Tolerierter Drogenhandel in Unterkunft? Stadt und Polizei widersprechen

Ein Suchtberater und Ortsratsmitglied lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Gemeinschaftsunterkunft im Stadtgebiet.

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Symbolfoto.
Symbolfoto. | Foto: sz-pa/RK

Salzgitter. Mit einem viel beachteten Beitrag in den sozialen Medien kritisierte der Salzgitteraner Gianluca Calabrese einen quasi tolerierten Drogenhandel in einer Gemeinschaftsunterkunft im Stadtgebiet. Beschwerden darüber würden verpuffen, schreibt das Mitglied des Ortsrates Nord, das sich mit seinem Verein SuperSalzgitter unter anderem für Suchtprävention einsetzt.



Im Gespräch mit regionalHeute.de betont Calabrese: "Es ist ein offenes Geheimnis". Damit meint er den Drogenhandel, der in einer Gemeinschaftsunterkunft trotz einer 24-Stunden-Bewachung stattfinde. Ob es sich konkret um die Flüchtlingsunterkunft in der Nord-Süd-Straße handelt, wollte Calabrese aber nicht bestätigen.

Hotspot seit den 90er-Jahren


"Während die Stadt Salzgitter nach außen hin betont, die Drogenproblematik durch bewährte Fachdienste und etablierte Suchtberatungsstellen voll im Griff zu haben, zeigt die Realität vor Ort ein völlig anderes Bild." Manche Orte seien schon seit den 90er-Jahren als "Hotspot" zu bezeichnen, sagt Calabrese, der nach eigenen Angaben seit mehr als zehn Jahren mit seinem Verein Menschen hilft, die von Sucht betroffen sind.

Stadt und Polizei Salzgitter weisen Vorwürfe ab


Die Vorwürfe weisen sowohl die Stadt als auch die Polizei Salzgitter ab. Auf die Frage von regionalHeute.de, ob der Stadtverwaltung dieser Sachverhalt – konkret bei der Flüchtlingsunterkunft in der Nord-Süd-Straße – bekannt sei, heißt es aus dem Rathaus: "Nein, das ist der Stadt Salzgitter nicht bekannt."

Außerdem teilt die Stadt mit, dass solche Vorfälle – also ein quasi öffentlicher Drogenhandel – weder den städtischen Mitarbeitern vor Ort noch dem zu Randzeiten oder außerhalb der regulären Dienstzeit dort eingesetzten Sicherheitsdienst gemeldet worden seien. Dieser sei am Eingang präsent und streife zudem in der Nacht und an Wochenenden das Gelände.

"Ein „Drogenhandel“ auf dem Gelände ist nicht bekannt", teilt ein Sprecher der Stadt mit. Daher plane die Stadt auch keine weiteren Maßnahmen. Die Polizei bekräftigt die Aussagen der Stadt. Die genannten Sachverhalte könne die Polizei nicht bestätigen, sagt ein Sprecher gegenüber regionalHeute.de.

Calabrese bewertet die Lage dennoch anders und fordert die Stadtverwaltung auf, "diesen Missstand als dringenden Auftrag zu begreifen, die Verzahnung zwischen Sicherheitsdienst, Ordnungsamt und den sozialen Fachdiensten endlich funktionsfähig zu gestalten."

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