidt. An bekannten Wildwechselstellen sollten Autofahrer das Tempo reduzieren, bremsbereit bleiben und besonders in der Dämmerung aufmerksam fahren. Taucht ein Tier am Straßenrand auf, sollte die Geschwindigkeit deutlich verringert werden. „Denn wo ein Tier auftaucht, können weitere Tiere folgen.“

Steht Wild auf der Fahrbahn und herrscht kein weiterer Verkehr, sollten Fahrer bremsen, hupen und das Fernlicht ausschalten. Von hektischen Ausweichmanövern rät Schmidt ab. Soweit es die Verkehrslage zulässt, sollten Autofahrer kontrolliert bremsen und ihre Spur halten.

Kommt es zum Zusammenstoß, muss zunächst die Unfallstelle abgesichert werden. Das Fahrzeug sollte möglichst sicher abgestellt, die Warnblinkanlage eingeschaltet und eine Warnweste angelegt werden. Bei Verletzten gilt es, die 112 zu wählen und Erste Hilfe zu leisten. Auch die Polizei muss verständigt werden.

Verschwindet das Tier nach dem Aufprall, sollte der Unfall trotzdem gemeldet werden. „Ein verletztes Tier kann noch weit laufen und später verenden“, erklärt Schmidt. Genaue Angaben zum Unfallort und zur Fluchtrichtung helfen dem Jagdpächter bei der Nachsuche. Angefahrenes oder verendet aufgefundenes Wild darf nicht mitgenommen werden. Auch Abwurfstangen dürfen nur mit schriftlicher Erlaubnis des Jagdausübungsberechtigten gesammelt werden. Wer sich Wild oder Gegenstände aneignet, die dem Jagdrecht unterliegen, kann sich wegen Jagdwilderei strafbar machen.