Region. Die verheerenden Waldbrände im Süden und Westen Europas bestimmen derzeit die Schlagzeilen. In Spanien, Frankreich und auch Griechenland haben Feuer schwere Schäden verursacht und sogar für zahlreiche Evakuierungen gesorgt. Auch in unserer Region gibt es immer wieder Waldbrände, doch Löschflugzeuge gibt es in Niedersachsen nicht mehr. regionalHeute.de hat beim zuständigen Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung nachgefragt, wie gut man sich angesichts der großen Brände im Süden Europas aufgestellt sieht, falls auch hier wieder ein Brand ausbricht.
Wer derzeit in der freien Natur unterwegs ist, sieht vielerorts vertrocknetes Gras und rissige Böden. Der mangelnde Regen sorgt auch in der Region für eine latente Wald- und Flächenbrandgefahr. Erst im vergangenen Jahr forderte ein großflächiger Brand am Königsberg und Steinberg oberhalb der Granetalsperre bei Goslar tagelang die Einsatzkräfte. Der Brand war am 22. Juni 2025 ausgebrochen und erstreckte sich auf einer Fläche von etwa sieben bis acht Hektar, was bis zu 12 Fußballfeldern entspricht. Problematisch war dabei nicht nur die Größe, sondern auch das extrem steile schwer zugängliche Gelände sowie starke Winde. regionalHeute.de berichtete.
Löschflugzeuge im Einsatz
Zur Brandbekämpfung kam damals auch das Löschflugzeug "Hexe 1" zum Einsatz. Das musste allerdings eigens aus dem Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt ausgeliehen werden, denn das Land Niedersachsen hat keine eigenen Löschflugzeuge mehr. Zwar wurden in den Jahren 2023 und 2024 zwei eigene Flugzeuge zur Brandbekämpfung vorgehalten, doch dabei hatte es sich lediglich um ein befristetes Projekt gehandelt, das durch die EU, den Bund und das Land Niedersachsen gemeinsam finanziert worden war. Seither liegt der Fokus auf der bodengebundenen Waldbrandbekämpfung.
Hubschrauber effektiver
Wie das Niedersächsische Innenministerium auf die Anfrage unserer Redaktion schreibt, liege das vor allem daran, dass sich Löschflugzeuge als wenig effizient erwiesen hätten beziehungsweise, dass die Brandbekämpfung aus der Luft durch Hubschrauber in Deutschland wirkungsvoller sei. Das Land Niedersachsen habe daher seine Partnerschaft mit Drittanbietern für gesicherte Hubschrauberkapazitäten um weitere vier Jahre verlängert. Desweiteren würden enge Kooperationen mit Landespolizei, Bundespolizei und Bundeswehr für die luftgebundene Einsatzunterstützung bestehen.
Land sieht sich gut aufgestellt
Für die bodengebundene Brandbekämpfung seien die niedersächsischen Feuerwehren mit der Anpassung an die örtlichen Verhältnisse gut aufgestellt. Derzeit würden die bisher durch die Landkreise aufgestellten Kreisfeuerwehrbereitschaften zu Feuerwehrbereitschaften Niedersachsen weiterentwickelt. Diese Einheiten seien innerhalb des Landkreises, des Landes Niedersachsen oder auch für den nationalen Einsatz für die Unterstützung bei Großschadenslagen und Katastrophen vorgesehen. Sie bringen laut Innenministerium Fähigkeiten zum Beispiel zur Brandbekämpfung, Löschwasserförderung, technischen Hilfeleistung oder Waldbrandbekämpfung mit.
Das Land unterstütze die Ausstattung der Feuerwehrbereitschaften mit zentralen Ausschreibungen und Beschaffungen. So seien in einer ersten Ausschreibung insgesamt 60 Löschfahrzeuge vom Typ LF-KatS durch das Land und die Kommunen beschafft worden. Eine weitere Ausschreibung für LF-KatS starte in Kürze.
Unterstützung der Feuerwehren
Um die schnelle und professionelle Unterstützung der kommunalen Feuerwehren zu gewährleisten, seien vom Land verschiedene Einheiten und Fachmodule aufgestellt worden. Dies sind demnach zum einen vier Einheiten zur Vegetationsbrandbekämpfung (GFFF-V‑Einheiten), die innerhalb des Landes und auf Anforderung auch national eingesetzt werden können. Die GFFF-V-Einheiten werden von jeweils zwei Landkreise gemeinsam aufgestellt und betrieben – in der Region beispielsweise Göttingen und Goslar sowie Uelzen und Gifhorn. Zudem sind vier sogenannte Fachmodule Vegetationsbrandbekämpfung in Niedersachsen stationiert, so zum Beispiel in Salzgitter. Für die Wasserförderung großer Wassermengen über längere Strecken seien vier Fachmodule Hochleistungsförderpumpensystem (HFS) in Niedersachsen dezentral stationiert – unter anderem in Gifhorn.
Sollte es aufgrund unvorhergesehener Umstände dennoch nötig sein, weitere Kapazitäten, insbesondere Löschflugzeuge, an eine Einsatzstelle zu verlegen, würden auch dem Land Niedersachsen die Wege des europäischen Katastrophenschutzmechanismus offenstehen. Grundsätzlich bleibe festzuhalten, dass es keines gesonderten Notfallplanes bedürfe. Die Vorkehrungen seien auf der jeweiligen Ebene und der aktuellen Situation angepasst und würden kontinuierlich weiter vorangetrieben.


