KolumneHeute: Pärchen

von Sina Rühland



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Wolfenbüttel. Aus dem Ich wird ein Wir, aus dem Kneipenabend mit Freunden wird eine im Schlafanzug auf dem Sofa sitzende und Filme schauende Zweisamkeit. Ich spreche von Pärchen.

Pärchen sind ein rentabler Bestandteil vieler Songs. Olli Schulz hat sie besungen, Rainald Grebe hat sie – beinahe – noch schöner besungen. Es gab eine Zeit, da konnte auch ich Pärchen einfach nicht leiden. Entweder waren es die händchenhaltenden und ewig knutschenden jungen Menschen in den Parks oder die etwas älteren, leicht selbstgefälligen Paare, die sich in ihrer satten, zweisamen Genügsamkeit durch das Leben kuschelten. Und immer wieder dieses „wir“.



Tatsächlich wandelt sich diese akute Anti-Pärchen-Haltung im Laufe des Älterwerdens. Was nicht gleichsam bedeutet, dass „wir“ keine Zeit hätten, dass „wir“ keine Artischocken mögen“ oder dass „wir“ schwanger seien. Ein bisschen ich darf bitte auch im Wir noch vorhanden sein. Dennoch lässt man sich irgendwann, mit nicht geringer Begeisterung, auf diese gemütliche Zweisamkeit ein. Man stellt fest, dass Pärchenabende nicht wie in den Grebe-Liedern ablaufen müssen, dass zwischen den durchgetanzten Single-Nächten und dem sich anschweigenden Ehepaar am Nachbartisch noch etwas anderes existiert.

Manche haben das Glück, ihren wohlwollendensten Streitpartner und besten Freund neben sich zu wissen. Und auch, wenn man den Partner nicht mit „das ist mein Schatz“ vorstellt oder sich anmaßt für ihn Entscheidungen zu treffen, ist er bestenfalls das eigene Pedant. Und irgendwie ist die Vorstellung dann doch ganz schön, irgendwann gemeinsam, lauthals über Politik diskutierend und händchenhaltend, unter dem Apfelbaum zu sitzen.