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Rock in Rautheim am Wochenende - So viel mehr als nur Musik

regionalHeute.de sprach mit den Veranstaltern der Lebenshilfe Braunschweig über die Ursprünge des Festivals, den Gedanken dahinter und was die Besucher in diesem Jahr erwarten können.

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Die Bühne wurde am Montag angeliefert und aufgebaut. | Foto: Alexander Dontscheff

Braunschweig. An diesem Wochenende ist es wieder so weit: Das "Rock in Rautheim"-Open-Air geht in seine fünfte Runde. Warum die Veranstaltung weit mehr als ein einfaches Heavy-Metal-Festival ist, wie das Format entstanden ist und was die Besucher in diesem Jahr auf dem Gelände der Lebenshilfe in der Heinz-Scheer-Straße erwartet, verrieten Veranstalter Marco Spiller und Marketingmitarbeiter Jonas Scheiffele im Gespräch mit regionalHeute.de.



Der Name Rock in Rautheim ist deutlich älter, verrät Marco Spiller, der zugleich Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Braunschweig ist. Bereits 2002 habe Michael Schumann die Idee gehabt, den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai nicht wie üblich mit einer Demonstration zu begehen, sondern mit einem Konzert. Die Idee war geboren. In der Kantine der Werkstatt der Lebenshilfe in Rautheim fand erstmals eine Veranstaltung mit einer Band aus der Region sowie einer Band mit beeinträchtigten Musikern statt.

Erstmals ausverkauft


Mit den Jahren wuchs die Veranstaltung, doch ausgerechnet die Corona-Pandemie gab dann den Anschub, etwas Größeres zu machen. Man ging nach draußen auf das Gelände in der Heinz-Scheer-Straße, da man im Frühjahr 2022 nur dort die bestehenden Auflagen erfüllen konnte. Sonst wäre man wohl in der Halle und bei einer Veranstaltung mit 600 Leuten geblieben, räumt Marco Spiller ein. Dieses Jahr ist die Veranstaltung mit 3.500 Zuschauern erstmals ausverkauft. Doch einer Sache ist man treu geblieben: Es sind immer mindestens eine regionale und eine inklusive Band im Line-Up.

Marco Spiller (li.) und Jonas Scheiffele.
Marco Spiller (li.) und Jonas Scheiffele. Foto: Alexander Dontscheff


Denn bei Rock in Rautheim geht es um mehr als nur Musik. Der inklusive Gedanke steht im Vordergrund. Und das geht bei den rund 560 ehrenamtlichen Mitarbeitern los. Es geht darum, dass möglichst viele mitmachen können, und nicht darum, möglichst viel Profit zu machen. "Die sollen Spaß an der Sache haben und nicht im Akkord arbeiten müssen", betont Spiller. Alle Teams sind inklusiv besetzt. Und das gilt nicht nur für diejenigen, die am Zapfhahn oder an der Bratwurstbude stehen. Auch beim Bühnenaufbau oder der Betreuung der Künstler wirken Personen mit Beeinträchtigung mit. "So bekommen alle - auch die Musiker - den Charakter des Festivals mit, der anders ist als bei anderen Festivals", so Spiller.

"Miteinander auf Augenhöhe"


Doch vor allem auf dem Gelände ist den Machern ein "schönes Miteinander auf Augenhöhe" wichtig. "Menschen feiern nebeneinander, die sich sonst im Alltag kaum sehen", befindet Marco Spiller. Teilhabe sei zwar Menschenrecht, finde aber in der Realität nicht immer statt. Hier könnten die Beeinträchtigten die Gemeinschaft in einem sicheren Umfeld erleben. Sie können sich frei bewegen, ihren Spaß haben und erleben, dass freundlich auf sie zugegangen wird. Auf der anderen Seite sei es wichtig, dass man für die Besucher, die sonst wenige Berührungspunkte mit Menschen mit Einschränkungen haben, positive Begegnungen schafft. "Im Optimalfall wird das dann in den Alltag mitgenommen", hofft Spiller.

Bastian, Cedrik, Kalle und Christopher vom Team Stagecrew. Sie sorgen nicht nur dafür, dass bei den Konzerten jedes Instrument an seinem richtigen Platz steht. Auch Wünsche der Künstler hinter der Bühne werden erfüllt.
Bastian, Cedrik, Kalle und Christopher vom Team Stagecrew. Sie sorgen nicht nur dafür, dass bei den Konzerten jedes Instrument an seinem richtigen Platz steht. Auch Wünsche der Künstler hinter der Bühne werden erfüllt. Foto: Alexander Dontscheff


Bei der Auswahl der Bands hat Marco Spiller selbst das Sagen. Dabei spielten mehrere Faktoren eine Rolle. Unter anderem werde auch Recherche bei Youtube betrieben. Die Bands müssen auf das Gelände passen. Sie müssen eine gewisse Qualität haben, gut anhörbar sein, aber auch die Bühne füllen. Zudem sollte das Ganze ein harmonisches Bild abgeben. Bei insgesamt 14 Bands an zwei Tagen könne man nicht das gesamte Spektrum härterer Musik abdecken. In Rautheim habe man sich auf den Bereich Power Metal, klassischer Metal und Hard Rock spezialisiert.

