KolumneHeute: Experiment Wohnungssuche

von Sina Rühland


| Foto: Sina Rühland

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Eine niedliche Altbauwohnung, Holzdielen und vielleicht ein Blick ins Grüne – mehr wollten wir eigentlich gar nicht, als wir mit der Suche nach einer neuen Wohnung begonnen haben. Mittlerweile fallen die Ansprüche etwas dezimierter aus. Der Blick auf die Kastanie wird nun vermutlich ein Blick auf eine drei Meter entfernte Hauswand werden. Der Himmel so fern, die halbnackte Student nebenan so nah. 

Die Stadt in der wir mit unserer Suche begonnen haben, kann eigentlich beliebig durch eine andere Stadt gleicher Größenordnung ersetzt werden – es spielt keine Rolle. Möglicherweise sind wir die Wohnungssuche etwas naiv angegangen. Den guten Rat von Freunden haben wir jedoch befolgt und unsere aktuellen Verträge nicht vorab gekündigt. Zum Glück. Am Anfang der Suche überlegten wir uns natürlich, welche Stadtteile für uns in Frage kämen; wo junge Menschen, Subkultur und Grünanlagen gleichermaßen zusammenfänden. Ein Vollversorger, ausreichend Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und ein umfangreiches Kulturangebot in der Nähe sollte es auch geben. Viel blieb da nicht übrig. Also begrenzten wir unsere Suche vorerst auf die verbliebenen Areale, die uns am ehesten entsprechen. Da unser letzter Umzug schon ein paar Jahre zurücklag und die Suche auch recht zügig erfolgreich war, waren wir also nicht mehr so ganz im Thema. Die Menschenmenge, die am Samstag vor der ausgesuchten Wohnung stand, überraschte uns also doch ein wenig. Keine individuelle Besichtigung mehr, kein Pläuschchen mit dem Vermieter. Nichts, als ein harter Kampf um die freie Behausung. Wir, die neu auf der Suche waren, machten die typischen Anfängerfehler. Wir umgarnten den Herren, der die Tür aufschloss – ich hatte sogar Perlen in den Ohren und kam mir völlig verkleidet vor. Schnell merkten wir, dass wir den falschen vollquatschten. Der gute Mann hatte tatsächlich nur die Wohnung aufgeschlossen. So erhielt jeder bei Interesse einen Zettel und musste darauf sämtliche persönliche Daten vermerken. Einige Paare hatten sogar eine Bewerbung dabei – und selbstverständlich eine Schufa-Auskunft.

Einige Wochen später fühlten wir uns in dem Dschungel der Wohnungssuchenden schon ein bisschen heimischer. So langsam wussten wir, wie es läuft. Allmählich hatten wir begonnen, das Spiel zu durchblicken. Wie mussten einfach mehr auf die Signale hinter den Anzeigen achten und unser Verhalten den Gegebenheiten anpassen. Perlen kamen also nur noch zum Einsatz, wenn wir alleinstehende, ältere Privatvermieter vor uns hatten, die zumeist den alten Weg des Inserierens wählten: die gute alte Zeitungsannonce. Wir achteten also besonders auf Chiffre-Nummern und möglichst wenig Text. Da fand man sie noch, die wenigen bezahlbaren Altbauwohnungen mit Holzdielen und Kacheln im Treppenhaus. Doch leider kamen wir immer zu spät. Wir sahen das nette Paar noch mit einer Kuchenform in den Händen grinsend an uns vorbeigehen.



Blutrünstige Immobilienhändler, unbeholfene ALT-Vermieter und Hausbesitzer, die absolut nicht einsehen, dass Löcher in Fußboden und Decke zwar dem urbanen Wohnungs-Dschungel entsprechen, dafür aber niemand zahlen möchte – nach unserer mehrmonatigen Suche haben wir mittlerweile jeden Typus Vermieter, jedes als Luxusbude verkaufte Loch und jeden Ellenbogen-in-die-Rippen-schlagenden-Mitbewerber kennengelernt. Es ist ein Kampf. Es ist jedoch nur so lange ein Kampf, bis man seine Ansprüche herunterfährt. Schauen wir uns um, sucht unser Umfeld immer die gleiche Art Wohnung. Drei bis vier Zimmer, nahe einer Grünlage, Balkon oder Garten, hohe Decken. Alles möglichst günstig. Bestenfalls in den Szenevierteln. Bei der Wohnungssuche in Kleinstädten sieht es ähnlich aus. Nahe der Ballungszentren ist der Markt verkorkst. Wir müssen also unsere Ansprüche weitgehend zurückschrauben, damit leben, dass wir noch eine lange Suche vor uns haben und hoffen, dass sich der Wohnungsmarkt irgendwann wieder akklimatisiert. Ansonsten ziehen wir halt doch nach Brandenburg.