Salzgitter. Ein Bach, den kaum noch jemand kennt, wird wieder sichtbar – auf besondere Weise. In Lichtenberg erinnern künftig fünf bunt gestaltete Schachtdeckel an die „Klare Perle“. Der einst offen durch den Ort fließende Bach wurde vor Jahrzehnten im Zuge der Bebauung verrohrt und verschwand so aus dem Ortsbild. Unterirdisch fließt er jedoch bis heute weiter. An einigen Stellen kann man sein Rauschen sogar noch hören.
Die Idee zu der Aktion mit dem passenden Titel „Die verborgene Perle“ stammt von Wasserbauingenieur Matthias Fritz. Er wollte verhindern, dass dieses Stück Lichtenberger Ortsgeschichte endgültig in Vergessenheit gerät. „Da das schon so lange her ist, weiß keiner mehr, dass hier eigentlich durch das Dorf ein Bach gelaufen ist“, erklärt der Initiator. Gemeinsam mit der Grundschule Lichtenberg setzte er seine Idee in die Tat um. Eine wichtige Rolle spielte dabei Lehrerin Sybil Mitrenga, die ihre Schülerinnen und Schüler engagiert auf das Projekt vorbereitete. Im Sachunterricht erfuhren die Kinder Wissenswertes über die Geschichte der Klaren Perle und die Bedeutung heimischer Gewässer. Anschließend entwickelten sie im Kunstunterricht eigene Motive für die Gestaltung der Schachtdeckel.
Aus den zahlreichen Zeichnungen wurden fünf Entwürfe ausgewählt. Die ASG stellte dafür alte Schachtdeckel zur Verfügung, die zunächst entrostet und grundiert wurden. Anschließend übertrugen Matthias Fritz und sein Mitstreiter Christian Heuer die farbenfrohen Kindermotive in vielen Abendstunden möglichst originalgetreu auf die Deckel. Eine schützende Lackierung und eingestreuter Quarzsand sollen für Langlebigkeit und Rutschfestigkeit sorgen. Der Heimatkreis Lichtenberg finanzierte die Farben, während die Untere Wasserbehörde die Aktion fachlich begleitete.
Große Freude bei den kleinen Künstlern
Am Freitag war es schließlich so weit: Direkt vor der Grundschule wurde der erste gestaltete Schachtdeckel von der ASG eingesetzt. Für die Kinder war das ein besonderer Moment. Besonders stolz war Hedda aus der Klasse 4b, deren Entwurf eine Straße mit einem Bach zeigt. „Ich wollte damit bewirken, dass das ein ganz besonderer Gully sein soll, wo die Klare Perle durchfließt“, erzählt sie. Dass ihr Motiv nun direkt neben ihrer Schule zu sehen ist, begeistert die Schülerin: „Also ich finde, das ist was mega Besonderes.“ Im Anschluss erkundeten die Kinder gemeinsam mit Matthias Fritz den früheren Bachverlauf und erfuhren mehr über die Herkunft und Bedeutung des Wassers.
Geschichte sichtbar gemacht
Insgesamt fünf kunstvoll gestaltete Schachtdeckel sollen künftig an markanten Stellen den unterirdischen Verlauf der Klaren Perle sichtbar machen. Für Matthias Fritz ist das Projekt weit mehr als eine Verschönerungsaktion. Es soll das Bewusstsein für die Geschichte des Ortes und den Wert unserer Gewässer stärken. Vielleicht findet die Idee sogar in anderen Orten Nachahmer. So bleibt die Klare Perle zwar unter der Erde verborgen, kehrt durch die bunten Kunstwerke der Grundschüler aber wieder ins Bewusstsein der Menschen zurück. Und wer an den richtigen Stellen genau hinhört, kann sie sogar noch rauschen hören – die verborgene Perle von Lichtenberg.


