Mehrum. Am Samstagvormittag wurde das riesige Kesselhaus des ehemaligen Kraftwerks Mehrum kontrolliert gesprengt. Pünktlich um 11 Uhr sackte das markante Industriegebäude innerhalb weniger Sekunden zusammen und kippte zur Seite. Zahlreiche Menschen waren nach Mehrum gekommen, um das Ereignis mitzuerleben.
Zwei deutlich hörbare Sprengphasen, ein spürbares Vibrieren des Bodens – dann war das gewaltige Bauwerk Geschichte. Wo zuvor das markante Kesselhaus in den Himmel ragte, blieb ein großer Trümmerhaufen zurück.
Technische Herausforderung gemeistert
Nach Angaben der Verantwortlichen handelte es sich um das größte jemals in Deutschland gesprengte Kesselhaus. Das Bauwerk war rund 132 bis 140 Meter hoch und hatte eine Grundfläche von etwa 50 mal 50 Metern. Die verbliebene Konstruktion wog mehrere Zehntausend Tonnen.
Um das Gebäude kontrolliert zum Einsturz zu bringen, entwickelten die Experten ein besonderes Sprengverfahren. Dabei sollte zunächst die innere Stahlkonstruktion senkrecht nach unten stürzen. Anschließend sollten die vier massiven Betontreppenhäuser in südlicher Richtung kippen.
700 Kilogramm Sprengstoff
Für den kontrollierten Einsturz kamen rund 700 Kilogramm Sprengstoff sowie 29 Kilogramm Schneidladungen zum Einsatz. Mehr als 2.000 elektrische und nichtelektrische Zünder sorgten dafür, dass die einzelnen Sprengungen exakt aufeinander abgestimmt waren. Der Aufwand zahlte sich aus. Der Einsturz verlief nach Plan und dauerte nur wenige Sekunden.
Ergebnis besser als erwartet
Zwei deutlich hörbare Sprengphasen, ein spürbares Vibrieren des Bodens – dann war das gewaltige Bauwerk Geschichte. Foto: Rudolf Karliczek
Entsprechend zufrieden zeigten sich die Verantwortlichen unmittelbar nach der Sprengung. Matthias Tonn, Projektleiter der Abbruchfirma Freimuth, sprach von einem perfekten Ablauf. Besonders erfreulich sei, dass der Trümmerhaufen deutlich kleiner ausgefallen sei als zunächst berechnet.Statt der erwarteten Höhe von rund 40 Metern erreichte er nach ersten Einschätzungen lediglich etwa 25 Meter. Die Länge lag bei ungefähr 65 Metern.
Auch Richard Lankes von der Sprengfirma Reich Sprengtechnik zog eine positive Bilanz. Die Sprengung habe genau wie geplant funktioniert. Sein Urteil zum Ergebnis fiel knapp und eindeutig aus: „Mustergültig.“
Feuerwehr sicherte das Gelände
Zwei deutlich hörbare Sprengphasen, ein spürbares Vibrieren des Bodens – dann war das gewaltige Bauwerk Geschichte. Foto: Rudolf Karliczek
Für die Sicherheit rund um die Sprengung sorgten Feuerwehr und Polizei. Die Gemeindefeuerwehr Hohenhameln war mit rund 50 Einsatzkräften vor Ort. Gemeinsam überwachten sie die Absperrungen und stellten sicher, dass sich niemand in den Gefahrenbereichen aufhielt. Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Kevin Richter verlief der Einsatz ohne besondere Zwischenfälle. „Alles gut verlaufen“, lautete seine Bilanz. Anschließend konnten die Absperrungen wieder aufgehoben werden.
Monatelange Vorbereitung
Zwei deutlich hörbare Sprengphasen, ein spürbares Vibrieren des Bodens – dann war das gewaltige Bauwerk Geschichte. Foto: Rudolf Karliczek
Hinter dem nur wenige Sekunden dauernden Einsturz steckte eine monatelange Vorbereitung. Dazu gehörten zahlreiche Bohrungen, Sägeschnitte und weitere Arbeiten an der Gebäudekonstruktion. In den letzten beiden Wochen vor der Sprengung waren allein 19 Mitarbeiter der Sprengfirma mit den abschließenden Ladearbeiten beschäftigt.
