Wolfenbüttel. Sportvereine sind seit jeher auch ein Ort der gelebten Demokratie in Deutschland. Dort arbeiten unzählige Menschen ehrenamtlich und engagieren sich zum Wohle vieler. In der Stadt oder auf dem Dorf. Dabei bringen die Vereine viele unterschiedliche Menschen zusammen – in der Turnhalle oder auf dem Rasen. Ein Beispiel dafür, wie ein Sportverein auch auf dem Dorf Erfolgsgeschichten schreiben kann, ist der SV Wendessen.
Der Verein feiert im kommenden Jahr sein 80-jähriges Bestehen. In dieser langen Geschichte steht der Klub vom Wolfenbütteler Stadtrand vor allem in den vergangenen Jahren sportlich besonders gut da. Das sportliche Aushängeschild des SVW sind die Fußballerinnen, die seit 2022 in der Oberliga spielen – der höchsten Spielklasse Niedersachsens. Auch die Männer blicken auf eine erfolgreiche jüngste Vergangenheit. 2024 gelang dem Team erstmals in der Vereinsgeschichte der Aufstieg in die Bezirksliga.
Das ganze Dorf unterstützt den SV Wendessen
Auffällig bei den Wendessern ist auch der Support: Bei Heimspielen in der Weinrich-Arena an der Leipziger Allee ist immer was los – ganz egal, ob die Frauen oder Männer spielen, ob erste oder zweite Mannschaft. Das Dorf ist da und unterstützt die Mannschaft. Nicht zu übersehen ist der Wendesser Anhang auch jedes Jahr Anfang Januar bei der inoffiziellen Stadtmeisterschaft im Hallenfußball in der Halle an der Ravensberger Straße.

Ohne ihr Engagement geht nichts: Marcel Döring (li.) und Hendrik Weber sind im Vorstand des SV Wendessen. Foto: Bastian Lüpke
Wie ist es gelungen, diesen sportlichen Erfolg zu erzielen und über Jahre hinweg ein so aktives Vereinsleben zu haben? Wie so oft in Sportvereinen sind es Menschen, die sich teils über Jahrzehnte hinweg engagieren. Ein Beispiel ist Marcel Döring. Er ist nicht nur zweiter Vorsitzender des Vereins, sondern auch Platzwart und zudem Cheftrainer der ersten Damenmannschaft. Kaum einer personifiziert den Verein so sehr wie Döring: "Meine Eltern haben mich mit der Geburt im Verein angemeldet", berichtet Döring, der also bereits sein ganzes Leben Mitglied im SV Wendessen ist – seit 32 Jahren.
Mehr als die Hälfte seines Lebens trainiert der Vollblut-Fußballer die Damenmannschaft. Als 15-Jähriger hatte er als Co-Trainer angefangen, ein Jahr später wurde er Chefcoach. In der Zeit ging es steil bergauf: aus der Kreisklasse in die Oberliga. Das neueste Aushängeschild der Wendesser Arbeit in Sachen weiblicher Fußball: die erst vor kurzem neu gegründete C-Juniorinnen-Mannschaft. "Das Angebot wurde sehr gut angenommen. Wir haben 17 Spielerinnen. Es kommen immer mehr dazu", freut sich Döring. Die Eltern seien begeistert: Der SVW bietet eine hohe Trainingsqualität – einige Sponsoren engagieren sich ebenfalls bereits und haben alle Mädchen unter anderem mit einheitlicher Trainingskleidung ausgestattet.
"Es macht Spaß, sich für diesen Verein zu engagieren. Erst recht, wenn jetzt der Platz wieder oft voller Kinder ist", sagt Döring und deutet auf das Training der ebenfalls neu gegründeten G-Junioren-Mannschaft. Die jüngsten Fußballer erobern also auch wieder den Rasen beim SVW.
