Der demographische Wandel wird in naher Zukunft Unternehmen zur kreativen Personalfindung zwingen. Durch weniger Schulabgänger und einer alternden Belegschaft müssen in den Unternehmen neue Strategien entwickelt werden und ein Umdenken erfolgen. Es müssen Talente entdeckt werden, um auch zu-künftig genügend Fachkräfte in den Betrieben zu finden. „Der Wettkampf um die besten Köpfe hat bereits begonnen. Die Betriebe werden künftig auch bei der Azubisuche nicht immer den Klassenbesten bekommen, sondern auch schwächeren Jugendlichen Perspektiven bieten", blickt Harald Eitge, Leiter der Agentur für Arbeit Braunschweig, in die Zukunft am Arbeitsmarkt.
Erfolgreich hat die Agentur in den Jahren der Wirtschaftskrise über das Instrument Kurzarbeit qualifiziert. Auch nach der Krise kann dies eine Strategie für nachhaltige Fachkräftesicherung sein. „Unternehmen müssen Talente in den eigenen Reihen entdecken, qualifizieren und somit Ihre Fachkräfte von morgen sichern", appelliert Eitge an die regionalen Betriebe und fügt hinzu: „Wir sind als Partner am Arbeitsmarkt dann gern bei der Besetzung der Stellen behilflich, die durch die Weiterbildung vakant geworden sind."
Ein Beispiel für gelungene Qualifizierung ist Jörg Hämpke. Wenn freitags die Kollegen „schönes Wochenende" wünschen, dann denkt er nicht an Freizeit, sondern an sein selbst gestecktes Ziel: In der TEUTLOFF Technischen Akademie den Industriemeister Metall abzuschließen. Schichtbegleitend drückt er aktuell die Schulbank. Jörg Hämpke, 42 Jahre alt und Vater einer Tochter, die schon selber in Ausbildung ist, muss niemand um seine verkürzte Freizeit be-mitleiden: „Mir macht Lernen wieder Spaß", betont er.
1991 stieg Hämpke bei MAN ein. Als vor einigen Jahren die Wirtschaftskrise auch Salzgitter erfasste, hat ihm sein Arbeitgeber, gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Braunschweig, ein Qualifizierungsangebot gemacht. Der Weg vom angelernten Mitarbeiter in der Produktion zur qualifizierten Fachkraft gelang ihm hervorragend. Nach 16 Monaten legte er einen Abschluss als Fertigungsmechaniker mit einem glatten Einser hin und wurde von der IHK dafür ausgezeichnet. Für seinen Arbeitgeber ist Hämpke ein Beispiel für das Engagement des Industriebetriebes für seine Mitarbeiter. Wolfang Weidauer, zuständig für die Aus- und Weiterbildung bei MAN: „Wir sehen uns die vorhandenen Mitarbeiter genau an und überlegen, welches Potential in ihnen steckt und gefördert werden kann."
Niedersachsen muss sich aufgrund der demografischen Entwicklung bis 2025 auf einen deutlichen Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials einstellen. Demnach geht der Bevölkerungsanteil von Menschen im erwerbsfähigen Alter, das sind Menschen im Alter von 15 bis 65 Jahren, von derzeit rund 5,2 Mio. Menschen bis 2025 um rund 500.000 auf dann 4,65 Mio. zurück.
Das wird auch die Region Braunschweig treffen.


