Salzgitter. Das sogenannte Flexo-Angebot, das es in der gesamten Region rund um Braunschweig gibt, soll Fahrgästen überall da helfen, wo die Anschlüsse an Buslinien sonst nicht ausreichend vorhanden sind. Nun läuft das Angebot zumindest in Salzgitter Ende 2026 aus. Zwei Schülerinnen aus Salzgitter-Thiede engagieren sich derzeit aber für den Erhalt des Angebots.
Für ihre Fahrt aus Thiede zum Gymnasium am Fredenberg benötigt Ece Hickorkmaz es zwar nicht, für die angestrebte Ausbildung nach dem Fachabi hatte sie aber schon damit gerechnet, das flexibel buchbare Bus-Angebot der KVG nutzen zu können, berichtet sie im Gespräch mit regionalHeute.de. Die 19-Jährige hat zusammen mit ihrem Bruder und einer Mitschülerin direkt versucht, etwas auf die Beine zu stellen, um das Angebot zu retten.
Schülerinnen sammeln Unterschriften
So sammelt die kleine Gruppe Engagierter seit der vergangenen Woche Unterschriften für den Erhalt von Flexo. Erst ganz traditionell mit Papier und Stift – doch schon sehr schnell war klar, dass das nicht reicht. Mitstreiterin Esila Isbilir hat inzwischen eine Online-Petition gestartet, die hier zu finden ist: www.change.org/p/flexo-in-salzgitter-erhalten-brauchen-2700-unterschriften. Am heutigen Sonntag hatten die Initiatoren immerhin schon 460 Unterstützer auf dieser Plattform beisammen.
In der Petition schreiben die engagierten Schülerinnen: "Ohne Flexo verlieren viele von uns die Möglichkeit, rechtzeitig zur Arbeit zu kommen, können wichtige Bildungschancen nicht wahrnehmen oder haben schlichtweg keine Möglichkeit, Freunde, Familie oder Arzttermine zu erreichen." Außer in Thiede fährt der Flexo auch in Salzgitter-Bad und in Baddeckenstedt (Landkreis Wolfenbüttel) und in vielen weiteren Landkreisen der Region.
Doch damit nicht genug. Die Schülerinnen haben zudem Kontakt zum KVG-Betriebsrat aufgenommen. Außerdem haben sie Flyer erstellt, mit denen sie auf das drohende Flexo-Aus aufmerksam machen wollen. "Wir haben auch Kontakt zum Ortsbürgermeister aufgenommen und bereits mit ihm darüber gesprochen", sagt Ece Hickorkmaz im Gespräch mit regionalHeute.de. Das Gespräch mit Christian Striese, Ortsbürgermeister des Stadtteils Nordost, habe weitere Wege aufgezeigt. Die engagierten Schülerinnen aus Thiede werden am Ball bleiben.
Kommunen müssen flexo selbst finanzieren
Klar ist: Die Salzgitteraner Politik und Verwaltung sind am Zug, um Flexo zu verlängern. Diese Angebote wurden mit Fördergeldern aufgebaut und werden bis Ende 2026 zur Hälfte vom Regionalverband Braunschweig finanziert, die andere Hälfte trägt die jeweilige Kommune. "Nachdem der Regionalverband das flexo-System mithilfe von Fördergeldern als Pilotprojekt aufgebaut und in den ÖPNV der Region integriert hat, geht flexo als Bestandteil des lokalen Busverkehrs in den normalen Betrieb über", erklärt Gisela Noske, Pressesprecherin des Regionalverbands, auf Anfrage von regionalHeute.de.

Mit Flyern wollen Ece Hickorkmaz (li.) und Esila Isbilir auf ihre Petition aufmerksam machen. Foto: Rudolf Karliczek
Die finanzielle Beteiligung des Großraumverbands laufe noch bis Ende des Jahres. "Danach müssen die Kommunen das flexible Angebot des ÖPNV als Teil der lokalen Verkehrsleistungen selbst finanzieren", so Noske.
Ein Beispiel, bei dem das geklappt hat, gibt es aus dem Landkreis Gifhorn. Die flexo-Gebiete dort seien bereits Teil von langfristigen Verkehrsverträgen bis 2033. Gleiches gilt für flexo in Baddeckenstedt bis 2031. Alle anderen Flexo-Gebiete sind aktuell vertraglich bis Jahresende befristet. "Eine Entscheidung zur Weiterfinanzierung 2027 obliegt den politischen Entscheidungsträgern der Kommunen, die dafür in diesem Jahr ihre Beschlüsse fassen müssen", unterstreicht Noske die Rolle der Kommunalpolitik.

