Wolfenbüttel. Die Cornelsen Stiftung Lehren und Lernen hat mit der Ausschreibung des Zukunftspreises für innovative Schulprojekte in der diesjährigen Aufgabenstellung die heterogen steigende Schülerschaft und die daraus steigenden bildungspolitischen Anforderungen thematisiert.
Als innovatives Schulprojekt haben sich Lernende des ersten Jahres des Ausbildungsberufes Friseur/Friseurin der CGLS in Wolfenbüttel dieser Aufgabe gestellt. Mit dem Leitgedanken ‚Ausbildung muss Spaß machen‘ zielte die siebenwöchige Projektlaufzeit auf die Förderung der intrinsischen Motivation durch innovativ gestaltete Bildungsräume für jeden Berufsanfänger. Mit der Aufhebung des getrennten Theorie- und Praxisunterrichts in der Berufsschule, durch ein neuartiges ’betriebliches Lernen‘, wurde ein vertieftes berufliches Verständnis erzeugt und der Spaß an der Ausbildung begünstigt.
Das berufsbezogene Innovationsprojekt wurde am 16. August durch den Schulleiter Herrn Volkmann genehmigt und durch den Abteilungsleiter Herrn Meyer unterstützt. Während der Projektlaufzeit standen 120 Stunden zur Verfügung. Für diese Laufzeit wurden sieben curricular-methodisch-didaktische Lerneinheiten, auf der Basis des Rahmenlehrplanes des ersten Jahres des Ausbildungsberufes Friseur/Friseurin, mit den passenden Lernarrangements formuliert. In der Form des ‚betrieblichen Lernens‘ wurden die Lernenden gemeinsam von einer fachpraktischen und einer theoretischen Lehrkraft beschult.
Umfangreiche Erkundung des Berufsfeldes
Das Bildungsangebot nahm dabei die Perspektive des Lernenden als ‚Berufsanfänger‘ ein, sodass aus der kulturhistorischen Berufsgeschichte des Friseurhandwerks ein Verständnis von traditionellen Handwerkstechniken und theoretischen Wissen als Basis für ein heutiges modernes Dienstleistungsunternehmen entwickelt werden konnte. Dafür haben sich die Lernenden selbst auf den Weg gemacht und erkundeten regionale Friseurbetriebe in Wolfenbüttel, folgten der Einladung nach Magdeburg in das Friseurmuseum, schauten in Halberstadt hinter die Kulissen des Theaters und erweiterten ihr Wissen im stadtgeschichtlichen Rundgang. All diese Erlebnisse konnten sie in den Unterricht einbringen und das Lernen öffnete nun die Möglichkeit das Lernen zu individualisieren, Interessensgebiete zu thematisieren und systematisch mit berufsbezogenen Inhalten zu vernetzen. Lernende sollten mit Freude und Spannung die thematischen Inhalte entdecken, berufliche Grundkenntnisse kriteriengeleitet als auch kreativ weiter denken und für die eigene Entscheidung verantwortlich sein. Während des Projektes sind zum Beispiel Exponate aus der mittelalterlichen Handwerkstradition, kleine Hochsteckfrisuren, Handouts zu thematischen Inhalten, Themen-Galerien oder ‚Mein Salon im Schuhkarton‘ entstanden.
Theorie und Praxis vereint
Die Auswertung des Projektes zeigt, dass diese Form des Lernens beispielsweise das eigene Engagement fördert, den individuellen Lernerfolg nachvollziehbarer gestaltet und der praktische (Lern-)Bezug sich positiv auf den Erkenntnisgewinn auswirkt. Als schriftliches Feedback gaben die Lernenden zum Beispiel an, dass für sie das Lernen an den Stationen sehr gut war, das Erlernen einer alten (Handwerks-)Technik spannend war, dass ihnen das Erkunden vor Ort viel Wissenswertes aufgezeigt hat oder für sie das Lernen in unterschiedlichen Sozialformen sie zu einem kooperativen Klassenteam vereint hat. Gleichzeitig konnten sie durch das ‚betriebliche Lernen‘ berufsbezogene Inhalte mit ihren theoretischen Fähigkeiten für das Erlernen einer handwerklichen Fertigkeit kombinieren, diese neu kreieren und dabei selbständig weitere Lerninhalte auswählen sowie ausprobieren.
Für das Gelingen des innovativen Projektes beteiligten sich viele Unterstützer. Ihnen ist Bildung besonders wichtig, um jungen Menschen eine spannende und abwechslungsreiche Ausbildung anzubieten sowie die Weichen für die zukünftige Berufstätigkeit zu stellen.
Vielfalt an Lernmöglichkeiten
Bildungskonzepte neu denken und gestalten – diese Mühe hat sich gelohnt. Das berufsbezogene Innovationsprojekt für das erste Jahr des Ausbildungsberufes Friseur/Friseurin zog viele Projektbegleiter in den Bann. Entstanden ist ein (aus-)bildendes Netzwerk mit vielen unterschiedlichen (Projekt-)Partnern, sodass die Vielfalt an Lernmöglichkeiten als ‚Best-off – (Lern-)Strategie‘ im Interesse der Lernenden ausgeschöpft werden konnte. Die Ergebnisse des Projektes stellten die Lernenden gemeinsam den eingeladenen Gästen vor. An den vorbereiteten Ständen hatten die Gäste die Gelegenheit sich individuell zu informieren, das eigene Wissen in einem Lernspiel zu überprüfen oder selbst eine handwerkliche Technik auszuprobieren.

