Unfall in der Nacht: War es ein Straßenrennen mitten in der Innenstadt?

Reichlich Zuschauer, eine italienische Sport-Radkappe und das Unfallbild: Was dafür spricht, dass hier ein Freizeit-Rennfahrer großen Schaden verursachte.

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Die Radkappe einer italienischen Racing-Marke lag am Unfallort.
Die Radkappe einer italienischen Racing-Marke lag am Unfallort. | Foto: Matthias Kettling

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Wolfenbüttel. Es war ein Vorfall, bei dem noch einige Fragen offen sind: Anfang dieser Woche krachte mitten in der Nacht ein 21-jähriger Mercedes-Fahrer in der Wolfenbütteler Innenstadt in mehrere parkende Autos – regionalHeute.de berichtete. Während Einsatzkräfte am Unfallort ihrer Arbeit nachgingen, waren plötzlich fast 70 Zuschauer anwesend. Einige Umstände deuten dabei darauf hin, dass hier ein illegales Straßenrennen stattgefunden haben könnte.



Ein solcher Umstand: Als unsere Redaktion den Unfallort – zwischen der Breiten Herzogstraße und dem Kreisel Am Herzogtore – am Folgetag besuchte, lehnte wenige Meter entfernt an einem Baum am Straßenrand eine Radkappe der Marke Sparco – eine hochwertige italienische Marke, die weltweit vor allem in der Racing- und Tuning-Szene beliebt ist.

Hat sich die Felge beim Straßenrennen vom Fahrzeug gelöst?


Hat sich diese eventuell beim Unfall vom Fahrzeug des Verursachers, seinem Mercedes CLA, gelöst? Der Polizei ist dieses Detail derweil nicht bekannt. Die an den Baum gelehnte Radkappe, sie spielt offenbar keine Rolle in den Ermittlungen. Auch an den beteiligten Fahrzeugen – weder an dem Verursacher-Fahrzeug noch an den drei beschädigten geparkten Autos (Sachschaden mindestens 50.000 Euro) – habe sie gefehlt, teilt die Polizei Wolfenbüttel auf Nachfrage von regionalHeute.de mit.

Nun gehören zu einem echten Rennen ja meistens zwei Fahrzeuge. Kann es sein, dass dort in der Nacht ein zweiter Fahrer unterwegs war, der kräftig aufs Gaspedal gedrückt und im Zuge eines Rennens seine Felge verloren hat? Davon geht die Polizei derzeit nicht aus. "Nach derzeitigem Ermittlungsstand gibt es keinen Hinweis auf ein weiteres beteiligtes Fahrzeug", erklärt Polizeisprecherin Lia Marquardt.

Was machen die 70 Zuschauer dort mitten in der Nacht?


Die große Menge an Menschen, die kurz nach dem Unfall vor Ort war, macht ebenfalls stutzig. Bis zu 70 Personen sollen es gewesen sein. Waren es Zuschauer, die wegen eines Autorennens gekommen waren? Auch in dieser Sache nimmt die Polizei einer solchen Vermutung den Wind aus den Segeln. Diese "Schaulustigen" seien erst während der Unfallaufnahme erschienen. "Die Personen stehen ersten Erkenntnissen nach teils in einem verwandtschaftlichen Verhältnis mit dem Verursacher. Hinweise auf eine Veranstaltung sind nicht bekannt", erklärt Polizeisprecherin Marquardt.

Und doch gehen auch die Ermittler davon aus, dass in der Nacht zum Dienstag dort ein Fall von Autorennen oder zumindest Raserei vorliegen könnte – eine Straftat. Schon am Dienstag hatte die Polizei gemeldet, dass sie den Führerschein des Fahrers beschlagnahmt hatte. Jetzt bestätigt die Polizei auf Nachfrage von regionalHeute.de, dass gegen den Unfallverursacher ein Strafverfahren gemäß §315d des Strafgesetzbuches eingeleitet worden sei. Dafür spreche das Unfallbild.

Bis zu fünf Jahre Haft drohen bei illegalen Straßenrennen

Der zugrunde liegende Paragraf trägt den Titel "Verbotene Kraftfahrzeugrennen". Darin heißt es zum Beispiel, dass jemand, der "sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen", mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder einer Geldstrafe belegt werden könne. Sind Menschenleben oder hohe Sachwerte in Gefahr, können es fünf Jahre werden, bei Todesfolge sogar bis zu zehn.

Keine aktive Szene in Wolfenbüttel


Dabei spielt es rechtlich betrachtet zudem keine Rolle, ob zwei Fahrer in zwei Autos gegeneinander antreten oder ob ein Einzelfahrer Vollgas gibt, um seine Etappen-Ziele zu erreichen. Beide Fälle könnten als Kraftfahrzeugrennen gewertet werden. Die Ermittlungen in der Lessingstadt laufen noch. Offenbar war es ein Einzelfall. Dass es eine aktive Szene gibt, die regelmäßig Straßenrennen in der Wolfenbütteler Innenstadt durchführt, davon sei derzeit nicht auszugehen, betont die Polizei.