Wolfsburg. Neue kleine Bahnhöfe in der Region haben derzeit offenbar Konjunktur. Im Dezember soll etwa der neue Halt in Isenbüttel im Landkreis Gifhorn in den Betrieb gehen, der Halt Bienrode in Braunschweig soll zwölf Monate später folgen. Danach wäre nach aktuellem Planungsstand Wolfsburg an der Reihe. An der neuen Station Sandkamp in unmittelbarer Nähe zum gleichnamigen Werkstor sollen im Juni 2028 die ersten Züge halten. Das reicht der FDP-Fraktion im Rat der Stadt Wolfsburg offenbar nicht aus: Sie fordert einen weiteren Halt im Stadtgebiet und hat dafür schon einen alten Bahnhof im Visier, der für diesen Zweck reaktiviert werden soll.
Die Fraktion hat jetzt einen Antrag gestellt, über den zunächst der Verwaltungsausschuss entscheidet. Damit beantragen die Liberalen, den ehemaligen Bahnhof im Vorsfelder Süden wieder instand zu setzen und für Regionalzüge freizugeben. Der Parkplatz dort soll zu einem ,,Park and Ride“-Parkplatz ausgebaut werden.
Bahnhof soll Pendlerverkehr eindämmen
Zur Begründung heißt es im Antrag: Vorsfelde sei "ein bedeutender Stadtteil im Osten Wolfsburgs" und liege verkehrsgünstig für zahlreiche Pendler aus den östlich gelegenen Stadt- und Umlandgemeinden. Gleichzeitig seien die Wolfsburger Innenstadt und die Hauptverkehrsstraßen, "insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten, mit einem hohen Verkehrsaufkommen belastet." Am Bahnhof Vorsfelde – so lautet der Plan der FDP – könnten Pendler dann parken und auf den Regionalzug umsatteln. So könnte man "Pendlerverkehre frühzeitig auf den öffentlichen Verkehr verlagern."
Der Bahnhof in Vorsfelde wurde vor fast 50 Jahren für den Personenverkehr geschlossen und wird auch vom Güterverkehr schon lange nicht mehr genutzt. Gleichwohl zeige sein Vorhandensein, dass der Stadtteil eben an die Bahn angeschlossen sei, argumentieren die Antragsteller. Die Strecken zwischen Hannover und Berlin, die durch Vorsfelde führen, sind ohnehin ja weiterhin aktiv und viel befahren.
Reaktivierung des Bahnhaltepunkts Vorsfelde prüfen
"Angesichts der heutigen Pendlerströme und der bestehenden Verkehrsbelastung sollte daher geprüft werden, ob der Bahnhaltepunkt in Vorsfelde unter den heutigen Rahmenbedingungen wieder eingerichtet werden kann", beantragen die FDP‑Politiker. Wie diese Prüfung aussehen soll, lässt der Antrag zunächst offen. Dass die Stadt per Beschluss im Alleingang einen Bahnhof reaktiviert, dürfte jedenfalls ausgeschlossen sein.
Regionalverband führt Vorsfelde unter "Vorüberlegungen"
Es ist nicht der erste Vorstoß, den alten Bahnhof in Vorsfelde zu reaktivieren. Solche Überlegungen hat es immer mal wieder gegeben. Außerdem führt der Regionalverband Braunschweig den Bahnhof in einer Liste möglicher neuer Bahnhalte in der Rubrik "Vorüberlegungen" – also in einer Art Vorstufe zu den geplanten Bahnhöfen Braunschweig-West und Leiferde sowie Wolfenbüttel-Wendessen oder gar zu den Bahnhöfen, für die jetzt bereits die Termine für die Inbetriebnahme stehen: Isenbüttel, Bienrode und Wolfsburg-Sandkamp.