Auch bei den Herren ging es zuletzt aufwärts. Die Ambitionen wurden deutlich, als Pascal Gos, ein ehemaliger Regionalliga-Fußballer, der auch schon bei Eintracht Braunschweig im Kader stand, für das Kreisliga-Team als Spielertrainer verpflichtet wurde. Gos führte die Mannschaft nach zwei Jahren zum Kreispokalsieg und zum Aufstieg in die Bezirksliga, wo sich der SVW inzwischen etabliert hat. "Viele Spieler waren ihr ganzes Leben lang in der Kreisliga und sind jetzt zum ersten Mal aufgestiegen", hatte Gos damals zusammengefasst, was diese Mannschaft im Kern ausmachte. Inzwischen steht das Team im zweiten Jahr auf Bezirksebene gut da und hat sich damit über den Raum Wolfenbüttel hinaus einen Namen gemacht.
Fan wird Vorsitzender
Jede Menge Fans ziehen nicht nur die Herren, sondern auch die Damen zu ihren Heimspielen an, außerdem unterstützen sich die Teams gegenseitig. So haben auch die zweiten Mannschaften stets ordentlich Publikum. Als Fußbalfan war auch Hendrik Weber hineingerutscht. "Dann hat sich das ergeben, dass es eine Vakanz im Vorstand gab", erinnert sich Weber, der so zu seinem Amt gekommen war. Jetzt wurde er erst kürzlich für eine weitere Wahlperiode als Vorsitzender des Vereins bestätigt. "Es lohnt sich, sich für diesen Verein zu engagieren. Die Atmosphäre und der Zusammenhalt sind einmalig. Hier wird jeder aufgenommen, egal welche Macke er hat" sagt Weber über seinen Verein. Der Zusammenhalt gehe auch über die jeweiligen Sparten – Tischtennis, Tennis, Gymnastik, Kinderturnen und Tanzen – hinaus.
"Ich war wieder begeistert, dass 85 Leute bei der Jahresversammlung waren", erklärt Döring, der dort 22 Mitglieder ehrte. "Das macht mich stolz." Insgesamt sei die Mitgliederzahl zuletzt wieder angestiegen. 415 Mitglieder zähle der Verein momentan. Dass der SVW immer weiter wächst, bringt allerdings auch neue Probleme mit sich. Der Rasenplatz ist stets gut gefüllt und wird von zahlreichen Mannschaften beackert. Der B-Platz, so Döring, "ist seit Jahren nicht nutzbar – nicht mal zum Aufwärmtraining." Auch die fehlende Umzäunung des A-Platzes zum angrenzenden Feldweg sprechen Weber und Döring an: Diese bringe einige Gefahren mit sich. "Die G-Junioren spielen ja quer über den Platz. Da fliegt immer mal wieder ein Ball auf den Weg", erklärt Weber.
Das größte Problem des Vereins ist derzeit dagegen etwas anderes. Und das schlägt auf die finanzielle Lage des SVW, könnte sogar existenzbedrohend werden. "Wir haben einen ungewöhnlich hohen Wasserverbrauch, was bisher nicht geklärt werden konnte", sagt Weber, der eine undichte Stelle in der Nähe des Vereinsgeländes vermutet. "Wir sind dazu aber in guten Gesprächen mit der Stadt und den Stadtwerken."
Der Vorsitzende ist guten Mutes, dass dieses Problem geklärt wird, und sich der Verein hoffnungsfroh mit den weiteren Planungen für die Zukunft beschäftigen kann. Unter anderem stehen 2027 die Feiern zum 80-Jährigen an. Höhepunkt soll ein Fest am 12. Juni werden – dem offiziellen Gründungsdatum, passenderweise kommendes Jahr ein Samstag.
#TDL - Dieser Artikel wurde von unserem Redakteur Bastian Lüpke zum Tag des Lokaljournalismus am 5. Mai 2026 geschrieben und hervorgehoben. Durch die Algorithmen der Plattformen und die Folgen von KI steht Lokaljournalismus besonders für nachwachsende Generationen vor großen Veränderungen. Darauf reagieren wir und wollen an diesem Tag gemeinsam mit einer Vielzahl weiterer Medienhäuser deutschlandweit darauf aufmerksam machen, dass Lokaljournalismus informiert, einordnet und sichtbar macht, was die Menschen in der Region bewegt. Lokaljournalismus ist demokratische Grundversorgung im Alltag. Ein eigener Tag setzt ein Zeichen für Wertschätzung, Qualität und Zukunft.

