Flüchtlinge: "Im Moment sind nur 80 der 315 Plätze belegt"


Volles Haus im Wintergarten des DRK-Solferino, Horst Kiehne
(links) am Rednerpult.  Foto: DRK
Volles Haus im Wintergarten des DRK-Solferino, Horst Kiehne (links) am Rednerpult. Foto: DRK Foto: DRK



Wolfenbüttel. Das Rote Kreuz kann im Landkreis Wolfenbüttel auf eine breite Basis Ehrenamtlicher bauen, die dem Verband seit vielen Jahren die Treue halten. Das wurde in der Jahresversammlung des DRK-Kreisverbandes deutlich, die am Samstag im Solferino am Exer stattfand: Dort wurden nicht nur Jubilare ausgezeichnet, sondern es gab wirklich beeindruckende Ehrungen.

Präsidiumssprecher Horst Kiehne begrüßte dazu das langjährige Ehrenmitglied Hein Simmerling sowie den stellvertretenden Landrat Uwe Schäfer (CDU) und von der SPD-Kreistagsfraktion Sabine Resch-Hoppstock. Schäfer verknüpfte seine Grüße vom Kreistag mit einem Lob: "Das Rote Kreuz hilft weltweit - und natürlich auch in Deutschland. Es ist ohne Frage ein toller Verbund." Dabei honorierte er ganz aktuell vor allem die Leistungen in der Flüchtlingsunterbringung und -versorgung. "Da waren Kommunen und das DRK schon 2015 vor große Herausforderungen gestellt", urteilte der stellvertretende Landrat, "doch ich glaube, das war sicherlich nur der Anfang." Auch Resch-Hoppstock hob "die großartige Arbeit des DRK in den Gemeinden und den Ortsvereinen" hervor. Vor allem sei es nicht oft genug zu loben, dass der Verband neben der Mehrarbeit durch die Flüchtlingsbetreuung seine Kernaufgaben nicht vernachlässige: "Sie sind unentbehrlich in der Arbeit für Kinder und Jugendliche, in der Blutspende, den Altenkreisen und bei den Pflegediensten."

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Das DRK-Kreispräsidium mit den Geehrten und den Ehrengästen vor dem Versammlungslokal, dem DRK-Solferino am Exer. Foto: Privat



Wie groß die Verbundenheit der Mitglieder mit ihrem DRK ist, wurde bei den Ehrungen deutlich. Herausragende Leistung waren dabei jene 60 Jahre, die Waldemar Elias aus Dahlum bereits dabei ist - und zwar nicht nur als bloßes Mitglied, sondern als Vorsitzender des Ortsvereins und als seit Jahrzehnten aktiver Helfer. Auch ein Damen-Doppel wurde für seinen unermüdlichen Einsatz geehrt: Erdmuth Queißer und Rita Queck waren vor 40 Jahren Mitgründerinnen des Ortsvereins Denkte. Quasi im Gleichschritt leiteten sie die Geschicke ihrer Gruppe als Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende. Frau Queißer stieg zwischendurch sogar zur stellvertretenden Vorsitzenden des DRK-Kreisverbandes auf.

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Das DRK-Kreispräsidium mit Taschen, die durch ein Flüchtlingsprojekt hergestellt werden. Foto: DRK



Auf dreieinhalb Jahrzehnte als hauptamtlicher Mitarbeiter des Rettungsdienstes blickt Hansjörg Jentsch zurück. Er gründete einst diese Einrichtung mit, die er nun schon seit 1987 leitet. Auch ehrenamtlich brachte und bringt sich Jentsch immer wieder stark ein - zuletzt bei der Einrichtung der Notunterkunft Strümpell-Schule in Schöppenstedt. "Die Zeit beim DRK ist mir nicht lang geworden", betonte Jentsch, der eine kleine Dia-Schau vorbereitet hatte. "Ich bekam stets neue Aufgaben und erlebte viele Gründungssituationen mit, vom Krankentransport bis zum Rettungsdienst." Ebenfalls eine Mischung aus Haupt- und Ehrenamt verkörpert Jörg Steiner-Campanale, der seit 25 Jahren im Rettungsdienst arbeitet. Im Ehrenamt ist er Gruppenleiter, führt die von ihm mit gegründete Bereitschaft Ost (Schöppenstedt) und leistete viele Stunden bei der Einrichtung der dortigen DRK-Notunterkünfte.

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Im Vorraum des Solferino war ein Stand mit Selbstgestricktem aufgebaut. DRK-Mitglieder treffen sich einmal im Monat, um neue Kreationen zu besprechen - dann wird zu Hause gestrickt. Die Erzeugnisse werden verkauft, und der Erlös kommt zu hundert Prozent der DRK-Tafel zugute. Foto: DRK



Seit zehn Jahren schließlich ist Ole Baden im DRK aktiv. Schon bald nach seinem Eintritt absolvierte er eine Ausbildung zum Erste-Hilfe-Ausbilder und leitet seitdem viele Kurse in der Breitenausbildung. Alle Geehrten erhielten Medaillen, Urkunden und ein Geschenk. Im Rückblick erinnerten Kiehne und Kreisvorstand Andreas Ring an die seit Herbst anhaltenden Flüchtlingsströme, die auch vom DRK-Kreisverband in den Notunterkünften zu bewältigen waren. "An Herausforderungen kann man wachsen - oder zerbrechen", meinte Ring. "Das DRK ist gewachsen durch den großen Einsatz von Haupt- und Ehrenamt." In 14 Tagen seien 315 Plätze zur Unterbringung entstanden, betonte Kiehne. "Allein 250 Ehrenamtliche haben gemeinsam mit THW und Feuerwehr 8000 Einsatzstunden geleistet."

Angesichts der nicht nachlassenden Flüchtlingserwartung werde das Büro der DRK-Flüchtlingskoordinatorin in Wolfenbüttel personell aufgestockt. "Wir sind verlässlicher Partner für den Landkreis und die Gemeinden und wollen das auch bleiben", versicherte Ring. Dies erfordere umso mehr Engagement, als es künftig nicht nur um die Aufnahme, sondern verstärkt um die Integration der Flüchtlinge gehe. Ring erneuerte seine Kritik an den Bundes- und Landesministerien, die zu einem Großteil Verantwortung trügen an der Krise in der Flüchtlingsarbeit. "Im Moment sind nur 80 der 315 Plätze in Schöppenstedt belegt. Kein Wunder, wenn ein Großteil der Neuankömmlinge immer gleich zum Bahnhof weiterzieht und abwandert." So wie zuletzt könne es in 2016 nicht weitergehen, forderte Ring. Ein großes Lob hatte der Kreisvorstand für jene Helfer parat, die sich als Freiwillige in der Flüchtlingshilfe engagieren. "Wir haben da unheimlich viele Menschen, die zu uns kommen, obwohl sie nicht DRK-Mitglied sind", freute er sich. "Gemeinsam mit unseren Mitgliedern und unseren Mitarbeitern bilden wir eine starke Gemeinschaft."


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