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Schlappe für IGS in Schöppenstedt: So reagiert der Kreistag

von Jan Borner


Für viele Kreistagsmitglieder bedeutet das Ergebnis der Elternbefragung das Aus für die Realisierung einer IGS in Elm-Asse. Symbolfoto: Jan Borner
Für viele Kreistagsmitglieder bedeutet das Ergebnis der Elternbefragung das Aus für die Realisierung einer IGS in Elm-Asse. Symbolfoto: Jan Borner Foto: Jan Borner

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16.03.2016


Wolfenbüttel. Die Elternbefragung zur Bedarfsermittlung für eine Integrierte Gesamtschule in Schöppenstedt/Remlingen hat ergeben, dass die für eine IGS erforderliche Mindestschülerzahl den Prognosen nach nicht erreicht werden kann (regionalHeute.de berichtete). Für viele Kreistagsmitglieder bedeutet dies das Aus für die Realisierung einer IGS in Elm-Asse. Holger Barkhau von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen möchte die Idee einer Integrierten Gesamtschule in Schöppenstedt allerdings noch nicht fallen lassen. Die CDU-Fraktion will hingegen die Planungen zur Einrichtung von Oberschulen vorantreiben.

Wie Gudrun Wollschläger von der Kreisverwaltung in der jüngsten Kreistagssitzung berichtete, seien insgesamt 690 Fragebögen ausgegeben worden, von denen 432 zurückgingen. Das entspreche einer vergleichsweisen hohen Rücklaufquote von 62,61 Prozent, erklärte sie. Von allen befragten Eltern hatten sich 46,38 Prozent, also 320, für eine IGS in Schöppenstedt/Remlingen ausgesprochen. Nach den darauf aufbauenden Schülerzahl-Prognosen, bei denen neben den Geburtenzahlen auch die Zuzüge in Neubaugebiete und die Ankunft weiterer Flüchtlinge berücksichtigt worden seien, könne die Mindestschülerzahl für eine IGS nicht erreicht werden, so Gudrun Wollschläger. Selbst für eine bloß dreizügige IGS, die in Ausnahmefällen genehmigungsfähig ist, gebe es laut den Prognosen nicht genügend Schüler.

"Ich hätte mir etwas anderes gewünscht", sagte Landrätin Christiana Steinbrügge in Bezug auf das Ergebnis der Befragung, "aber jetzt müssen wir mit diesem Ergebnis leben". "Aus meiner Sicht ist es das Aus für eine IGS in Schöppenstedt", erklärte sie weiter. Auch für eine dreizügige IGS gebe es nicht genügend Schüler und aus pädagogischer Sicht, sei diese ohnehin nicht sinnvoll, so die Landrätin.

CDU setzt sich für Oberschulen ein



Uwe Lagosky, Vorsitzender der Kreistagsgruppe CDU/FDP. Foto: Marc Angerstein



Auch Marcus Bosse von der SPD sagte, dass er das Ergebnis bedauere. Die IGS wäre eine Möglichkeit gewesen, den Schulstandort in Elm-Asse zu erhalten, so der SPD-Kreistagsabgeordnete. Jetzt müsse überlegt werden, wie mit den Schulstandorten umgegangen wird. "Der Kreistag wird alles tun, was möglich ist, um die Schulstandorte zu erhalten", betonte er und fügte dann hinzu: "Mit der Einrichtung einer Oberschule sehe ich nicht wie beide Standorte erhalten werden sollen." Die CDU-Fraktion möchte mit einem Antrag an die Kreisverwaltung nämlich die Planungen zur Errichtung von Oberschulen in Schöppenstedt, Remlingen und Sickte vorantreiben. CDU-Kreistagsmitglied Uwe Lagosky betonte, dass eine Oberschule eine flexible Option sei, die geprüft werden sollte, weil Oberschulen auch niedrigere Mindestschülerzahlen aufweisen dürfen. Klaus Hantelmann (CDU) betonte zudem, dass Oberschulen große gestalterische Freiheiten hätten und deshalb auch gut mit schwankenden Schülerzahlen zurechtkommen könnten.

