Ausbildungsstart: Weniger Verträge als im Vorjahr geschlossen

Heute beginnt das neue Ausbildungsjahr. Betriebe kämpfen mit einigen Herausforderungen und stellen Mängel bei der Ausbildungsreife junger Menschen fest.

Symbolfoto.
Symbolfoto. | Foto: Pixabay

Mehr regionalHeute.de bei Google sehen?

Jetzt als bevorzugte Quelle festlegen

Region. Für viele junge Menschen ist der heutige 1. August der Start in einen neuen Lebensabschnitt. Mit dem Beginn der Ausbildung treten sie ihren Weg in das Berufsleben an und werden in den nächsten Jahren viele neue Erfahrungen machen. Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres zieht die IHK Braunschweig in einer Pressemitteilung nun eine erste Bilanz.



„Ein neuer Lebensabschnitt ist immer spannend. Und gerade der Weg von der Schule in die Ausbildung ist ein besonderer: Es ist der erste Schritt in die eigene Selbstständigkeit. Das Leben verändert sich spürbar. Wo vorher noch ein Stundenplan vorgegeben hat, was am Tag geschieht, sind es nun Ausbildungsplan und Unternehmensalltag, die den Tagesrhythmus vorgeben. Auf die neuen Auszubildenden warten viele neue Erfahrungen, die sie auf ihrem Weg zur Fachkraft begleiten werden“, sagt Dr. Kirsten van Elten, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin und Abteilungsleiterin Beruf & Bildung der Industrie- und Handelskammer Braunschweig.

Weniger Ausbildungsverträge


Zum 31. Juli wurden bei der IHK Braunschweig 1.531 neue Ausbildungsverträge, und damit 224 Verträge weniger als im Vorjahr, eingetragen. Van Elten sieht die Herausforderungen des Matchings zwischen Ausbildungsbetrieb und potenziellen Auszubildenden, aber auch die noch vorhandenen Chancen: Im Vergleich zum Vorjahr sei die Anzahl der Neueintragungen zurückgegangen. Auch wenn davon auszugehen sei, dass noch weitere Verträge geschlossen werden, würden die aktuellen Zahlen die Herausforderungen der dualen Ausbildung widerspiegeln: „Beispielsweise werden Entscheidungen für eine Ausbildung immer später von Schülerinnen und Schülern getroffen, Unternehmen entscheiden sich aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage weniger auszubilden oder ein weiterer Schulbesuch wird einer Ausbildung vorgezogen. Da in vielen Betrieben das Ausbildungsjahr traditionell am 1. August oder 1. September eines Jahres startet, ist vielen Schülerinnen und Schülern nicht bewusst, dass auch danach noch ein Start in eine Ausbildung möglich sei“, sagt sie.

Die jährlich durch die Industrie- und Handelskammern durchgeführte Ausbildungsumfrage verdeutliche, dass die duale Ausbildung für viele Unternehmen weiterhin einen hohen Stellenwert habe. Gleichzeitig zeige sie, dass die Gewinnung geeigneter Nachwuchskräfte und die Stärkung der Ausbildungsreife junger Menschen weiterhin eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe bleibe.

25 Prozent der Betriebe reduzieren Angebot


Im Kammerbezirk der IHK Braunschweig zeige sich, dass trotz schwieriger politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen viele Unternehmen an ihrem Ausbildungsengagement festhalten. 56 Prozent der Betriebe bieten demnach unverändert viele Ausbildungsplätze wie im Vorjahr an. Rund ein Viertel der Unternehmen reduziere hingegen das Ausbildungsangebot. Als Gründe würden neben dem Mangel an geeigneten Bewerbungen auch organisatorische Veränderungen im Betrieb genannt. Teilweise schwanke die Zahl der Ausbildungsplätze zudem, weil Unternehmen nur in bestimmten Zyklen (beispielsweise alle 3 Jahre) ausbilden.

