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"Da ist Ärger vorprogrammiert" - Bedenken wegen des geplanten Aldis in Linden



"Da ist Ärger vorprogrammiert" - Bedenken wegen des geplanten Aldis in Linden

Im Ortsrat wurde der aktuelle Entwurf vorgestellt. Vertreter der Stadt und des Projektträgers standen Rede und Antwort.

von Alexander Dontscheff


Auch Ortsbürgermeister Kersten Meinberg hatte einige kritische Anmerkungen zum geplanten Aldi.
Auch Ortsbürgermeister Kersten Meinberg hatte einige kritische Anmerkungen zum geplanten Aldi. Foto: Alexander Dontscheff

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Wolfenbüttel. Wie berichtet, soll der neue Aldi-Markt an der Neindorfer Straße die nächste Hürde nehmen und der neue Bebauungsplan demnächst öffentlich ausgelegt werden. Bevor sich am heutigen Dienstag der Bauausschuss damit beschäftigt, wurde der aktuelle Entwurf gestern im Ortsrat Linden vorgestellt. Florian Jürgens vom Amt für Stadtentwicklung und Bauaufsicht der Stadt Wolfenbüttel, Christian Evers vom Stadtplanungsbüro Evers & Küssner sowie Jörg Ruschmeyer vom Projektentwickler May & Co. standen den etwa 30 anwesenden Anwohnern Rede und Antwort.



Der nun vorgelegte Entwurf ist bereits in vielen Bereichen ein Kompromiss. So wurde die Anzahl der Stellplätze auf dem Parkplatz von 120 auf 80 verringert und große Grünflächen eingeplant. Das Gebäude soll so auf dem Grundstück angeordnet sein, dass es nur an einer Ecke den erlaubten Mindestabstand von drei Metern zu den Nachbargrundstücken ausschöpft. Auch wurde der Anlieferverkehr an die Nordseite verlagert, um die Lärm abschirmende Wirkung des Gebäudes besser zu nutzen. Eine 1,50 Meter hohe Hecke, die bereits in dieser Größe angepflanzt wird, soll eine Lichtbeeinträchtigung für die Nachbarn verhindern.

Echte Lärmschutzwand gefordert



Doch einigen Anwohnern ist das zu wenig. Sie fordern eine echte Lärmschutzwand, denn auch das vorliegende Lärmschutzgutachten wird von einigen Nachbarn angezweifelt. Der Kritikpunkt, dass diesem keine echten Messungen sondern nur Berechnungen zugrunde liegen, wurde von Christian Evers entkräftet. "Da es den Markt noch gar nicht gibt, kann es auch keine realen Messungen geben. Das Gesetz schreibt das erfolgte Verfahren vor." Den Vorwurf, dass es sich um ein Gefälligkeitsgutachten handele, bei dem vorher schon klar gewesen sei, dass sich alle Werte (zum Teil knapp) unter den Grenzwerten bewegten, wies Florian Jürgens von sich. Die Stadt Wolfenbüttel sei für alle Bürger gleichermaßen da.


Der aktuelle Entwurf für den geplanten Aldi in der Neindorfer Straße Foto: Atrium Architekten


Einen Vorschlag von Ortsbürgermeister Kersten Meinberg, als Zeichen der guten Nachbarschaft den Lärmschutzwall zu bauen, auch wenn er rechtlich nicht notwendig sei, erteilte Jörg Ruschmeyer eine Absage. Dieser würde für die erforderliche Länge 100.000 Euro kosten. Ruschmeyer machte aber einer Nachbarin das Angebot, einen Lichtschutzzaun zu errichten, da einigen die Höhe der Hecke zu gering vorkommt. Auch angesichts der Tatsache, dass es einen Höhenunterschied zwischen den Grundstücken gebe.



Weitere Bedenken gab es seitens der Anwohner bezüglich des Hochwasserschutzes. Doch Jörg Ruschmeyer versicherte: "Es gibt kein Wasser, das auf Ihre Grundstücke läuft". Die Planung sei weitgehend außerhalb des Überschwemmungsgebietes erfolgt. Auch für das Schichtenwasser werde sich nichts ändern, da das Gebäude keinen Keller habe.

Genehmigung nur für den Tagbetrieb


Die Anwohner, die westlich direkt an den künftigen Markt grenzen, kritisierten, dass man künftig direkt auf eine sieben Meter hohe Mauer blicke. Man wollte wissen, warum nicht ein angeschrägtes Dach wie beim Lidl am Neuen Weg möglich sei. Außerdem wurde angezweifelt, dass sich der LKW-Anlieferverkehr an das Verbot des Nachtbetriebes halten werde. "Hier ist Ärger vorprogrammiert", so Anwohner Uwe Großmann. Christian Evers versicherte, dass das aktuelle Gutachten und die Genehmigung nur für den Tagbetrieb (Öffnungszeit 7 bis 21 Uhr) gelte. Würde Aldi die Öffnungszeiten verlängern wollen, wäre eine neue Genehmigung und vermutlich auch weitere Lärmschutzmaßnahmen nötig. Bei Fehlverhalten seien notfalls ebenfalls Maßnahmen etwa eine Schranke erforderlich, so Florian Jürgens.

Der Ortsrat gab eine einstimmige Beschlussempfehlung für den Bebauungsplan ab. Stimmt der Rat im März der Auslegung des Bebauungsplanes zu, haben alle Anwohner die Möglichkeit, ihre Bedenken schriftlich einzureichen. Letztlich muss dann die Politik diese bewerten und vor dem endgültigen Beschluss entsprechend einarbeiten.


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