Was vor der Bühne passiert


Einen anderen Aspekt spricht Jonas Scheiffele an: "Es geht auch darum, was vor der Bühne passiert. Eine Band, wo Moshpit auf Moshpit prallt, wäre bei uns etwas kompliziert, mit den Menschen, die bei uns sind und die durch solche Situationen überfordert werden könnten." Die Bands würden aber für solche Situationen sensibilisiert, so dass gegebenenfalls von der Bühne aus eingegriffen werden könne.

In diesem Jahr sind wieder einige bekannte Bands im Line-up. Favoriten nennen möchte Spiller nicht, aber er sei stolz, dass so eine riesige Band wie Feuerschwanz zugesagt habe. Und einen Geheimtipp nennt er auch: Edge of Paradise aus den USA. Das gesamte Programm findet man hier.

Der Aufbau läuft


Bis es am Freitag losgehen kann, ist aber noch einiges zu tun. Der Aufbau hat am Montag begonnen. Die Bühne wurde bereits angeliefert. Ziel sei es, bis Donnerstagmittag fertig zu sein. Die Behörden wie Feuerwehr, Polizei, Bauamt und Ordnungsamt machten dann eine Begehung mit Abnahme.

Von diesen Sternenzelten soll es in diesem Jahr zwei geben. Archivbild aus dem Jahr 2025.
Von diesen Sternenzelten soll es in diesem Jahr zwei geben. Archivbild aus dem Jahr 2025. Foto: Alexander Dontscheff


Falls es regnet, sei das Gelände für Rollstuhlfahrer auch bei Matsch geeignet, da es viele befestigte Wege und Flächen gebe. Auch vor der Bühne. Auf dem Rasen wolle man möglichst viele Sitz- und Überdachungsmöglichkeiten anbieten. In diesem Jahr gibt es erstmals zwei große Sternzelte. "Ansonsten gehört Regen zu einem Festival eigentlich dazu", meint Marco Spiller. 2023 habe es einen verregneten Tag gegeben. "Das war quasi unsere Festival-Taufe", so der Veranstalter.

Auch Besucher aus dem Ausland


Wie Jonas Scheiffele berichtet, komme der Großteil der Besucher aus der Region, soweit man das anhand der Ticketkäufe nachvollziehen könne. Demnach erwarte man aber Besucher aus allen Bundesländern, aus acht europäischen Ländern sowie eine Gruppe aus den USA. Parkplätze vor Ort seien mit etwa 200 Plätzen sehr begrenzt und schnell belegt. Daher gebe es seit 2025 eine Kooperation mit der BSVG. Die Eintrittskarte gilt auch als Fahrkarte für Bus und Straßenbahn (nicht wie im Vorjahr das Bändchen).

Die Besucher erwartet wieder stimmungsvolle Nächte und ein gewisses Spektakel. Archivbild aus dem Jahr 2024.
Die Besucher erwartet wieder stimmungsvolle Nächte und ein gewisses Spektakel. Archivbild aus dem Jahr 2024. Foto: Alexander Dontscheff


Vor Ort zelten könne man nicht. Allerdings mache der Zeltplatz am Kennel extra früher auf, so dass man dort unterkommen kann. Die Wohnmobilplätze seien hier schon ausgebucht, und auch sonst gebe es schon zirka 80 Buchungen. Auch von Hoteliers habe man das Feedback bekommen, dass man durchaus merke, dass Anfang Mai hier etwas stattfindet.

Die Probleme der Branche


Die Probleme der Veranstaltungsbranche wie die gestiegenen Preise, der Mangel an Personal oder ein geändertes Kaufverhalten der Besucher spüre man teilweise auch. Man habe aber das Glück der vielen ehrenamtlichen Helfer. Diese arbeiteten eigentlich in anderer Funktion bei der Lebenshilfe und hätten ein gesichertes Einkommen. "Wir müssen nicht nach dem Festival mit einem möglichen Gewinn das ganze Jahr Personal bezahlen", erklärt Spiller.

Daher sei das Rock in Rautheim auch nicht vom grassierenden Festival-Sterben bedroht. "Das Line-up für 2027 steht schon", erklärt Spiller. Verraten werde dies aber erst am Freitag. Tendenziell könne man es sich sogar vorstellen, zu wachsen. Dies wolle man aber behutsam tun und erst einmal abwarten, ob sich das Festival in der jetzigen Größe bewährt. Und ein wichtiger Faktor sei auch hierbei, die Ehrenamtlichen nicht zu überfordern.

#TDL - Dieser Artikel wurde von unserem Redakteur Alexander Dontscheff zum Tag des Lokaljournalismus am 5. Mai 2026 geschrieben und hervorgehoben. Durch die Algorithmen der Plattformen und die Folgen von KI steht Lokaljournalismus besonders für nachwachsende Generationen vor großen Veränderungen. Darauf reagieren wir und wollen an diesem Tag gemeinsam mit einer Vielzahl weiterer Medienhäuser deutschlandweit darauf aufmerksam machen, dass Lokaljournalismus informiert, einordnet und sichtbar macht, was die Menschen in der Region bewegt. Lokaljournalismus ist demokratische Grundversorgung im Alltag. Ein eigener Tag setzt ein Zeichen für Wertschätzung, Qualität und Zukunft.