Holländisches Service: Neues Porzellankabinett in Wolfenbüttel eröffnet

Die geschichtsträchtigen 185 Teile des barocken Fürstenberger Porzellanservices haben nun im Schloss Museum ein ständiges Zuhause gefunden.

Falko Mohrs, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, zusammen mit Stiftern, Verantwortlichen der Berliner Agentur Gewerkdesign und Vertretern der Stadt Wolfenbüttel.
Falko Mohrs, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, zusammen mit Stiftern, Verantwortlichen der Berliner Agentur Gewerkdesign und Vertretern der Stadt Wolfenbüttel. | Foto: Andreas Greiner-Napp / Museum Wolfenbüttel

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Wolfenbüttel. Am gestrigen Mittwochabend eröffnete der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Falko Mohrs, das neugestaltete Porzellankabinett im Schloss Museum Wolfenbüttel. Dort wird das zwischen 1773 und 1774 in der Porzellanmanufaktur Fürstenberg gefertigte „Holländische Service“ ausgestellt, das als ein bedeutendes Beispiel europäischer Porzellankunst gilt, bemalt mit holländischen Küstenlandschaften. Das teilt das Schloss Museum in einer Pressemeldung mit.



Dieses Kulturgut, das als das umfangreichste erhaltene Landschaftsservice des 18. Jahrhunderts gelte, kehrte 2024 nach Deutschland zurück und ist nun dauerhaft im Museum zu sehen. Im Jahr 1774 soll ein unbekannter niederländischer Käufer das Holländische Service bei der Fürstenberger Manufaktur in Auftrag gegeben haben. Die Bemalung übernahm die Fürstenberger Buntmalerei unter der Leitung des Landschaftsmalers Pascha Weitsch aus Braunschweig. Der Kaufmann und Rotterdamer Bürgermeister Willem Suermondt (1740–1828) erwarb Berichten zufolge das Service während seiner Amtszeit von 1811 bis 1813, weshalb es lange Zeit als „Suermondt-Service“ bekannt war.

Seit 2024 in Wolfenbüttel


Ab 1957 befand sich das Kunstwerk im Besitz einer luxemburgischen Familie und galt zwischenzeitlich als verschollen. Mithilfe nationaler Stiftungen, des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur sowie privater Spender konnte das Service im Jahr 2024 für das Schloss Museum Wolfenbüttel erworben werden. Die Umgestaltung des Porzellankabinetts, die von regionalen Stiftungen gefördert wurde, ergänzt die barocke Dauerausstellung des Museums.

Blick in das neue Porzellankabinett für das Holländische Service im Schloss Museum Wolfenbüttel.
Blick in das neue Porzellankabinett für das Holländische Service im Schloss Museum Wolfenbüttel. Foto: Andreas Greiner-Napp / Museum Wolfenbüttel



„Das Schloss Museum Wolfenbüttel ist ein besonderer Ort, an dem niedersächsische Kulturgeschichte lebendig wird. Im neuen Porzellankabinett werden die Anfänge der Porzellanmanufaktur Fürstenberg direkt dort erlebbar, wo diese Geschichte begann, mit der Unterzeichnung der Gründungsurkunde. Die Ausstellung wurde so gestaltet, dass sie Neugier weckt und Menschen jeden Alters anspricht. Sie lädt ein, die Geschichten hinter den Objekten zu entdecken und die Bedeutung dieses national bedeutsamen Kulturguts umfassend zu erforschen“, erklärte Kulturminister Falko Mohrs bei der Eröffnung des neuen Kabinetts in Wolfenbüttel.


„Kreis schließt sich“


Dr. Sandra Donner, die Leiterin des Museums Wolfenbüttel, äußerte sich wie folgt: „Wir sind stolz darauf, dass das in Fürstenberg gefertigte und in Braunschweig bemalte Holländische Service in seine Heimat zurückgekehrt ist. Jahre haben wir nach einem bedeutenden Fürstenberger Porzellanservice des 18. Jahrhunderts gesucht. Dank der Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums und namhafter Stiftungen konnten wir das Service von der luxemburgischen Familie erwerben. Der Kreis schließt sich, denn 1747 wurde die Manufaktur Fürstenberg von Herzog Karl I. im Schloss Wolfenbüttel gegründet.“ Sie lobte zudem die von der Berliner Agentur gewerkdesign konzipierte Ausstellung: „Das 300 Jahre alte Holländische Service wird im historischen Porzellankabinett würdig präsentiert. Dank moderner Ausstellungstechnik ist es gelungen, alle 185 Teile in einem Raum zu zeigen und die Schönheit und Vielfalt dieses Kulturguts hervorzuheben.“


„Bildmotive mit dem Blick auf den Schlossplatz“


Die Ausstellung zeigt das Service in Vitrinen aus Metall und Glas, ergänzt durch einen barocken Schrank aus der Zeit Gotthold Ephraim Lessings. Zusätzlich laden interaktive Bücher ein, die Arbeit der Porzellanmaler und die Geschichte des Services zu erkunden. Jens Imig, Geschäftsführer von gewerkdesign, erläuterte: „Die Herausforderung bestand darin, alle 185 Teile so zu präsentieren, dass sowohl ihre Fülle als auch die künstlerische Qualität deutlich werden. Mit leichten Vitrinen aus Glas und abgestimmter Farbgestaltung haben wir eine Präsentation geschaffen, die dem Service und den historischen Räumen gerecht wird. Die Anordnung der Teller vor den Fenstern und ein Landschaftsdruck auf der Gaze verbinden die holländischen Bildmotive mit dem Blick auf den Schlossplatz. Tageslicht und gezielt eingesetztes Kunstlicht heben die Feinheit des Porzellans hervor, während der Schutz der Wandmalereien ein Teil des Konzepts ist. So erzählen die gestalterischen Details die Geschichte des Services subtil und ansprechend.“

Blick in das neue Porzellankabinett für das Holländische Service im Schloss Museum Wolfenbüttel.
Blick in das neue Porzellankabinett für das Holländische Service im Schloss Museum Wolfenbüttel. Foto: Andreas Greiner-Napp / Museum Wolfenbüttel



Die Neugestaltung des Porzellankabinetts wurde durch die Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, die Stiftung Zukunftsfonds Asse, die Braunschweigische Stiftung, die Hans und Helga Eckensberger Stiftung und den Förderverein Museum Wolfenbüttel e.V. ermöglicht. Bereits im Juli 2026 wurde ein Katalog zum Holländischen Service veröffentlicht. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 17 Uhr, geöffnet.

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