Salzgitter. Der Kultursommer auf Schloss Salder lockt auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Künstler und Besucher in die besondere Atmosphäre des historischen Ensembles. Einer der Stars des diesjährigen Programms ist Kamrad. Vor seinem Auftritt am heutigen Donnerstag sprach der Sänger mit regionalHeute.de über die besondere Stimmung bei Open-Air-Konzerten, den Zusammenhalt mit seiner Crew, die Bedeutung seiner Songs – und darüber, warum hinter einem gelungenen Konzerttag mehr steckt als nur die Show auf der Bühne.
Ein paar Stunden vor seinem Auftritt wird hinter den Kulissen erst einmal Fußball gespielt. Für Kamrad und seine Crew gehört das mittlerweile genauso zum Konzerttag wie der Soundcheck. Der Sänger genießt genau diese Momente rund um die eigentliche Show. „Hier ist es total schön – gerade wenn es langsam dunkel wird. Das ganze Drumherum gehört einfach dazu“, sagt er. Während sich Konzerthallen auf einer Tour häufig ähnelten, habe draußen jedes Konzert seinen eigenen Charakter.
„Man darf einen Auftritt nie als selbstverständlich ansehen“
Auch wenn Kamrad auf der Bühne meist völlig entspannt wirkt, bleibt vor jedem Auftritt eine gewisse Spannung. „Ich bin entspannt, aber trotzdem auf einem positiven Aufregungslevel. Diesen Kick brauche ich“, sagt der Sänger. Diese Aufregung gehöre für ihn dazu. „Ich glaube sogar, dass der nie verschwinden darf. Man darf einen Auftritt nie als selbstverständlich ansehen.“
Angst habe er vor Konzerten inzwischen keine mehr, eher Respekt. Bei Open-Air-Shows beschäftige ihn manchmal vor allem eine andere Frage: das Wetter. Vor wenigen Tagen wäre ein Konzert wegen eines Unwetters beinahe ausgefallen. „Solche Dinge gehen einem dann schon durch den Kopf.“
Ein Tag mit Kamrad auf Tour
Wer Kamrad einen ganzen Tag begleiten würde, dürfte überrascht sein, wie wenig Ruhe der Sänger kennt. „Ich bin eigentlich nie still“, erzählt er. Nach der Ankunft sei er unterwegs gewesen, habe Fußball gespielt oder irgendetwas gemacht.
Auch der Blick hinter die Bühne dürfte für viele überraschend sein. Viele würden vermutlich denken, dass hinter einer Tour vor allem ein Arbeitsverhältnis stecke. Tatsächlich sei die Atmosphäre innerhalb seines Teams deutlich persönlicher. „Viele denken wahrscheinlich, das sei ein reines Arbeitsverhältnis. Tatsächlich fühlt sich das eher wie eine Gruppe guter Freunde an.“
Diese enge Verbindung bringe aber auch Verantwortung mit sich. Freundschaft sei wichtig, sagt Kamrad, trotzdem müsse die Professionalität immer die Grundlage sein. „Eigentlich nur dann, wenn wir den Wechsel vom Spaßmodus in den professionellen Modus einmal nicht sauber hinbekommen.“ Zum Glück passiere das bei seinem Team nur selten.
Wenn Songs eine neue Bedeutung bekommen
Dass seine Songs für Menschen eine ganz eigene Bedeutung entwickeln, erlebt Kamrad immer wieder. Sein Song „Be Mine“ sei für viele Fans zu einem Hochzeitssong geworden – etwas, das er beim Schreiben nicht erwartet habe. Bei einem anderen Lied habe ihn besonders die Geschichte einer Frau bewegt, die ihm erzählte, dass der Song sie während einer schweren Herzoperation begleitet habe. „Solche Geschichten machen Songs plötzlich viel größer, als man sie ursprünglich gedacht hat.“
Zwischen Timbaland und Champions League
Wenn Kamrad für einen Tag jemand anderes sein könnte, würde er zunächst mit einem Lachen Timbaland wählen. Er habe dessen Liveshow gesehen und das Gefühl gehabt, dass sie zu „99 Prozent“ daraus bestehe, dass der Produzent einfach „Yeah!“ ins Mikrofon rufe. „Das wirkt ziemlich entspannt“, sagt Kamrad lachend.
Eigentlich würde er aber gern einmal Profifußballer sein und ein Champions-League-Spiel erleben. „Dieses Gefühl auf dem Platz – das würde ich unglaublich gern einmal erleben.“
Kleine Macken im Touralltag
Dass er seine Crew manchmal auch fordert, gibt Kamrad offen zu. Seine größte Schwäche sei seine Unpünktlichkeit. Deshalb würden inzwischen alle Zeiten einfach eine Viertelstunde früher angesetzt. „Das Problem ist nur: Ich habe das mittlerweile durchschaut und rechne die Viertelstunde schon wieder drauf“, erzählt er lachend.
Außerdem rede er einfach zu viel. „Wenn jemand Ruhe haben möchte, muss er sich eher von mir entfernen.“
Umgekehrt bringe ihn sein Team kaum zur Verzweiflung. Eigentlich nur dann, wenn der Wechsel vom Spaßmodus in den professionellen Modus einmal nicht sauber gelinge. Das passiere aber selten.
Fotografen gehören bei Konzerten dazu
Auch mit Konzertfotografen hat Kamrad grundsätzlich kein Problem. Im Fotograben gebe es keine Schwierigkeiten. Etwas komplizierter werde es manchmal, wenn Fotografen oder Kameraleute auf der Bühne unterwegs seien und das Set nicht kennen würden. „Dann steht plötzlich jemand genau dort, wo ein Musiker hinlaufen möchte.“ Das gehöre bei Liveshows aber einfach dazu.
Nach dem Gespräch geht es für Kamrad zurück zu seiner Crew. Vor dem Konzert wird noch eine Runde Fußball gespielt – schließlich gehört auch das für ihn zu einem gelungenen Sommertag auf Tour. Für den Sänger bleibt dabei klar: Jede Bühne hat ihren eigenen Charakter. Und Schloss Salder gehört für ihn zu den besonderen Kulissen dieses Sommers.