Mangelnde Ausbildungsreife


Im Vergleich zum Vorjahr sei eine leichte Steigerung der Ausbildungsplatzbesetzung zu verzeichnen: Rund 60 Prozent der teilnehmenden Unternehmen hätten angegeben, dass sie ihre angebotenen Ausbildungsplätze besetzen konnten. Dennoch bleiben Ausbildungsplätze, trotz Fachkräftemangel und Bemühungen zur Besetzung, unbesetzt. Als eine Herausforderung bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen würden die teilnehmenden Betriebe demnach insbesondere die Ausbildungsreife junger Menschen nennen. Seien es im letzten Jahr bereits mehr als 80 Prozent der Betriebe gewesen, so hätten in der diesjährigen Umfrage mehr als 90 Prozent der Unternehmen Defizite bei der Ausbildungsreife festgestellt.

Betriebe unterstützen Auszubildende


Neben fehlenden schulischen Grundfertigkeiten würden die Betriebe insbesondere Schwächen bei Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit sehen. Um Defizite auszugleichen, bieten demnach bereits mehr als 30 Prozent der Unternehmen eigene Nachhilfe- oder Unterstützungsangebote für ihre Auszubildenden an. „Viele Unternehmen unterstützen ihren Auszubildenden von Beginn an: Sei es über hauseigene Angebote oder externe Dienstleister. Fakt ist: Nicht alle Defizite können während der Ausbildung aufgeholt werden. Es ist wichtig, dass durch die Politik gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen und geplante Reformen umgesetzt werden, um die Ausbildungsbetriebe und die nächste Generation Fachkräfte zu unterstützen“, unterstreicht van Elten.

Zusätzlich fehle oft die Orientierung der jungen Menschen. Bei mehr als 300 verschiedenen Ausbildungsberufen falle die Entscheidung für einen Ausbildungsberuf oder eine Fachrichtung nicht immer leicht. Laut van Elten sei es hilfreich, sich möglichst umfassend zu informieren. Beispielsweise gebe die bundesweite Ausbildungskampagne Jetzt#Könnenlernen aller IHKs einen guten Überblick über verschiedene Berufsbilder, Praxisberichte von Auszubildenden geben einen Eindruck in den Ausbildungsalltag. Auch Gespräche mit Freunden, Familien und Bekannten könnten hilfreich sein und Perspektiven aufzeigen.

Viele Azubis werden übernommen


Positiv sei, dass jeder zweite Betrieb seine Auszubildenden in ein Arbeitsverhältnis nach der Ausbildung übernehme. Darüber hinaus würden viele Unternehmen in die langfristige Entwicklung ihrer jungen Fachkräfte investieren. Rund 65 Prozent würden in diesem Zusammenhang Seminare und Lehrgänge zur Weiterbildung anbieten. Ein Viertel ermögliche zudem den Erwerb einer höheren Berufsqualifikation, beispielsweise als Bachelor Professional, Fachwirt oder Meister. „Viele Unternehmen fördern ihre selbst ausgebildeten Fachkräfte in der beruflichen Weiterentwicklung. Auszubildenden kann eine Übernahmeaussicht mit anschließenden Weiterentwicklungsmöglichkeiten, Sicherheit und eine Zukunftsperspektive eröffnen – beides ist vielen aktuell sehr wichtig“, sagt van Elten weiter.

Hier findet man freie Ausbildungsplätze


Wer noch auf der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz sei, könne auf der Website meine-ausbildung-in-niedersachsen.de fündig werden. „Die Website bündelt Ausbildungsangebote von Internetseiten der jeweiligen Firmen und der Agentur für Arbeit. Für unseren Bezirk sind aktuell rund 1300 Ausbildungs- und Studienstellen gelistet“, so van Elten.

So finden Schüler und Unternehmen zusammen


Um Unternehmen und Schülerinnen und Schüler beim Matching zu unterstützen, bietet die IHK Braunschweig im November bereits zum vierten Mal den „Karriere Kick“ an. Auf dem Karriere Kick, der am 6. November stattfindet, können sich Unternehmen und potenzielle Auszubildende beim gemeinsamen Kickern kennenlernen. Dabei wird ein Vertreter des Unternehmens mit einem Schüler/einer Schülerin gematcht, die als Team gegen ein anderes Team spielen. In den vergangenen Jahren haben so viele Jugendliche und Unternehmen zueinander gefunden. Nähere Informationen finden sich online.