Zwischen App und Schalter: So halten es Banken mit der Digitalisierung

Online-Banking ist für die meisten Menschen in Deutschland längst Alltag. Gleichzeitig führen Banken KI in ihre Abläufe ein. Doch was ist mit der persönlichen Beratung?

von


Symbolbild
Symbolbild | Foto: pixabay

Mehr regionalHeute.de bei Google sehen?

Jetzt als bevorzugte Quelle festlegen

Region. Kontostand prüfen, Überweisung ausführen, Dauerauftrag einrichten – vieles erledigen Kundinnen und Kunden heute in Sekunden per Smartphone. Nach einer aktuellen Bitkom-Erhebung nutzen 86 Prozent der Menschen in Deutschland Online-Banking.



In der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen sind es 83 Prozent, bei den über 75-Jährigen 43 Prozent. Parallel dazu verliert der Filialbesuch an Bedeutung: 44 Prozent der Online-Banking-Nutzerinnen und -Nutzer gehen nach eigenen Angaben gar nicht mehr in eine Filiale, ein großes Filialnetz ist nur noch für etwa die Hälfte der Menschen wichtig.

Bargeld auf dem Rückzug


Auch beim Bezahlen verschieben sich die Gewichte. Die Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025“ der Deutschen Bundesbank zeigt, dass 55 Prozent der erfassten täglichen Einkäufe bargeldlos bezahlt wurden – erstmals mehr als mit Bargeld.

Bargeld kam noch bei 45 Prozent der Zahlungen zum Einsatz und bleibt an der Ladenkasse das am häufigsten genutzte einzelne Zahlungsmittel. Gleichzeitig verliert es gegenüber Karten, mobilen Bezahlverfahren und Internetzahlungen an Bedeutung.

Weniger Service, mehr Beratung


Trotz der starken Nutzung von Online-Banking halten die niedersächsischen Sparkassen an ihrem Filialnetz fest. Ende 2025 standen Kundinnen und Kunden 619 Geschäftsstellen zur Verfügung, nur leicht weniger als im Vorjahr. Der Sparkassenverband Niedersachsen sieht darin weiterhin eine wichtige Infrastruktur für die Regionen, allerdings mit anderer Aufgabe als früher. „Die Filiale ist in Zukunft weniger Ort für Servicevorgänge und noch stärker Ort für Beratung, Vertrauen und komplexe Entscheidungen“, sagt Michael Schier, Pressesprecher des Sparkassenverbands Niedersachsen.

Standardvorgänge wie Überweisungen oder Kontoabfragen laufen zunehmend digital. Parallel investieren die Sparkassen in Online-Angebote, Telefon- und Videoberatung sowie in Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI). Nach Einschätzung des Verbands bleibt das persönliche Gespräch gerade bei Immobilienfinanzierungen, Altersvorsorge, Vermögensaufbau oder Unternehmensnachfolge unverzichtbar.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Volksbank BRAWO. „Die Volksbank der Zukunft wird digitaler, aber nicht anonymer“, sagt Fabien Tronnier, stellvertretender Pressesprecher der Volksbank BRAWO.

Zwischen Bildschirm und Beratungstisch


Sparkassen und Volksbank BRAWO bewerten die Digitalisierung nicht als Konkurrenz zur persönlichen Beratung, sondern als Ergänzung. Viele Kundinnen und Kunden erledigen ihre Alltagsbankgeschäfte inzwischen selbstverständlich online – oft, ohne überhaupt noch eine Filiale zu betreten. Gleichzeitig gibt es Kundinnen und Kunden, die bei größeren finanziellen Entscheidungen bewusst den direkten Austausch suchen. Banken müssen deshalb beide Gruppen bedienen: mit einfachen digitalen Lösungen für Routineaufgaben und persönlicher Beratung für komplexe Themen.

„Unser Filialnetz ist wichtige Infrastruktur für Vertrauen, Beratung, Bargeldversorgung, regionale Präsenz und Kundennähe“, sagt Schier weiter. Nach Angaben des Sparkassenverbands bleiben die Filialen ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells. Ihre Rolle verlagert sich weg vom Schaltergeschäft hin zu Beratung und individueller Begleitung – in der Filiale vor Ort und in digitalen Formaten.

KI als Werkzeug, nicht als Ersatz


Beim Einsatz Künstlicher Intelligenz betonen beide Institute, dass Algorithmen menschliche Beratung nicht ersetzen sollen. Eine Bitkom-Umfrage zeigt, dass rund 30 Prozent der Menschen einer KI bessere Empfehlungen zu Finanzprodukten zutrauen als Beraterinnen und Beratern. Zugleich geben viele Befragte an, dass ihnen Verantwortung und persönliche Ansprache weiterhin wichtig sind.

„KI wird Standardprozesse beschleunigen, Service verbessern und Beratung vorbereiten. Aber bei Immobilienfinanzierung, Vermögensaufbau, Altersvorsorge, Unternehmensnachfolge, Krisensituationen oder grundlegenden Veränderungen der Lebensphase verlassen viele Menschen sich weiterhin auf einen verantwortlichen Ansprechpartner, nicht nur auf einen Algorithmus“, erklärt Schier vom Sparkassenverband Niedersachsen.

Auch die Volksbank BRAWO versteht Künstliche Intelligenz als Ergänzung und nicht als Ersatz. „Unser Anspruch ist es, beides intelligent zu verbinden: moderne digitale Angebote, KI-gestützte Services und persönliche Nähe in der Region.“

Die Zukunft liegt dazwischen


Wie das Banking in zehn oder zwanzig Jahren aussieht, ist noch nicht absehbar. Fest steht: Digitale Angebote werden weiter wachsen, Online-Banking und bargeldlose Zahlungen werden bereits von einer Mehrheit genutzt. Die aktuellen Studien und die Einschätzungen der regionalen Institute deuten darauf hin, dass persönliche Beratung nicht verschwindet. Sie konzentriert sich auf die Momente, in denen es um Vertrauen und weitreichende finanzielle Entscheidungen geht.

„Die Volksbank der Zukunft ist nicht entweder digital oder persönlich. Sie ist beides, rund um die Uhr erreichbar und im entscheidenden Moment vor Ort an der Seite ihrer Kundinnen und Kunden“, sagt Tronnier von der Volksbank BRAWO.

Themen zu diesem Artikel


Volksbank BraWo