Nutrias: Wie schädlich sind die niedlichen Nager wirklich?

Während die einen von einer Bedrohung für heimische Tierarten und gefährlichen unterirdischen Bauten sprechen, halten andere die Tiere für längst etabliert in unserem Ökosystem. Wir fragten den NABU nach einer Einschätzung.

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Nutrias sind putzig anzuschauen, doch sind sie eine Gefahr für unser Ökosystem? Symbolfoto.
Nutrias sind putzig anzuschauen, doch sind sie eine Gefahr für unser Ökosystem? Symbolfoto. | Foto: Alexander Panknin

Region. Wenn von Nutrias die Rede ist, wird meistens von einer invasiven Art gesprochen, die eine Bedrohung für heimische Tierarten sei. Die unterirdischen Bauten der Nutrias könnten für Einsturzgefahren sorgen. Es werden Fütterverbote ausgesprochen und die Tiere zur Bejagung frei gegeben. Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, die Tiere würden bei uns eine nicht besetzte Nische im Ökosystem ausfüllen. Zudem würde es die Nager in Deutschland bereits seit rund 130 Jahren geben und diese als "eingebürgert" gelten. Zu diesem Thema bat regionalHeute.de nun den Naturschutzbund (NABU) um eine Einschätzung.



"Es ist richtig, dass Nutrias zu den invasiven Neozoen zählen und in Deutschland als etabliert gelten. Vor allem seit dem 20. Jahrhundert, als der Pelztiermarkt zusammenbrach und zahlreiche Tiere entkamen beziehungsweise ausgesetzt wurden, hat sich der Bestand der Nutrias in Europa stark vermehrt", berichtet Gina Briehl vom NABU Landesverband Niedersachsen.

Warum erst jetzt?


Auf die Frage, warum es erst jetzt - gefühlt: die letzten zehn Jahre - zu Problemen mit den Nutrias kommt, obwohl sie schon vor so langer Zeit "eingeschleppt" wurden, hat der NABU keine Antwort. Allerdings gibt Briehl zu bedenken, dass die Tiere nur in Gebieten mit milden Wintern überleben können. Demnach könnte die starke Verbreitung der Nager in Deutschland mit der Klimaerwärmung zusammenhängen.

In Deutschland seien die Nagetiere in allen Bundesländern zu finden. Je nach lokalen Begebenheiten würden Nutrias in Schilfnestern leben oder Höhlen in Uferböschungen graben. "Die Art ist weitverbreitet und kann durchaus Lebensräume wie Uferröhrichte und die in ihnen beheimateten Arten schädigen. Die Schäden sind jedoch lokal begrenzt und stellen keine Zwangsläufigkeit dar. So wurde bisher bei keiner der Neozoen belegt, dass diese heimische Arten ausrotten. Demnach haben Nutrias zwar keine positiven Auswirkungen auf unser Ökosystem, aber auch nicht zwangsläufig negative", so die Einschätzung von Gina Briehl.

"Reguläre Bejagung nicht sinnvoll"


Bezüglich des Umgangs mit Nutrias vertritt der NABU die Position, dass eine reguläre Bejagung weder die aktuelle Ausbreitung noch die bisher erreichte Populationsdichte verringern würde. "Eine Bekämpfung ist aus Artenschutzsicht demnach nur im lokalen Einzelfall sinnvoll, zum Beispiel lokal zum Schutz besonders gefährdeter Vegetationsbestände. Ein derartiges Management des Nutria ist auch nach aktueller Rechtslage möglich, da die Art in Deutschland als etabliert gilt und eine Ausrottung zudem nicht realistisch ist", so die NABU-Sprecherin abschließend.

Vor einigen Jahren hatte regionalHeute.de zu diesem Thema auch die Meinung der Helmstedter Jägerschaft eingeholt - seinerzeit gab es Aufregung um eine Nutriafamilie, die sich mitten in Schöningen niedergelassen hatte. Was die Jäger zu sagen hatten, lesen Sie hier.


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