SPD will Elternbefragung für IGS in Sickte



Falk Hensel, Vorsitzender SPD-Kreistagsfraktion. Foto: Privat



Sowohl Uwe Lagosky, als auch Björn Försterling von der FDP appellierten an den Kreistag, nun zunächst ein sinnvolles Gesamtkonzept für die Schulentwicklung im Landkreis aufzustellen, und die Eltern erst nach Fertigstellung eines solchen Gesamtkonzeptes zu befragen. Befragungen zu einzelnen Schulstandorten würden die Schulentwicklung nicht weiterbringen, so Uwe Lagosky. Landrätin Christiana Steinbrügge sah das allerdings anders. Sie betonte, dass durch die erfolgte Befragung durchaus an Erkenntnis gewonnen sei. "Wir wissen jetzt, was geht und was nicht geht", erklärte sie, "wir müssen jetzt überlegen, wie wir den Schulstandort Elm-Asse weiterentwickeln und welche Optionen sich jetzt ergeben." Auch Falk Hensel, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, betonte, dass die durchgeführte Befragung einen Erkenntnisgewinn gebracht habe. "Wir müssen Einzelergebnisse bekommen, die wichtige Ergebnisse liefern", sagte er. Die SPD-Fraktion möchte deshlab nun auch eine Befragung für eine IGS in Sickte beantragen. Falk Hensel erklärte, dass die SPD-Fraktion überzeugt sei, dass der Landkreis Wolfenbüttel drei Integrierte Gesamtschulen vertrage und nun das Ziel sei herauszufinden, welcher der beste Ort sei, um diese dritte IGS zu errichten.

"Die Zahlen sollten nochmal kritisch geprüft werden"





Holger Barkhau von Bündnis 90/Die Grünen. Foto: Grüne



Holger Barkhau von Bündnis 90/Die Grünen, möchte die Idee einer IGS in Schöppenstedt allerdings noch nicht fallen lassen. "Das gesteckte Ziel für eine IGS in Elm-Asse konnte leider nicht erreicht werden", sagte er, dennoch gebe es eine hohe Beteiligung und eine hohe Zustimmungsquote für die IGS vor allem bei kürzeren Entfernungen zum Schulstandort. "Das bestätigt die Vermutung: Eltern wünschen sich kurze Schulwege. Wir müssen deshalb alles daran setzen, die Schulstandorte zu erhalten, insbesondere auch in Elm-Asse", so Holger Barkhau. Die hohe Zustimmungsrate würde zeigen, dass es einen sehr starken Wunsch für eine IGS in der Gemeinde gebe und zwar deutlich mehr als für jede andere Schulform. Wie Gudrun Wollschläger zuvor erklärt hatte, durften die bei der Elternbefragung nicht abgegebenen Stimmen nicht für die Schülerzahlprognosen berücksichtigt werden – auch nicht mit einer fiktiven Prognose, die davon ausgeht, dass zumindest ein Teil der Eltern, die keine Stimme abgegeben haben, ihre Kinder auf eine IGS in Schöppenstedt schicken würden. Holger Barkhau betonte deshalb, dass der tatsächliche Besuch einer IGS höher wäre, als das, was das Ergebnis der Elternbefragung in Aussicht stelle. "Die Zahlen sollten nochmal kritisch geprüft werden", so Holger Barkhau, der auch sagte, dass überlegt werden solle, die Befragung im kommenden Jahr noch einmal zu wiederholen. Auch Dieter Wiechenberg von der Kreistagsfraktion DIE LINKE sagte, dass er noch die Möglichkeit einer dreizügigen IGS in Schöppenstedt sehe.

Auf Holger Barkhaus Appell die Zahlen noch einmal kritisch zu prüfen, antwortete Landrätin Christiana Steinbrügge, dass sich die Kreisverwaltung ausgiebig mit den Zahlen beschäftigt habe und dass die damit erstellten Prognosen bereits sehr optimistisch seien. So sei die Kreisverwaltung für die Prognose beispielsweise davon ausgegangen, dass die Flüchtlingszuzüge in den nächsten zehn Jahren so bleiben würden, wie in den letzten Monaten. Für die Schülerzahlen sei dies also schon eine sehr positive Berechnung gewesen, so die Landrätin.

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