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Viel Blaulicht - viel Tatütata: "Um 10:30 Uhr wurde Katastrophenalarm ausgelöst"



Viel Blaulicht - viel Tatütata: "Um 10:30 Uhr wurde Katastrophenalarm ausgelöst"

von Marc Angerstein


Foto: Ado




[image=5e1764b9785549ede64ccb95]Eine Reithalle im Reitlingstal steht in Flammen und zeitgleich brennt in Heiningen das Klostergut. Ein Kleinflugzeug ist im Raum Baddeckenstedt von den Radarschirmen verschwunden und wird von der Polizei gesucht. Ein Schulbus ist mit einem landwirtschaftlichen Zugfahrzeug kollidiert, in Börßum gibt es Verschüttete  und seit 12 Uhr heute Mittag wird Wasser aus der Okertalsperre abgelassen, um sie zu entlasten. Die Folge: [image=5e1764b9785549ede64ccb9d]Hochwassergefahr für zahlreiche Orte im Landkreisgebiet und auch für die Innenstadt von Wolfenbüttel. "Der Keller des neuen Ärztehauses am Schloß ist schon vollgelaufen." Keine guten Nachrichten, die Kornelia Vogt, die Pressesprecherin des Landkreises, erster Kreisrat Martin Hortig und Helmut Studier (auf dem Foto oben von links nach rechts) heute bei einer ersten eilig angesetzten Pressekonferenz um 11:15 Uhr  beim Lagezentrum in der Feuerwehtechnischen Zentrale in Schladen verkündeten...[image=5e1764b9785549ede64ccb96]

Aufatmen - alles nur eine Übung. Die erste groß angelegte Katastrophenschutzübung im Landkreis Wolfenbüttel seit gut 15 Jahren (WolfenbüttelHeute.de berichtete). "Die Herzog-August-Bibliothek wird gleich um Hilfe rufen, da sie ihre Kulturgüter den Wassermassen ausgesetzt sieht", ist schon zu erfahren - für die freiwillig im Lagezentrum Handelnden ein weiterer Streßfaktor.



[image=5e1764b9785549ede64ccb97]Dirk Stober (Foto) wirft eine weitere fiktive Eilmeldung in den Raum, die ihm soeben auf einen Bildschirm eingespielt wird: "Es wird gerade gemeldet, dass Familienangehörige eines eingesetzten Feuerwehrmanns bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind." Zunächst ratlose und betroffene Blicke, dann entschlossenes Handeln. So kann der Betrachter Lageentwicklung für Lageentwicklung beobachten. Hochkonzentriert wird an Lösungen und Einsatzplänen gearbeitet. Ein Bild, dass Journalisten in der Realität so nicht miterleben dürften. Das Lagezentrum ist sonst nicht öffentlich. Gesicherte Informationen gibt es bei der Pressekonferenz. [image=5e1764b9785549ede64ccb98]


Martin Hortig lobt um 12.11 Uhr in einer kurzen Zwischenbilanz die Professionalität, die Ruhe und Besonnenheit, die eine leistungsstarke Führungszelle auszeichnet. Motivation pur. Landrat Jörg Röhmann, der das gesamte Übungsszenario beobachtend begleitet, lobt direkt im Anschluss Hortig auch für die gut gelaufene Pressekonferenz. Doch die Übung läuft operativ noch bis 15 Uhr, wer weiss, was bis dahin noch alles passieren kann? Bis 17 Uhr hat dann der Stab eine kurze interne Übungsauswertung vorgenommen, [image=5e1764b9785549ede64ccb9a]über die dann in den nächsten Tagen zu sprechen sein wird: "Was können wir noch besser machen?"

Bürgermeister Thomas Pink war auch zugegen und lobte die Übung. "Früher haben wir das häufiger gemacht, da sollten wir wieder hinkommen", sagte er und überlegte laut auch mal eine rein innerstädtische Übung durchzuführen.


In der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Schladen sitzen 20 Leute in einem abgedunkelten Raum und spielen die Lage ein, sie simmulieren besorgte Bürgertelefonanrufe und melden dem Lagezentrum [image=5e1764b9785549ede64ccb9b]kontinuierlich neue Schreckensmeldungen.

Am anderen Ende des Gebäudes ist das Lagezentrum mit großer Lagekarte an der Wand. Hier werden alle Einsätze von Feuerwehren, THW, DRK und DLRG koordiniert. Hier wird auf die Einspielungen reagiert. "Das geht nur mit Ruhe, sonst macht man Fehler", sagt ein Uniformierter. Diese Übung ist auch die "Feuertaufe" für die gesamte Software. Seit gut 18 Monaten wird hier im 14-tägigen Rhytmus geübt. Aber nicht in diesem Umfang, natürlich. Real stehen zwei Schichten für den Katastrophenstab zur Verfügung, insgesamt 30 bis 50 Leute, die alle freiwillig und ehrenamtlich agieren - um Menschen in Not zu helfen.

[image=5e1764b9785549ede64ccb9c]Außerhalb des Lagezentrums üben die Einsatzkräfte. Auf unserem Bild "löscht" die Feuerwehr in Heiningen das brennende Klostergut. Wasser steht auf der Straße. Verkehrsflüsse sind zu leiten. Die Übung wirkt wie die Realität. Solche Einsätze sind heute den ganzen Tag verteilt im Landkreisgebiet zu erleben. Viel Blaulicht. Viel Tatütata. 450 Einsatzkräfte sind heute im Einsatz und nehmen an der Übung teil. Die Übungsszenarien konzentrieren sich auf das Stadtgebiet von Wolfenbüttel und die Samtgemeinden Oderwald und Sickte.

Ziel des heutigen Tages mit den komplexen Übungsinhalten ist, den Ausbildungsstand der Einsatzkräfte zu [image=5e1764b9785549ede64ccb9e]überprüfen und die Wirksamkeit der Notfall- und Alarmpläne des Katastrophenschutzstabes zu erproben. Nach einer Übungsauswertung werden dann Optimierungspotentiale geprüft und auch die Öffentlichkeit informiert.

Fotos: WolfenbüttelHeute.de/ Marc Angerstein (8) und LK WF (1)






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