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Ländliche Sicherheit? So steht es um Helmstedts Kriminalität

Die jetzt veröffentlichte Kriminalstatistik von 2023 der Samtgemeinden Nord-Elm und Grasleben sowie der Städte Schöningen und Königslutter gibt Aufschluss.

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Symbolbild.
Symbolbild. | Foto: Werner Heise

Schöningen/Königslutter. Der Mord in Grafhorst, die medienumrissene Sexualstraftat zweier Minderjähriger an einem 13-Jährigen in der Domstadt oder auch Meldungen von zahlreichen Einbrüchen: 2023 war polizeilich viel los im Landkreis Helmstedt. Doch ist es im Kreisgebiet wirklich so gefährlich wie manch einer oder eine denkt? Oder trügt der Schein und es überwiegt (noch) die ländliche Sicherheit? Die Zahlen der Kriminalstatistiken von 2023 geben Aufschluss darüber.



Mit den Worten „keine besonderen Ausreißer“ - was wahrscheinlich auch dem gut aufgestellten Streifendienst im Schöninger Stadtgebiet geschuldet ist - beschreibt der Leiter des Kriminalen Ermittlungsdienstes Stephan Löffler die Auswertung der Kriminalstatistik von 2023 für die „Stadt der Speere“ sowie die angehängten Polizeistationen Jerxheim und Büddenstedt.

"Hervorragende Aufklärungsquote"


So gab es im Vergleich zum Vorjahr 2022 (1.129 Delikte) insgesamt 1.043 Straftaten innerhalb des Schöninger Polizeikommissariates (PK) mit einer - wie Löffler unterstrich - „hervorragenden Aufklärungsquote (AQ) von 74,3 Prozent“. Im Schnitt konnten im vergangenen Jahr damit also drei von vier Straftaten erfolgreich abgeschlossen werden.

So gab es keine Delikte gegen das Leben, keine Vergewaltigungen und auch sonst konnten in vielen Straftatbereichen rückläufige Zahlen verzeichnet werden. Diebstähle gab es 251 (2022: 306), Bedrohungen 45 (2022: 63), Vermögens- und Fälschungsdelikte 128 (2022: 161) und im Bereich der Nebengesetze/Betäubungsmittel (BTM) „schrumpfte“ die Zahl von 102 Delikten 2022 auf 76.

Im Bereich der einfachen Körperverletzungen waren es hingegen mit insgesamt 133 Taten 46 mehr als in 2022. Die sprichwörtliche Zündschnur innerhalb der Bevölkerung sei merkbar kürzer geworden, stellte Löffler heraus. Ebenfalls zugenommen mit 26 Taten (58 Delikte insgesamt in 2023) haben Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen. Zentriert haben sich diese Übergriffe dabei vorrangig auf den Innenstadtbereich von Schöningen und nicht selten spielte der durch Feierlaune geprägte Alkoholeinfluss der Täter eine Rolle, wie der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes Jens Keunemann einwarf.

Stephan Löffler, Leiter des Kriminalen Ermittlungsdienstes, Insa Reinecke-Buß, Leiterin des Polizeikommissariates Schöningen, und Jens Keunemann (von links), Leiter des Einsatz- und Streifendienstes, stellten die Zahlen für Schöningen vor.
Stephan Löffler, Leiter des Kriminalen Ermittlungsdienstes, Insa Reinecke-Buß, Leiterin des Polizeikommissariates Schöningen, und Jens Keunemann (von links), Leiter des Einsatz- und Streifendienstes, stellten die Zahlen für Schöningen vor. Foto: Shirin-Sophie Porsiel


Tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte gab es 26. Doch ansonsten war es im „großen Dorf Schöningen“, wie Stephan Löffler es nennt, weitestgehend ruhig: keine polizeilichen Highlights, keine Brennpunkte. Vielmehr herrschte (zum Glück) die kleine, heile Welt im Vergleich zu vielen anderen Orten in Deutschland.


Die Auswirkungen der ländlichen Gegebenheiten spiegelten sich ebenfalls in den Fallzahlen der Samtgemeinden (SG) Grasleben und Nord-Elm wider: Innerhalb des „ruhigen Pflasters“ gab es laut Statistik des PK Helmstedt 2023 insgesamt 127 Straftaten in der SG Grasleben (2022 waren es 142 Taten). In der SG Nord-Elm waren es hingegen 182 Delikte und damit nur zehn mehr als im Vorjahr. Und auch die Aufklärungsquoten (AQ) können sich sehen lassen: Diese lag in Grasleben bei 70 Prozent und in Nord-Elm bei 71 Prozent.

Der Leiter des Polizeikommissariates, Jens aus dem Bruch, und der Leiter des Kriminalen Ermittlungsdienstes, Kai Biskaborn (von links), stellten die Kriminalstatistik des Polizeikommissariates Königslutter vor.
Der Leiter des Polizeikommissariates, Jens aus dem Bruch, und der Leiter des Kriminalen Ermittlungsdienstes, Kai Biskaborn (von links), stellten die Kriminalstatistik des Polizeikommissariates Königslutter vor. Foto: Shirin-Sophie Porsiel


Im PK der Domstadt, dem noch die Gemeinde Lehre angehängt ist, lag die AQ mit 65,12 Prozent auf einem „Fünf-Jahres-Hoch“, wie der Leiter des Polizeikommissariates Jens aus dem Bruch darstellte. So konnte diese im Vergleich zum Vorjahr nochmals um 3,63 Prozent gesteigert werden.

Doch die Zahl der Gesamtstraftaten hat mit insgesamt 1.706 Delikten eine Steigerung von 218 Fällen gegenüber dem Vorjahr zu verkraften (1.488 Delikte in 2022). So wuchsen die Rohheitsdelikte von 270 auf 330, die Eigentumsdelikte erhöhten sich von 382 auf 448 und die Vermögensdelikte stiegen geringfügig von 311 auf 323 an. Trotz der etwas höheren Zahlen im Vergleich zum PK Schöningen oder den Samtgemeinden gebe es, so Jens aus dem Bruch, nach wie vor keine kriminellen Hotspots, geschweige denn erkennbare Kriminalitätsschwerpunkte in der Stadt am Elm.

Vermisstenfälle binden die Polizeikräfte


Eine Besonderheit im PK Königslutter: das AWO-Psychiatriezentrum (APZ). Dieses sorge mitunter für eine hohe Zahl an Vermisstenfällen von rund 150 bis 200 im Jahr, die sowohl zeit- als auch personalintensiv seitens der Polizei behandelt werden. Eine Gefahr gehe von den teilweise stark psychisch erkrankten Menschen allerdings nicht aus. Die Zusammenarbeit von APZ und Stadt mit der Polizei sei, so aus dem Bruch, „sehr gut“. „Die Menschen kommen hier, wenn es notwendig wird, zusammen“, beschreibt er die Vorzüge der ländlichen Gegebenheiten.

Dieser Artikel erscheint in Kooperation mit dem HELMSTEDTER SONNTAG und ist dort im Original erschienen.


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