Salzgitter. Die Buslinien der KVG, die neben der Stadt Salzgitter auch den Landkreis Wolfenbüttel bedienen, fahren jedes Jahr ein gehöriges Defizit ein. In den Jahren 2022 bis 2024 lag dieses jeweils zwischen 1 und 1,5 Millionen Euro. Ausgeglichen wurde dies stets ausschließlich durch die Stadt Salzgitter. Doch hier regt sich jetzt Widerstand, da der Kreis Wolfenbüttel offenbar jede Beteiligung verweigert. Es drohen Konsequenzen.
Angehäuft wird das Defizit durch die Linien 604 (Salzgitter-Lebenstedt – Wolfenbüttel Kornmarkt), 606 (Salzgitter-Lebenstedt – Baddeckenstedt), 607 (Salzgitter-Lebenstedt – Klein Flöthe beziehungsweise Wolfenbüttel-Kornmarkt – Klein Flöthe), 608 / 609 (Salzgitter-Lebenstedt – Baddeckenstedt) sowie die RegioBus-Linien 630 (Salzgitter-Lebenstedt – Wolfenbüttel Kornmarkt) und 710 (Wolfenbüttel Kornmarkt – Winnigstedt).
"Keine ernsthafte Bereitschaft"
"Trotz weiterer intensiver Gespräche Salzgitters mit dem Landkreis auf Verwaltungsebene, wie auch von Oberbürgermeister Frank Klingebiel mit der Landrätin Christiana Steinbrügge, ist keine ernsthafte Bereitschaft des Kreistages des Landkreises Wolfenbüttel zu erkennen, einer verursachungsgerechten Beteiligung am Defizit der im Landkreis Wolfenbüttel fahrenden Buslinien der KVG zuzustimmen", heißt es in einer Verwaltungsvorlage, die vergangene Woche in der Ratssitzung zur Kenntnis gegeben wurde. Zuletzt hatte der Kreistag Wolfenbüttel das Thema im September 2025 behandelt und eine Beteiligung abgelehnt.
In Salzgitter will man das nicht weiter hinnehmen. Auf Antrag von SPD und CDU hat die Verwaltung Szenarien entworfen, wie man auf das hohe Defizit reagieren will. Diese gehen allesamt zu Lasten der Fahrgäste. Schließlich geht es um "Szenarien zur Kürzung beziehungsweise zu Einstellungen von Verkehrsleistungen im Landkreis Wolfenbüttel".
Regiobuslinien im Fokus
Die Maßnahmen sollen dabei ausschließlich die beiden Regiobuslinien treffen. Die ebenfalls im Landkreis Wolfenbüttel verkehrenden Ortslinien würden überwiegend im Stadtgebiet Salzgitter fahren. Eine Kostenbeteiligung des Landkreises Wolfenbüttel erscheine der Verwaltung im Hinblick auf die territoriale Zurechnung zukünftig auch hier geboten. Einschränkungen des Leistungsangebotes würden hier aber überproportional Salzgitteraner Nutzergruppen treffen. Linienstreichungen wären hier nur schwer durch Alternativangebote zu ersetzen.
Bei der RegioBus-Linie 710 handele es sich dagegen um eine Linie, die zu 100 Prozent auf dem Gebiet des Landkreises Wolfenbüttel verkehre und im Jahr 2024 rund 700.000 Beförderungsfälle aufwies und ein Defizit von 215.522 Euro einfuhr. Vor diesem Hintergrund könnte das Verkehrsangebot auf dieser Linie in verschiedenen Ausmaßen reduziert werden. Da es sich um einen gemeinwirtschaftlichen Verkehr handele, könnte die Linie kurzfristig vollständig abbestellt werden. Auf Ebene der KVG würde sich die Leistungserbringung um zirka 440.000 Fahrplankilometer jährlich reduzieren. Die freiwerdenden Bus- und Personalkapazitäten könnten intern aufgefangen werden.
Eine vollständig abbestellte RegioBus-Linie würde anschließend vom Regionalverband im Rahmen einer Notausschreibung neu vergeben werden, was regionale Mitbewerber der KVG in die Lage versetzen würde, innerhalb des KVG-Kerngebietes Buslinien zu übernehmen. Hier entstehende Verluste wären allerdings nicht von der Stadt Salzgitter auszugleichen.
Alternativen zur Einstellung
Eine Alternative wäre, die im Jahr 2017 in der Hauptverkehrszeit eingeführten Verstärkerfahrten zwischen Wolfenbüttel und Remlingen sowie gering nachgefragte Fahrten in den Tagesrandlagen abzubestellen. Dies führe zu einer Reduzierung um zirka 73.000 Fahrplankilometer jährlich. Auch denkbar wäre, dass der Linienabschnitt Remlingen – Winnigstedt außerhalb der Hauptverkehrszeiten ersatzlos entfällt. Dies führe zu einer Reduzierung um zirka 140.000 Fahrplankilometer jährlich. Beide letztgenannten Alternativen wären laut Stadt Salzgitter bei zeitnaher Beschlussfassung zum Schuljahresbeginn 2026/27 umsetzbar. Zudem hätte dies den Vorteil, dass die KVG die Konzession für diese Linie weiter behalten könnte.
Neben Kürzungen auf der Linie 710 wären Einschränkungen auf der Linie 630 möglich und zum Schuljahreswechsel umsetzbar. Die Linie verkehre zu 43 Prozent auf dem Gebiet des Landkreises Wolfenbüttel und weise im Jahr 2024 rund 210.000 Beförderungsfälle bei einem Defizit von 339.682 Euro aus. Kürzungen würden hier allerdings auch Salzgitteraner Nutzergruppen treffen. Vor diesem Hintergrund wurden mit der KVG Lösungen gesucht, bei denen die Fahrgäste zeitnah Alternativangebote nutzen können.
Verstärkerfahrten abbestellen
In diesem Fall werden die direkt geführten Verstärkerfahrten (sogenannte „Eilwagen“) zwischen Salzgitter-Lebenstedt und Wolfenbüttel sowie gering nachgefragte Fahrten in den Tagesrandlagen abbestellt. Dies führe zu einer Reduzierung um etwa 74.000 Fahrplankilometer jährlich.
Ob und welche Maßnahmen ergriffen werden, ist noch unklar. Der Ball liegt jetzt wieder auf Seiten der Politik.

